Fangen und Werfen: Erproben und Erweitern der Fertigkeiten mit dem Rugbyball umzugehen

Doppelstunde

« zum Unterrichtsvorhaben

Phase

Unterrichtsschritte

Medien/Materialien

Einstieg

Die Lehrkraft bespricht mit den SuS das gesamte UV:

Zu Beginn sollte geklärt werden, dass Schulrugby etwas völlig anderes ist, als z.B. australisches Rugby, bei dem Tackling und Gruppenkämpfe erlaubt sind um den Ball zu bekommen, und auch nichts mit American Football zu tun hat.  Weitere Informationen sind hier zu finden: Infoblatt Lehrkräfte
Es wird darum gehen, das Zielspiel "Siebener-Rugby" zu erlernen, was über ein 5-Stufen-Modell erfolgt.
Link: 5-Stufen-Modell und 7er Rugby

Hinweis 
Je nach Lerngruppe wird die Lehrkraft entscheiden, wie lange die SuS die einzelnen Stufen durchlaufen, ob und in welcher Weise eine didaktische Reduktion vorgenommen werden muss und inwieweit sie sich an das vorliegende Modell hält oder Rückmeldungen der SuS einbaut, oder nicht umsetzbare Inhalte als Anlass nimmt, Änderungen mit den SuS zu thematisieren und umzusetzen.

In dieser Stunde soll es darum gehen, das Spielgerät kennenzulernen, und einige technische Grundelemente auszuprobieren:

  • Passen und Annehmen,
  • Laufen mit dem Ball,
  • Zwei-Hand-Touch an den Hüften des Ballträgers

Außerdem soll ein erstes Spiel mit vereinfachten Regeln ausprobiert werden, um eine Idee vom Zielspiel zu bekommen.

Hinweis
Passen und Annehmen sowie das Laufen mit dem Ball sind grundlegende Voraussetzungen für das Rugbyspiel. Diese und andere Individualtechniken (wie zu einem späteren Zeitpunkt Kicken und Fangen, Tiefhalten) können mit einem Minimum an Aufwand, d. h. mit zwei, maximal vier Rugbybällen pro Klasse trainiert werden.

Rugbybälle  (möglichst halb so viel wie SuS in der Klasse sind)

Aktivierung/Erarbeitung 

Die SuS werden in zwei Reihen aufgeteilt, stellen sich in drei Metern Abstand gegenüber auf und schließen sich nach dem Pass am Ende der Reihe wieder an.

Passen

Abb. 1: Passen

Passen im Kreis
Je sechs Schüler bilden einen Außenstirnkreis und passen einen Rugbyball im Kreis außenherum zu. Dabei bieten sich folgende Möglichkeiten an:

  • rechtsherum
  • linksherum
  • ebenso mit zwei Bällen (Ball einholen)

Passen im Kreis

Abb. 2: Passen im Kreis

Eine andere, sehr vorteilhafte Aufstellungsmöglichkeit zum Erlernen und Verbessern der Grundtechnik, ist im so genannten „magischen Quadrat“: Die SuS werden in Vierergruppen gleicher Spieleranzahl aufgeteilt und stellen sich innerhalb der Gruppen sternförmig an den markierten Ecken eines ca. 10 x 10 m großen Quadrats hintereinander auf.

Das magische Quadrat

Abb. 3: Das magische Quadrat

Die zwei oder vier Ballträger (mit 4 gleichzeitig startenden Ballträger ist die Übung viel laufintensiver) laufen gleichzeitig über die Diagonalen auf die ihnen gegenüberstehende Gruppe zu und geben den Ball an den nächsten Schüler ab, um sich dann hinten anzuschließen.
Dieses sollen die SuS zunächst einmal ausprobieren, um erste Erfahrungen mit dem Ballhandling zu sammeln.  Anschließend bespricht  die Lehrkraft mit den SuS kurz, wie Kollisionen der Ballträger auf ihrem Laufweg verhindert werden können. Das kann durch Körpertäuschung, Richtungswechsel, Abbremsen und Beschleunigungen verhindert werden.
Die Übung wird so fortgesetzt, bis alle Schüler 4- bis 6-mal mit dem Ball gelaufen sind:
Sollte dies Übung besonders gut gelingen, sind weitere Übungen in dieser Formation mit gleichem Ablauf möglich:

  • nach kurzem Anlaufen wird der Ball hochgeworfen, der dem Werfer gegenüber stehende Schüler fängt den Ball  in der Luft
  • Der Ballträger läuft bis zur Mitte, von da aus rollt er den Ball dem nächsten Mitspielern zu. Dieser nimmt den Ball auf, läuft zur Mitte, rollt den Ball, usw.  auf, laufen zur Mitte usw.
  • Der Ballträger rollt den Ball bis zur Mitte, läuft hinterher, hebt den Ball auf und läuft zum gegenüber stehenden Mitspieler und übergibt ihm den Ball. Dieser nimmt den Ball auf, rollt den Ball, usw. 

Die folgenden Spiele eignen sich, um den Umgang mit dem ungewöhnlich fliegenden Spielgerät auszuprobieren und erste taktische Erfahrungen zu machen. 

Einführende Spiele

10er Fang: 4:4, 5:5, 6:6 auf begrenztem Raum (Spielfeldbegrenzung durch Markierungshütchen).

Jede Mannschaft versucht, den Ball durch Passen in ihren eigenen Reihen – mindestens 10mal – zu halten. Die Gegner dürfen den Ball herausfangen oder dem Ballträger den Ball wegnehmen Gelingt es einer Partei, 10 Ballkontakte zu erlangen, erhält sie einen Punkt, und der Ball wechselt die Mannschaften.

Alternative "Schnappballspiele"

Nach diesem Spiel muss kurz zu Regeln reflektiert werden: Obwohl der Ball dem jeweiligen Spieler weggenommen werden darf, darf er nicht gerempelt, geschubst, umklammert … werden. Ebenfalls kann bereits jetzt die erste Taktik besprochen werden:  Die SuS  müssen sich durch Freilaufen in eine günstige Position für das Zuspiel bringen.

Die Chinesische Mauer: Dieses Spiel (ohne Ball) ist eine einfache Form zum Erlernen des Zwei-Hand-Touchs. Auf einem relativ großen Spielfeld stehen die SuS nebeneinander, während ein bis zwei Fänger in der Mitte stehen. Ziel der Läufer ist es, ohne gefangen zu werden, die andere Spielhälfte zu erreichen.
Ziel der Fänger ist es, die Läufer beim Überqueren des Spielfeldes durch eine Berührung mit beiden Händen an den Hüften (Zwei-Hand-Touchs) zu fangen. Gefangene SuS werden bei dem nächsten Durchgang ebenfalls zu Fängern. Das Spiel wird wiederholt, bis alle Läufer gefangen werden. Der Letzte ist der Sieger.

Hinweis
Der Zwei-Hand-Touch ist im weiteren Verlauf des UV das Mittel der Wahl, den Gegenspieler zu stoppen - mehr Körperkontakt sollte nicht erlaubt werden, es sei denn, das "Tackling" wird ausdrücklich thematisiert. Die SuS sollen den Zwei-Hand-Touch früh kennenlernen, um ihn als Technik parat zu haben. 

„Touch-Rugby (New Image Rugby)“:

Plan eines Rugby-Spielfelds

Abb. 4: Plan eines Rugby-Spielfelds

Die vereinfachten Grundspielregeln werden gemeinsam mit den SuS besprochen:

  1. Durch das Ablegen des Balls hinter der Mallinie werden 5 Punkte erzielt.
  2. Der Ball darf so lange getragen werden, bis der Ballträger von einem Gegner mit beiden Händen an den Hüften berührt wird. Dann muss er sofort abspielen (innerhalb von max. 3 Schritten). Nur der Ballträger darf angegriffen werden.
  3. Der Ball darf in jede Richtung abgespielt werden.
  4. Bei einem Seitenaus setzt die gegnerische Mannschaft das Spiel von der Seitenauslinie fort.

Die beiden Mannschaften stellen sich in den gegenüberliegenden Spielhälften auf, die Mannschaft im Ballbesitz auf der Mittellinie, die Gegner mindestens zehn Meter von der Mittellinie entfernt in der eigenen Hälfte. Nach Antippen des Balles mit dem Fuß kann der Schüler im Ballbesitz selbst auf das gegnerische Malfeld zulaufen oder den Ball zu einem Mitspieler passen. Da die Passrichtung am Anfang noch offen ist und auch Mitspieler, die vor dem Ballträger stehen, angespielt werden können, hat das Spiel noch große Ähnlichkeit mit Handball. Der Ball ist jedoch oval, was den Spielfluss extrem verändert. Er wird in dem gegnerischen Malfeld (eine Weichboden- oder Turnmattenbahn über die ganze Breite am Ende des Spielfeldes) abgelegt (fünf Punkte für einen so genannten Versuch).
In dieser Phase wird der Ballträger gestoppt, indem er mit beiden Händen an den Hüften berührt wird (statt später gehalten zu werden). Dann ist der Ballträger verpflichtet, den Ball sofort zu passen. Durch das Freilaufen der anderen Spieler werden Situationen geschaffen, die zu einem flüssigen Spiel führen.

Hinweis
Hier finden Lehrkräfte eine alternative Spielidee des Touch-Rugby, die ein wenig komplizierter ist.

Zwischenreflexion

Nach einer ersten Erprobung des Spiels kann die Lehrkraft gemeinsam mit den SuS folgende Punkte thematisiere

  • Kam ein Spiel zustande? Wenn nicht: Woran lag das?
  • Waren alle Mitspieler gleichmäßig beteiligt? Was kann man tun, damit alle SuS mitspielen können?
  • Haben sich alle an die Regeln gehalten?
  • Wo lagen besondere Regelverstöße vor?
  • Welche Möglichkeiten gibt es, Regelverstöße zu bestrafen?

Die Ergebnisse werden auf einem Plakat festgehalten.

Spielphase

Sollte noch genug Zeit sein, wird ein weiteres Mal nach den neuen Vereinbarungen gespielt. Andernfalls wird diese Spielphase auf die kommende Stunde vertagt.

Hinweis
Der oben beschriebene Stundeninhalt wurde mit einer 10. Klasse so durchgeführt, es ist aber genauso gut möglich, das "Touch-Rugby" in die zweite Unterrichtseinheit zu verlegen, wenn die SuS längere Zeit brauchen mit dem Spielgerät umzugehen.

Ausblick auf weiteres Vorgehen

Die Lehrkraft beschreibt den SuS, dass sie in der kommenden Stunde weiter am „Passen“ und „Laufen mit dem Ball“ arbeiten werden und die „Rückpassregel“ einführen werden. 

« zum Unterrichtsvorhaben