3.1 Gerätturnen


3.1.1 Fachliche Voraussetzungen

Eine Lehrkraft, die o. g. Bewegungsfelder/Sportbereiche im Schulsport anleitet, muss über folgende fachliche Voraussetzungen verfügen:

  • Kenntnisse der theoretischen Grundlagen,
  • Kenntnisse methodischer Vorgehensweisen und insbesondere bei wagenden Aktionen und von speziellen Vermittlungsformen für ängstliche oder motorisch schwächere Schülerinnen und Schüler sowie ggf. für Schülerinnen und Schüler mit Bedarf an sonderpädagogischer Unterstützung,
  • Kenntnisse zum Einsatz und zur Funktionssicherheit von Geräten ( s. Teil 1, Kapitel 2.5 ), adäquate Nutzung, Transport, Lagerung sowie Kenntnisse hinsichtlich des Auf- , Um- und Abbaus der Geräte,
  • Kenntnisse von Maßnahmen zum aktiven und passiven Helfen und Sichern und deren Auswirkungen (Geräte-, Gelände- und Personenhilfen) und
  • praktische Erfahrungen, insbesondere auch beim Helfen und Sichern.

3.1.2 Organisation und Aufsicht

Die Lehr- oder Fachkraft muss

  • die oder den Übenden sichern können. Sie muss bei einer anzunehmenden Fehlsteuerung im Bewegungsablauf jederzeit eingreifen können, damit die Bewegung verletzungsfrei beendet werden kann,
  • helfen können, damit eine Übung durch aktive Unterstützung gelingt,
  • bei allen Übungsversuchen entscheiden, ob Schülerinnen und Schüler eine bestimmte Übungsschwierigkeit mit oder ohne Sichern bzw. Hilfe turnen können,
  • alle Schülerinnen und Schüler beim Sichern und Helfen einbeziehen und entsprechend qualifizieren. Hierbei sind die körperlichen Voraussetzungen (wie z.B. Kraft, Körpergröße, Gewicht, Reaktionsvermögen etc.) der Schülerinnen und Schüler sowie deren spezifischen Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zu berücksichtigen. Sie sollten den übenden Mitschülerinnen und Mitschülern in Körpergröße und Gewicht mindestens ebenbürtig sein, die Bewegungsabläufe kennen und antizipieren sowie die Helfergriffe beherrschen, 
  • die Schülerinnen und Schüler beim Helfen und Sichern überwachen.

Folgende Grundregeln sind beim Sichern und Helfen zu beachten:

  • Bei der Einführung oder Anwendung von Helfergriffen ist darauf zu achten, dass Helfer und Turnende eindeutige Situationen herstellen, z.B. durch Verständigung über den Übungsteil.
  • Der/die Helfende steht nahe an dem Übenden.
  • Den Helfergriff so nah wie möglich am Rumpf ansetzen! Weitere geeignete Ansatzpunkte sind der Oberarm oder der Oberschenkel.
  • Der Helfer/die Helferin muss so lange helfen/sichern, bis die Übung abgeschlossen ist.
  • Es ist zweckmäßig, an beiden Körperseiten Hilfe- und Sicherheitsstellung zu positionieren.

3.1.3 Persönliche Ausstattung und Ausrüstung

  • Die Übenden haben eng anliegende Sportbekleidung zu tragen und turnen barfuß oder mit Gymnastikschuhen. Beim Geräteauf- und -abbau sind Sportschuhe zu tragen.
  • Brillenträger müssen eine sporttaugliche Brille tragen. Es ist auf einen festen Sitz der sporttauglichen Brille zu achten.
  • Beim Turnen von Übungen anReck, Barren, Trapez und Ringen, bei denen die Grifffestigkeit gewährleistet werden muss, ist Magnesia bereitzustellen.

3.1.4 Sportgeräte

Beim Einsatz von Sportgeräten sind die in  Teil 1, Kapitel 2.5, genannten Anforderungen einzuhalten.

Ab einer Fallhöhe von 60 cm sind Gerätestationen grundsätzlich mit Matten abzusichern.

Dabei kommen je nach Bewegungsablauf (Gewicht der Übenden, Art der Landung, Sprung- bzw. Fallhöhe) Turnmatten, Niedersprungmatten oder Weichbodenmatten zum Einsatz.

Bei allen Mattenarrangements ist darauf zu achten, dass sie stets bündig und spaltenfrei verlegt sind.

Der Landebereich ist je nach Körperlänge und Dynamik der Übenden mit einer ausreichenden Anzahl von Matten zu sichern.

Turnmatten (mit einer Stärke von 4 bis 6 cm) dürfen für Sprung- bzw. Fallhöhen von etwa 60 cm bis 1,20 m eingesetzt werden. Die zugelassenen Landehöhen orientieren sich am Entwicklungsstand der Kinder und an deren Gewicht. Turnmatten können ggf. doppellagig als Landeflächen eingesetzt werden. Alternativ können anstelle von Niedersprungmatten auch doppellagige Turnmatten als Landefläche verwendet werden.

  • Niedersprungmatten (Mattendicke von 12 - 15 cm) sollten bis zu einer Höhe von 1,20 m als Landefläche gewählt werden. Niedersprungmatten sind dann einzusetzen, wenn bei einer Übung die vorausgegangene Flugphase eine Drehung um eine oder mehrere Körperachsen beinhaltet und eine Punktlandung erfolgen soll.
  • Weichbodenmatten sind grundsätzlich für flächige Landungen einzusetzen. Landungen mit Fußsprüngen vom Minitrampolin dürfen, wenn die Drehfreiheit der Füße nicht gewährleistet ist, nur auf eine Kombination von Weichböden mit aufgelegten Turnmatten, Bodenläufern, Abdeckmatten oder Niedersprungmatten erfolgen.
  • Kombi- oder Duomatten eignen sich je nach Oberseite für Flächen- bzw. Punktlandungen.
  • AirTrack – Bahnen können die Matten beim Bodenturnen ersetzen und sind auch für Punktlandungen geeignet.
  • Bei der Ausführung einer aktiven Landung durch Schülerinnen und Schüler können Turnmatten bis zu einer Höhe von 1,20 m und Niedersprungmatten bis zu einer Höhe von 1,80 m eingesetzt werden.
  • Bei der Ausführung einer aktiven Landung durch Schülerinnen und Schüler ab einer Höhe von 1,80 m sind Niedersprungmatten bzw. eine Kombination von Weichböden mit aufgelegten Turnermatten/Bodenläufen bzw. Kombimatten einzusetzen. Sonstige Landungen ab dieser Höhe oder die Absicherung der Fallhöhe erfolgen durch den Einsatz von Weichbodenmatten.
  • Bei besonderen körperlichen Beeinträchtigungen einzelner Schülerinnen und Schüler, müssen die Anforderungen an die Sicherheitsstandards individuell angemessen verschärft werden, um diesen gefahrlos Erfolgserlebnisse zu ermöglichen.

Sprungbretter, insbesondere wenn sie doppelt gelegt sind, verrutschen beim Einsatz. Sie müssen ständig auf den angemessenen Abstand zum Gerät (abhängig von der Absprungstärke der Schülerinnen und Schüler) korrigiert und angepasst werden.

Kommen Geräte mit Eigenbewegung (z.B. Rollbrett, Rhönrad) zum Einsatz, sind die Vorschriften in  Teil I, Kapitel 2.5 besonders zu beachten.