BeweG NRW

Leichter lernen und mental stärker durch Bewegung, Spiel und Sport

Tennisspielerin

Das Ministerium für Schule und Weiterbildung entwickelt aktuell mit der Unfallkasse NRW ein Pilotprojekt zur Umsetzung an den Schulen.

Die Fähigkeit, das eigene Denken bzw. die Aufmerksamkeit und das Verhalten sowie die eigenen Emotionen gezielt steuern zu können, ist eine wichtige Grundlage für den Erfolg in der Schule und im Leben. Dieser Fähigkeit zur Selbstregulation liegen die sogenannten exekutiven Funktionen im Stirnhirn zugrunde, dessen Entwicklung erst im Erwachsenenalter abgeschlossen und das zeitlebens anpassungsfähig bzw. plastisch und damit lernfähig ist.

Zu den exekutiven Funktionen zählen das Arbeitsgedächtnis, die Inhibition (Aufmerksamkeits- und Impulskontrolle) und die kognitive Flexibilität. Das Arbeitsgedächtnis ermöglicht es uns, Informationen kurzzeitig zu speichern und mit den gespeicherten Informationen zu arbeiten. Mit Hilfe der Inhibition sind wir in der Lage, spontane Impulse zu unterdrücken, die Aufmerksamkeit willentlich zu lenken und Störreize auszublenden. Die kognitive Flexibilität ist die Fähigkeit, den Fokus der Aufmerksamkeit zu wechseln, sich schnell auf neue Situationen einstellen und andere Perspektiven einnehmen zu können.

Diese exekutiven Funktionen steuern im Zusammenspiel selbstreguliertes Verhalten. Sie unterstützen uns zudem dabei, Entscheidungen zu treffen, planvoll, aber auch flexibel und zielgerichtet vorzugehen, das eigene Handeln zu reflektieren und dieses ggf. zu korrigieren. Nur wer in der Lage ist, spontane Impulse zu unterdrücken und damit eigene Bedürfnisse für eine gewisse Zeit hinten anzustellen – man spricht auch vom Belohnungsaufschub – und so auch herausfordernde oder ermüdende Aufgaben mit Ausdauer meistern kann (Greene 2012), wer sein angestrebtes Ziel nicht aus den Augen bzw. aus dem Arbeitsgedächtnis verliert, wer flexibel reagieren kann und sich nicht allzu leicht ablenken lässt, kann erfolgreich lernen. Damit tragen die exekutiven Funktionen auch zur Willensbildung und zu diszipliniertem Verhalten bei.

Die Fähigkeit zur Selbstregulation ist folglich auch Grundlage für eigenverantwortliches und selbstgesteuertes Lernen und Arbeiten (vgl. auch Brunsting 2009). Sie ist gleichzeitig Basis für die Entwicklung sozial-emotionaler Kompetenzen von Kindern und Jugendlichen und damit für ein friedliches Zusammenleben in Gemeinschaften.


Exekutive Funktionen und sozial-emotionale Entwicklung

Kinder und Jugendliche mit einer höheren Selbstregulationsfähigkeit verfügen aber nicht nur über bessere Schulleistungen, sondern können auch besser mit Stress und Frustration umgehen (Mischel et al. 1989). So können Kinder, die gute Ergebnisse in einem Inhibitionstest aufweisen, sowohl positive als auch negative Emotionen leichter unterdrücken als Kinder mit schlechteren Testergebnissen. Andere Studienergebnisse zeigen, dass weniger aggressive Kinder zudem häufig über ein stärker ausgebildetes empathisches Verhalten verfügen (Carlson 2003).

Die exekutiven Funktionen befähigen zu Mitgefühl und Selbstbeherrschung und sind damit eine wichtige Grundlage für das soziale Zusammenleben in Familie, Schule und Freundeskreis.


Exekutive Funktionen, Selbstregulation und Lernleistung

Schülern, denen es nicht gelingt, sich auf den Unterricht zu konzentrieren, weil sie Sorgen haben, ängstlich oder verärgert sind, sie von Mitschülern bzw. der Klassenraumgestaltung abgelenkt werden oder weil zu viele Informationen die Kapazität ihres Arbeitsgedächtnisses übersteigen, haben oftmals nicht gut ausgebildete exekutive Funktionen. Ihnen fehlt damit eine wichtige Basis für den Lernerfolg. Die exekutiven Funktionen spielen auch dann eine Rolle, wenn es Kindern schwer fällt, umzuschalten, so z.B. von einer Umgebungsbedingung auf eine andere (von der freien Spielsituation auf dem Pausenhof zur Stillarbeit im Klassenzimmer) oder von einer Aufgabe auf eine andere (von dem Bereitlegen der Lernmaterialien (der Vorbereitung) zum eigentlichen Start der Arbeit) (Greene 2012).


Exekutive Funktionen im und durch den Sport fördern

Neben der spielerischen Förderung exekutiver Funktionen auf kognitiver Ebene profitieren exekutive Funktionen auch von einem körperlichen Training. Durch körperliche Aktivität und Fitness geförderte exekutive Funktionen zeigten sich unter anderem im Zusammenhang mit der Aufmerksamkeitssteuerung, der Inhibition und der Arbeitsgedächtnisleistung (zur Übersicht siehe Chaddock-Heyman et al. 2013). In verschiedenen Studien konnte sowohl bei jungen Erwachsenen (Themanson u. Hillman 2006) als auch bei Jugendlichen (Stroth et al. 2009) und Kindern (Hillman et al. 2005, Hillman et al. 2009a, Chaddock et al. 2012) nachgewiesen werden, dass körperliche Fitness in einem positiven Zusammenhang mit exekutiven Funktionen steht. So zeigen z. B. körperlich fitte Jugendliche im Vergleich zu weniger fi tten Jugendlichen höhere Aufmerksamkeitsprozesse und eine effektivere kognitive Kontrolle (Stroth et al. 2009).