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Schulpsychologe: Jedes Kind individuell fördern

Foto: Schulpsychologe Günter Waberg betont: Individuelle Förderung ist auch im Freizeitbereich wichtig Schulpsychologe Günter Waberg betont: Individuelle Förderung ist auch im Freizeitbereich wichtig

Lust statt Frust bei Schülerinnen und Schülern: Zum Schulbeginn ein Interview mit Günter Waberg, Schulpsychologe und Leiter der Regionalen Schulberatungsstelle der Stadt Mülheim an der Ruhr.

Was braucht ein Kind, um in der Schule gute Leistungen zu bringen?

Günter Waberg: Nur wenn ein Kind sich wohl fühlt, kann es optimale Leistungen bringen. Viele Eltern reagieren auf negative Schulleistungen leider schnell ungeduldig. Kinder benötigen aber sehr unterschiedlich Zeit. Wir wissen zum Beispiel, dass Kinder bei der Einschulung in der Grundschule bis zu drei Jahren Entwicklungsunterschied aufweisen. Der wichtigste Ratschlag: Geduld, Geduld, Geduld! Und Verständnis! Eltern - wie im Übrigen auch die Lehrer - müssen sich fragen, was das jeweilige Kind benötigt, um seine Aufgaben erledigen zu können. Das ist, wie gesagt, sehr unterschiedlich.

Was ist denn erstes Symptom dafür, dass ein Schüler übermäßig gestresst ist?

Günter Waberg: Klassische Überforderungsanzeichen sind Veränderungen des sonst gewohnten Verhaltens. Ein ruhiges Kind wird zum Beispiel zappelig, ein früher temperamentvolles zieht sich immer mehr zurück.

Worauf Eltern dann schnell mit Unverständnis reagieren?

Günter Waberg: Ja! Und gegebenenfalls mit Druck oder Strafen reagieren. Unter Druck arbeitet aber niemand optimal. Das ist eine wesentliche lerntheoretische Erfahrung und gilt für Kinder wie Erwachsene.

Bedeutet das, Anforderungen zurückzustellen?

Günter Waberg:
Es geht mir hier nicht um "Kuschelpädagogik". Klar ist, dass Schule jedes Kind dazu bringen sollte, dass es seine Leistungsmöglichkeiten ausschöpft. Die sind aber eben sehr unterschiedlich. Jedes Kind hat individuelle Stärken und Schwächen. Die Stärken müssen ausgebaut, an den Schwächen sollte behutsam gearbeitet werden. Das gelingt in der Schule für die Kinder am Besten, wenn Lehrerinnen und Lehrer als auch die Eltern sich als Fachleute auf ihrem jeweiligen Gebiet anerkennen, dann gedeiht auch die Zusammenarbeit. In unserer Schulberatungsstelle arbeiten wir deswegen grundsätzlich mit beiden zusammen, mit dem Ziel, die Schule zu stärken.

Sie arbeiten seit 25 Jahren als Schulpsychologe. Ist das Schülerleben in dieser Zeit stressiger geworden?

Günter Waberg: Wir nehmen hier schon wahr, dass immer mehr Familien sehr stark belastet sind. Dann fehlen oft die inneren Ressourcen, um mit neuen Problemen, die sich zum Beispiel im Schulalltag der Kinder ergeben, umzugehen. Um so wichtiger ist es daher, dass die Schule Kindern in psychisch belastenden Situationen auch psychologisch hilfreich begegnet. Hierbei unterstützen wir Schulpsychologen die Lehrkräfte gerne.

Und wie sieht es mit dem Freizeitstress der Kinder aus?

Günter Waberg: Das freie Spiel nach der Schule wie wir es von früher kennen, gibt es kaum noch. Viele Nachmittage sind verplant. Da könnte dann doch auch Druck herausgenommen werden?

Günter Waberg:
Das sollte man sich ganz genau und sehr individuell anschauen. Es ist zum Beispiel kontraproduktiv, einem Jungen den Spaß im Fußballclub zu verbieten, weil die Leistungen in der Schule nachlassen. Auch die Musikschule ist vielleicht für das eine Kind Lust, für das andere Last. Wie gesagt: Jedes Kind muss sehr individuell gefördert werden. Und manche Eltern müssen sich vielleicht auch von ihren Vorstellungen und Zielen lösen, die sie sich von ihrem und für ihr Kind machen.

Interview: Andreas Uphues

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