Sicherheits- und Gesundheitsförderung
Unfallgeschehen
Sportartspezifische Unfallrisiken
Unfallzeitpunkt und Unterrichtssituation
Unterrichtsinhalte und Unfallanteile verschiedener Einzeltätigkeiten
Verletzungsbewirkende Vorgänge
Eigenschaften und Fähigkeiten der Unfallschüler
Unfallursachen (Beurteilung aus Lehrersicht)
Die ständig steigenden Unfallzahlen im Schulsport seit Einführung der Schülerunfallversicherung (1971) veranlassten das Kultusministerium des Landes Nordrhein-Westfalen in Kooperation mit den Trägern der gesetzlichen Schülerunfallversicherung 1987 die landesweite Initiative „Mehr Sicherheit im Schulsport“ ins Leben zu rufen. Im Mittelpunkt dieser Initiative stehen materialgestützte Lehrerfortbildungen mit den Ziel:
- Alle im bzw. für den Schulsport Verantwortlichen über die Zielsetzungen der landes-weiten Initiative zu informieren,
- sie für Gefahren des Schulsports zu sensibilisieren und zu ihrer Vermeidung zu qualifizieren, bzw. durch eine entsprechende Gestaltung des Schulsports auf ein zunehmend sicherheitsbewusstes Verhalten der Schülerinnen und Schüler hinzuwirken.
- Unter Federführung des Landesinstituts für Schule und Weiterbildung wurden dazu bis heute fünf Materialbausteine veröffentlicht.
Unfallgeschehen im Schulsport
In Zusammenarbeit mit der verantwortlichen Forschungsstelle der Bergischen Universität – Gesamthochschule Wuppertal und den beiden Gemeindeunfallversicherungsverbänden wurde im Frühjahr 1998 vereinbart, eine repräsentative landesweite Bestandsaufnahme zum schulischen Unfallgeschehen zu erstellen und die Voraussetzungen für eine kontinuierliche Berichterstattung (Trendreport) zu schaffen. Im folgenden werden ausgewählte Erkenntnisse der aktuellen Unfallforschung von Hübner/Pfitzner für das Schuljahr 1998/99 über das Unfallgeschehen im nordrhein-westfälischen Schulsport vorgestellt (Die Ergebnisse werden z. T. bis in wörtliche Formulierungen aufgenommen.).
Schulformen und Altersgruppen
- Schulform: Der Unfallanteil, korrigiert nach Schülerzahl und Unterrichtsanteil, ist an der Hauptschule am größten. Gut ein ¼ aller Unfälle (26,3%) entfällt auf die Hauptschule, rund jeder fünfte Unfall ereignet sich an der Gesamtschule (20,7%) bzw. an der Realschule (20,5%). Auf das Gymnasium entfällt ein Anteil von 14,7% und ca. jeder 20. Unfall ereignet sich in der Grundschule (12,0%).
- Altersstruktur: Die Analyse der Altersstruktur und der Jahrgangsstufen im Zusammenhang mit den Schulsportunfällen zeigt die herausragende Rolle der Sekundarstufe I. Die Jahrgänge 7-10 besitzen allein schon einen Unfallanteil von 50%, während die Anteile der Primarstufe mit rund 13% und der Oberstufe mit knapp 20% deutlich geringer ausfallen. Der expositionszeit-bezogenen Risikofaktoren konkretisiert die besondere Bedeutung der Sekundarstufe I:
| Jahrgangsstufe | Risikofaktor |
|---|---|
| Jahrgangsstufe 5: | RF 1,2 |
| Jahrgangsstufe 6: | RF 1,2 |
| Jahrgangsstufe 7: | RF 1,7 |
| Jahrgangsstufe 8: | RF 1,9 |
| Jahrgangsstufe 9: | RF 1,6 |
| Jahrgangsstufe 10: | RF 1,5 |
Sportartspezifische Unfallrisiken
- Risikofaktor: Unter Einbezug des zeitlichen Umfangs der Sportarten im Unterricht besitzt die Sammelkategorie „Ballspiele“ einen herausragenden Risikofaktor (4,3). An zweiter Stelle findet sich das Fußballspiel (2,1) gefolgt von der Sammelkategorie „Kleine Spiele“ und dem Basketballspiel (jeweils 1,5). Ein erhöhter Faktor wurde auch für das Handballspiel (1,1) ermittelt.
- Entwicklung: Die Hitliste der oben genannten vier riskantesten Sportarten hat sich von Anfang der 90er Jahre bis jetzt nicht verändert. Das Volleyballspiel, das Konditionstraining und das Turnen haben ihren ohnehin unterdurchschnittlichen Risikofaktor geringfügig verringert. Die Werte für Schwimmen und Leichtathletik liegen Ende der 90er Jahre weiterhin deutlich unter dem Durchschnitt, jedoch ist hier ein leichter Anstieg feststellbar.
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Unfallzeitpunkt und Unterrichtssituation
- Unfallzeitpunkt: 90% aller Schulsportunfälle ereignen sich in den ersten sechs Unterrichtsstunden. In den ersten drei Stunden sind es 47,6% und in der 4.-6. Stunde insgesamt 42,4%. Sieben von zehn Schulsportunfällen ereignen sich in Doppelstunden, gut ein Viertel (27,8%) in Einzelstunden; in einstündigen Kursstunden sind 2,8% der Unfälle zu registrieren.
- Der Unfallzeitpunkt zeigt für die Einzel- bzw. Doppelstunde unterschiedliche Unfallzeitpunkte innerhalb der Stundentypen. Der Unfallschwerpunkt in der Einzelstunde liegt eindeutig im mittleren Drittel der Stunde. In der Doppelstunde sind zwei Unfallschwerpunkte zu erkennen. So geschehen die meisten Unfälle zwischen der 16. und der 30. Minute bzw. zwischen der 46. und 60. Minute. Im letzten Drittel der Sportstunde ereignen sich sowohl in der Einzelstunde als auch in der Doppelstunde weniger als 20% der Unfälle. Dieses Ergebnis spricht gegen den Faktor Ermüdung als entscheidende Ursache für Schulsportunfälle.
- Unterrichtsphase: Die Unfallschwerpunkte im Stundenverlauf korrelieren mit der nach groben funktionalen Einheiten (Phasen) betrachteten Unfallverteilung. Auf den Hauptteil der Einzel- und Doppelstunde entfallen rund 70% der Unfälle. Die Aufwärmphase und der Stundenausklang erreichen jeweils Werte zwischen 10% und 15%. Eine Differenzierung hinsichtlich der Sportarten zeigt interessante Ergebnisse. Bei den Individualsportarten ragt der Hauptteil mit Werten von 82% für die Leichtathletik und 90% für das Turnen heraus. Bei der Leichtathletik ist zudem der hohe Anteil der Unfälle (15,9%), die sich in der Aufwärmphase ereignen, auffällig. Beim Fußball sind der Stundenausklang (22,9%) und beim Volleyball die Aufwärmphase auffallend.
- Unterrichtssituation: Knapp die Hälfte der Schulsportunfälle (47,7%) ereignet sich in „Spielsituationen“. Mit deutlichem Abstand auf dem zweiten Rang liegt die „Übungssituation“, in der sich rund ¼ (26,3%) der Unfälle ereignen. „Wettkampfsituationen“ (6,2%), „Lernsituationen“ (4,6%) und „Wettläufe“ (3,5%) rangieren dahinter.
- Betrachtet man die Unterrichtssituationen der riskanten großen Sportspiele, so zeigt sich ein differenziertes Bild. Beim Fußball ereignen sich ¾ aller Unfälle in der „Spielsituation“ (76,8%). Auch beim Basketball (63,4%) und beim Volleyball (54,5%) liegen die Werte deutlich über den anderen Kategorien, jedoch klar unter den Fußballergebnis. Während beim Fußballspiel die „Übungssituation“ mit 9,7% nur eine geringfügige Rolle spielt, ereignen sich beim Basketball knapp ¼ (24,3%) und beim Volleyballspiel ⅓ (33,6%) der Unfälle in einer „Übungssituation“.
Sozial- und Aktionsformen
- Sozialform: Bei der Untersuchung der Sozialform während der Unfallbewegung zeigen sich zwei dominierende soziale Kontexte zum Unfallzeitpunkt. Die meisten Unfälle (38,9%) geschehen während einer Bewegung, die in einer „Mannschaft“ durchgeführt wurde. Nur unwesentlich weniger Unfälle ereignen sich bei einer „Einzelaktion“ (35,9%). Auf Aktionen in einer Gruppe bzw. Partnerübungen entfielen jeweils rund ein Neuntel der Unfälle.
- Geschlechtsspezifische Betrachtung: Bei den Jungen liegt die Sozialform „Mannschaft“ (43,4%) deutlich vor der „Einzelaktion“ (34,6%). Der Unfallschwerpunkt „Mannschaft“ (37,2%) liegt bei den Mädchen dagegen nur wenig vor der Sozialform „Einzelaktion“ (34,3%). Bei den Mädchen sind zudem die Partnerformen beachtenswert, in den sich 13,9% (m: 7,8%) der Unfälle ereignen. Jungen verunfallen damit stärker in den Sozialformen mit mehreren Schülern, die Mädchen in stärkerem Maße bei Einzel- und Partnerformen.
Unterrichtsinhalte und Unfallanteile verschiedener Einzeltätigkeiten
- Unterrichtsinhalte: Eine Untersuchung des Unterrichtsinhalts zum Unfallzeitpunkt zeigt, dass sich jeder fünfte Unfall im Rahmen eines „komplexen Ballspiels“ ereignet. Es folgt mit 13% das „Passen und Fangen“ des Balles. Auf alle weiteren Unterrichtsinhalte entfallen jeweils weniger als 5% aller Nennungen.
- Schulstufenspezifische Differenzierung: Eine schulstufenspezifische Betrachtung der beiden vorrangigen Unterrichtsinhalte zum Unfallzeitpunkt zeigt, dass diese Tätigkeiten mit zunehmender Schulstufe einen wachsenden Unfallanteil ausmachen. Während das „komplexe Ballspiel“ und das „Passen und Fangen“ in der Primarstufe noch einen Anteil von rund 17% an den Tätigkeiten zum Unfallzeitpunkt aufweisen, hat sich dieser Anteil in der Unterstufe verdoppelt. In der Mittelstufe steigt er auf fast 38% und in der Oberstufe sogar auf rund 41%.
- Sportartspezifische Analyse: Bei den Sportspielen ragt das Fußballspiel hervor, bei dem sich rund zwei Fünftel der Unfälle ereignen. Beim Basketball sind es rund ⅓, beim Volleyball knapp jeder vierte Unfall. In dem Ballspiel Volleyball stellt das „Pritschen“ eine Besonderheit dar, bei dem sich über ein Drittel aller Unfälle (35,5%) ereignen. Beim Basketball tritt das „Passen und Fangen“ in den Vordergrund, bei dem rund ⅓ der Unfälle passieren. In der Leichtathletik ist der hohe Anteil der Unfälle auffällig, die sich im Rahmen von „Sprüngen“ (44,8%) ereignen, gefolgt von Unfällen beim „Sprinten“ (18,6%). Die Turnunfälle verteilen sich zu ca. je einem Drittel auf das „Bodenturnen“ und die „Sprünge“. Weitere 21,7% der Nennungen entfielen auf die nicht näher spezifizierte Kategorie „Turnen an Geräten“.
- Lernphase: Nahezu 3 von 5 Unfällen ereignen sich in der Lernphase „Anwendung einer bekannten Fertigkeit unter variablen Bedingungen“ (worunter z.B. das Passen und Fangen in einer Spielsituation zu verstehen ist). Bei einem weiteren Fünftel der Unfälle wird eine „alte Fertigkeit“ wiederholt und in 8,9 % liegt eine „Weiterführung einer Fertigkeit aus der vorherigen Stunde“ vor. Nur geringe Unfallanteile entfallen auf „offenen Bewegungsaufgaben“ und dem „Erlernen einer Grobform“ (6,9%).
- Auffällig ist der um 17% höhere Anteil der Jungen bei der „Anwendung einer Fertigkeit unter variablen Bedingungen“ (m: 65,9% ó w:48,3%). Mädchen verunfallen häufiger bei „offenen Bewegungsaufgaben“ (m: 5,4% ó w:8,3%) und beim „Erlernen der Grobform“ (m: 3,1% ó w: 7,7%).
- Die schulstufendifferenzierte Betrachtung zeigt, dass mit zunehmendem Alter der Schüler der Anteil, der sich in einer „offenen Bewegungsaufgabe“ bzw. beim „Erlernen der Grobform“ ereignenden Unfälle von 20,8% in der Grundschule auf 4,4% in der Oberstufe abnimmt. Der Anteil der Unfälle bei der „Anwendung einer Fertigkeit unter variablen Bedingungen“ steigt hingegen von 44,9% in der Primarstufe auf 68,1% in der Oberstufe.
Verletzungsbewirkende Vorgänge
- Verletzungsmechanismus: Unter den Verletzungsmechanismen dominieren drei Vorgänge, die eine Verletzung bewirken. An erster Stelle steht mit knapp ⅓ der Nennungen das „Umknicken“ (31,2%), gefolgt mit einem Anteil von 22,5% der „Aufprall“ auf einen Gegenstand bzw. Boden. Auf „Balltreffer“ sind weiterhin eine Reihe von Verletzungen zurückzuführen. In rund 18,3% der Nennungen wird ein „Getroffen werden“ beim Fangen des Balles angeführt, in 11,7% wird der „Balltreffer“ nicht näher spezifiziert.
- Die geschlechtsspezifische Analyse rückt bei den Mädchen den Verletzungsmechanismus „Balltreffer“ in der Vordergrund. In 36,1% der Unfälle, die die Mädchen erleiden, wird die Verletzung durch einen „Treffer des Balles“ bewirkt. Demgegenüber steht der weitaus geringere Anteil von 24,3% dieses Mechanismusses bei den Jungen.
- „Umknickverletzungen“ erleiden Jungen und Mädchen in gleichem Maße. Ein differenziertes Bild zeigt sich bei den Verletzungen in Folge eines „Zusammenpralls“ mit einem Gegenstand, dem Boden oder einem Mitschüler. Während 37,5% der Unfälle bei den Jungen nach einem „Auf- oder Zusammenprall“ erfolgen, ist dieser Verletzungsmechanismus bei den Mädchen von geringerer Bedeutung (26,5%).
- Bei der schulformspezifischen Betrachtung der Verletzungsmechanismen fällt der herausragende Wert „Aufprall“ in der Primarstufe mit einem Anteil von 39,5% der Unfälle auf. Das „Umknicken“ ragt insbesondere am Gymnasium (36,5%) und der Realschule (33,9%) deutlich hervor. Es folgt das „Getroffen werden beim Ballfangen“ (13-27%), das vor allem an der Hauptschule zu beachten ist.
- Gegenstand: Dem Ball kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Rolle zu. In 38,1% der Unfälle, bei denen ein Unfallgegenstand angegeben werden kann, wird der „Ball“ genannt. Am zweit häufigsten wird der „Boden“ (21,5%) aufgeführt, gefolgt von „Körper eines Mitschülers“ (15,1%) und die „Matte bzw. Mattenkante“ (8,0%). Alle anderen Gegenstände werden in weniger als 5% der Fälle genannt.
- Die geschlechtsspezifische Betrachtung zeigt, dass der Anteil der Mädchen, bei den Ballunfällen mit 43,8% um 10%-Punkte über dem der Jungen liegt. Bei dem Unfallgegenstand „Körper eines Mitschülers“ ergibt sich gegenteiliges Ergebnis (m: 21,1% ó w: 8,7%). Der Gegenstand „Matten“ ist bei Unfällen der Mädchen (11,1%) häufiger als bei den Jungen (5,2%) Bestandteil des Unfallgeschehens.
- Bei der schulformspezifischen Betrachtung fällt der deutlich geringere Unfallanteil in den Grundschulen im Vergleich zu den weiterführenden Schulen, die sich beim Umgang mit dem Ball ergeben auf (Grundschule: 15,3% ó weiterführende Schule: 40-50%). An den Grundschulen erreicht dafür der Anteil „sonstigen Gegenstände“ mit rund 28% einen außerordentlich hohen Wert. Dabei sind die „Wand“ und die „Bank“ von Relevanz, die in anderen Schulformen bisweilen überhaupt keine Rolle spielen.
Eigenschaften und Fähigkeiten der Unfallschüler
- Kondition und Koordination: Die Sportlehrkräfte bescheinigen knapp der Hälfte (46,4%) der Unfallschüler einen „guten“ bis „sehr guten“ Fitnesszustand. Die Jungen schneiden in dieser Beurteilung mit 55% gegenüber 37% bei den Mädchen deutlich besser ab. Die konditionellen Eigenschaften und koordinativen Fähigkeiten der Unfallschüler werden überwiegend als „durchschnittlich“ bis „gut“ beurteilt. Während bei den Fähigkeiten Ausdauer, Beweglichkeit und Koordination zwischen 9% und 12,5% der Unfallschüler als „schlecht“ bezeichnet werden, sind die hohen negativen Angaben bei der Stütz- und Sprungkraft zwischen 16% und 18% auffällig.
- Psychische Disposition: Bezüglich der psychischen Dispositionen (überdauernde Eigenschaften) der Unfallschüler bezeichnen die Lehrkräfte ¾ der Schüler als „motiviert“ und mehr als die Hälfte als „ehrgeizig“. Als „aggressiv“ wird lediglich jeder 20. Unfallschüler eingestuft. Der Faktor „Angst“ spielt eine untergeordnete Rolle (2,5% „völlig unzutreffend“; bzw. nicht einmal 5% „weitgehend zutreffend“). Die Schüler sind auch nicht als „übermütig“ zu charakterisieren, da nur 10% der Lehrer diese Einschätzung für „zutreffend“ beurteilen.
- Befragt nach ihrem Sportinteresse antworten mehr als 8 von 10 verunfallten Schülern, dass sie „gern“ oder „sehr gerne“ Sport treiben. Weniger als 2% erweisen sich dem Sport gegenüber abgeneigt. Auch die Einstellung zum Sportunterricht und zur Unfallsportart erreicht zustimmende Werte oberhalb von 70%.
Unfallursachen (Beurteilung aus Lehrersicht)
- Ursachen: Zwei Ursachen sind für das Zustandekommen des Unfalls maßgeblich. Über ⅔ der Lehrkräfte nennen als Unfallursache eine „Fehlhandlung des Unfallschülers“ (68,6%), gefolgt vom „Verhalten der Mitschüler“ (16,5%) im Entstehungszusammenhang des Unfalls. „Räumliche Gegebenheiten“ oder das zur Verfügung stehende „Material“ bzw. „Geräte“ spielen als Unfallursache eine zu vernachlässigende Rolle. Eine differenzierte Betrachtung der Unfallursache hinsichtlich Geschlecht und Schulform ergibt keine Auffälligkeiten.
- „Fehlhandlung des Unfallschülers“: Bei einer genaueren Untersuchung der von den Lehrkräften erkannten Hauptunfallursachen beim Unfallschüler ragt die Angabe „Unkonzentriertheit“ (32,1%) deutlich heraus. Nach den „sonstigen Ursachen“ (19,4%), zu denen eine ganze Reihe von Aspekten wie „falsche Technik“, „Ermüdung“ oder „Ungeschicklichkeit“ (jeweils >3%) zu zählen sind, werden Aspekte wie „Unvorsichtigkeit“, „Ehrgeiz“ und „falsche Bewegungsvorstellung“ mit je rund 10% genannt. Die „konditionellen Ursachen“ und „zögerndes Verhalten“ spielen mit rund 5% eine geringe Rolle für fehlerhaftes Schülerverhalten.
- „Fehlhandlung eines Mitschülers“: Jeweils rund ¼ der Lehrerantworten, die einen Mitschüler als Grund des Unfalls benannten, betrifft dessen „zu großen Ehrgeiz“ bzw. dessen „mangelnde Aufmerksamkeit“. Mit 17,2% ist der Kategorie „Risikounkenntnis“ ebenfalls auffällig. „Aggressives Verhalten“ spielt mit 4% eine untergeordnet Rolle.
- Die geschlechtsspezifische Analyse zeigt, dass die Sportlehrkräfte bei den Jungen mit ⅓ der Nennungen „zu großer Ehrgeiz“ als Unfallursache beurteilen, während bei den Mädchen „mangelnde Aufmerksamkeit“ mit 3/10 der Angaben an erster Stelle der Unfallursachen rangiert. „Zu großer Ehrgeiz“ spielt bei den Mädchen eine vergleichsweise geringe Rolle (16,7%).
- Die schulformdifferenzierte Betrachtung verdeutlicht, dass „mangelnde Aufmerksamkeit“ insbesondere in der Grundschule (32,5%) und in der Gesamtschule (31,8%) bedeutsam sind. Lässt man die Oberstufe unberücksichtigt, so ist erkennbar, dass der Unfallursache „zu großer Ehrgeiz“ mit ansteigendem Alter bis zur Mittelstufe eine höhere Relevanz zugemessen wird. (Grundschule: 13,5%; Unterstufe 24,0%; Mittelstufe: 33,8%). Eine gegenläufige Entwicklung ergibt sich für die Unfallursache „mangelnde Aufmerksamkeit“ (Grundschule: 31,6%; Unterstufe 30,9%; Mittelstufe: 19,8%).
Allgemeines Fazit
Unfallschüler stellen keine besondere Schülergruppe dar. Es sind nicht die psychisch schwachen motorisch wenig Begabte, sondern engagierte Schülerinnen und Schüler sind eher von Schulsportunfällen betroffen!
Als besonders gefährdete Altersgruppe kristallisiert sich die Schülerschaft der Sekundarstufe I heraus (insbesondere die Jahrgangsstufe 7-10, in der sich alleine 54% der Sportunfälle ereignen).
Die "Hitliste" der vier riskantesten Sportarten ist nach wie vor gleich geblieben:
1. Sammelkategorie „Ballspiele“
2. „Fußball“
3. „Kleine Spiele“
4. „Basketballspiel“
Literatur
1. Hübner, H.; Pfitzner, M.: Schulsportunfälle in Nordrhein-Westfalen – Die wichtigsten Ergebnisse zum Unfallgeschehen des Schuljahres 1998/99. Münster 2001.
2. Pfitzner, M.: Das Risiko im Schulsport – Analysen zur Ambivalenz schulsportlicher Handlungen und Folgerungen für die Sicherheitsförderung in den Sportspielen. Münster 2001 (Schriftenreihe zur Körperkultur ;35)
3. Mirbach, A.: Sportunfälle an allgemeinbildenden Schulen in Westfalen Lippe. Münster 1995.
4. Mirbach, A.: Der Sportlehrer – ein unbekannter Faktor im Unfallgeschehen? In: Hübner, H.; Hundeloh, H. (Hrsg.): Zehn Jahre „Mehr Sicherheit im Schulsport“ – Erfahrungen und Erkenntnisse zum Unfallgeschehen im Schulsport des Landes Nordrhein-Westfalen. Münster 1997.
5. GUVV Westfalen-Lippe (Hrsg.): Die Aufsichtspflicht der Schule. Münster 1995




