Sicherheits- und Gesundheitsförderung

Partner:
Landesunfallkasse Nordrhein-Westfalen
BKK Landesverband NORDWEST

Stressbewältigung durch Bewegung


Ergebnisse

Aus Schülersicht wurden die Projektergebnisse am Samstag nach Ablauf der Projektwoche präsentiert. Schwerpunkt ihrer Präsentation war der gelernte Umgang mit Zeitdruck. Zu diesem Zweck entwickelten die Schülerinnen und Schüler in Eigenregie einen Katalog von Empfehlungen, der auf Plakaten dargestellt und anschließend am "2ball-Spiel" demonstriert wurde:

Wie gehe ich mit Zeitstress um?

  1. Ich konzentriere mich nur auf die Sache, die ich gerade tue.
  2. Ich gehe lieber langsam und konzentriert an die Aufgabe heran, statt zu hetzen.
  3. Ich achte nicht darauf, was andere tun oder sagen und lasse mich nicht ablenken.
  4. Ich mache mir selbst Mut und sage mir: "ICH SCHAFFE ES!"
  5. Ich stelle mir vorher genau vor, was zur Aufgabenlösung zu tun ist.
  6. Ich stecke mein Ziel nicht zu hoch.
  7. Für das 2ball-Spiel überlege ich mir eine Strategie.

Die begleitende Evaluationsstudie sollte folgende Fragestellungen untersuchen:

  1. Es soll überprüft werden, ob in dem Unterrichtsprogramm die relevanten Stresssituationen des Sportunterrichts enthalten sind.
  2. Es soll analysiert werden, wie die Unterrichtsinhalte von den Schülerinnen und Schülern bewertet wurden.
  3. Es soll festgestellt werden, welche Veränderungen im Umgang mit Stress sich aus der Sicht der Schülerinnen und Schüler ergeben haben.


Zur Überprüfung der Effektivität des Programms wurden folgende Fragebogen eingesetzt:

(1) Der Fragebogen zum Stresserleben, mit dem erfasst werden soll, ob Schülerinnen und Schüler im Sportunterricht Stress erleben und den Umgang mit Stress erlernen wollen. Damit sollte geprüft werden, wie relevant das Stressprogramm für den Sportunterricht ist.

(2) Der selbst entwickelte Fragebogen zu Stresssituationen im Sportunterricht sollte zum einen deutlich machen, welche Situationen für die Schülerinnen und Schüler mehr oder weniger unangenehm sind. Damit sollte festgestellt werden, wie relevant die im Unterrichtsprogramm vorgegebenen Stresssituationen für die Schülerinnen und Schüler sind.

(3) Zur Unterrichtsbewertung wurden für beide Gruppen unterschiedliche Fragebogen eingesetzt, da nur die Versuchsgruppe das Stressprogramm absolvierte und die Kontrollgruppe andere sportbezogene Unterrichtsinhalte während der Projektwoche hatte. Die Kontrollgruppe sollte am Schluss der Woche ihren Sportunterricht einschätzen; die Versuchsgruppe wurde dagegen am Ende jedes Unterrichtstags um eine Bewertung der Unterrichtsinhalte gebeten.

(4) Nach Abschluss der Programmdurchführung beantwortete die Versuchsgruppe außerdem den selbst entwickelten Fragebogen zu den Programmeffekten.
Die Untersuchungsgruppe besteht insgesamt aus 56 Schülerinnen und Schülern. 26 von ihnen haben am Stressprogramm teilgenommen und bilden die Versuchsgruppe, die übrigen 30 Schülerinnen und Schüler die Kontrollgruppe. Alle Schülerinnen und Schüler waren in der 9. Klasse und 14 Jahre alt. 55 % der Schülerinnen und Schüler sind weiblich und 45 % männlich. Im Durchschnitt haben sie eine gute Note in Sport, was sich damit erklären lässt, dass die meisten (91 %) sehr gern bzw. gern am Sportunterricht teilnehmen.

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Die Auswertung der Fragebögen ergab folgende Ergebnisse:

Stresserleben im Sportunterricht
Vor Beginn der Programmdurchführung wurde die gesamte Untersuchungsgruppe zu ihrem Stresserleben im Sportunterricht befragt. Die Ergebnisse zeigen, dass Stress im Sportunterricht für viele Schülerinnen und Schüler ein Problem ist, für das sie gerne Lösungsmöglichkeiten kennen würden. Gut ein Drittel (37 %) erlebt häufig bzw. manchmal Stress im Sportunterricht, die restlichen Schülerinnen und Schüler erleben selten oder nie Stress. Der Wunsch nach weniger Stress im Sportunterricht wird von 29 % der Schülerinnen und Schülergeäußert. Ihren Umgang mit Stress wollten knapp zwei Drittel der Schülerinnen und Schüler (62 %) gerne verbessern.


Analyse der typischen Stresssituationen

Die Ergebnisse der Befragung machen deutlich, dass die Mehrheit der vorgegebenen Situationen im Sportunterricht von den Schülerinnen und Schülern als eher unangenehm erlebt wird.
Lediglich zwei Situationen werden als angenehm erlebt. Die typischen Stresssituationen sind:

  • wenn sie etwas falsch machen,
  • wenn etwas gemacht wird, was sie nicht so gut können,
  • wenn sie nicht genau wissen, was von ihnen erwartet wird,
  • wenn Aufgaben unter Zeitdruck zu lösen sind,
  • wenn sie etwas vormachen sollen oder
  • wenn Prüfungen stattfinden.

Aus diesen Schülereinschätzungen kann gefolgert werden, dass die in das Programm aufgenommenen Stresssituationen für den Sportunterricht relevant sind.


Analyse der Unterrichtsbewertung der Versuchsgruppe

Das Stressprogramm wurde an vier aufeinanderfolgenden Unterrichtstagen durchgeführt. Am Ende eines jeden Unterrichtstages wurde von den Schülerinnen und Schülern eine Gesamtbewertung des Unterrichts vorgenommen. Es zeigte sich, dass die Zustimmung der Schülerinnen und Schüler zu den Programminhalten von Tag zu Tag größer wurde.
Während 63 % der Schülerinnen und Schüler den ersten Unterrichtstag mit sehr gut/gut beurteilen, wurde der zweite Unterrichtstag von 85 %, der dritte Unterrichtstag von 96 % und der vierte Unterrichtstag von 100 % der Schülerinnen und Schüler mit sehr gut/gut beurteilt. Dieses Ergebnis lässt sich zum einen durch die am ersten Projekttag ungewohnten Programminhalte erklären (Übungen: "schmelzender Schneemann", "aufblasbares Spielzeug", "ich habe keine Zeit"). Zum anderen fiel es den Schülerinnen und Schülern zu Anfang sicherlich nicht leicht, sich bei diesen Übungen in einer Art präsentieren zu müssen, die bisher im Sportunterricht und damit im Klassenverband nicht üblich war.
Den Schülerinnen fiel die Durchführung dieser Unterrichtsinhalte offensichtlich leichter als den Schülern, denn die geschlechtsspezifische Analyse der Bewertungen der Unterrichtseinheiten hat ergeben, dass den Schülerinnen die Unterrichtsinhalte des ersten und vierten Projekttags signifikant besser gefallen haben als den Schülern. Man kann vermuten, dass die Schülerinnen neuen Unterrichtsinhalten aufgeschlossener gegenüber sind, denn neben den für alle ungewohnten Übungen am ersten Projekttag wurde am vierten Unterrichtstag an der Kletterwand das Klettern, Abseilen und Sichern durchgeführt, was für die Schülerinnen wahrscheinlich einen größeren Neuigkeitswert als für die Schüler hatte.
Betrachtet man die Ergebnisse der Analyse, welche Unterrichtsinhalte von den Schülerinnen und Schülern insgesamt am positivsten beurteilt wurden, wird deutlich, dass die am besten bewerteten Übungen strukturell völlig unterschiedlich zu den Übungen sind, die in den ersten beiden Übungseinheiten gemacht wurden und den Schülerinnen und Schülern insgesamt nicht so gut gefallen haben.
Unterrichtsinhalte, die sich auf Sportspiele beziehen ("das selbständige Erarbeiten der Regeln beim Football-Spiel", "die Übung Freiwurfspiel 2ball") und jene, die einen gewissen Bezug zu Abenteuer haben ("die Möglichkeit, sich an der Kletterwand selbst sichern zu können"), kommen bei den Schülerinnen und Schülern besonders gut an. Die geringste Zustimmung erhielten die Übungen, die zu Beginn des Programms die Sensibilisierung für Stressreaktionen und die Wahrnehmung des Bewegungsverhaltens verbessern sollten.
Ebenso wie bei der Gesamtbewertung des Unterrichtsprogramms lassen sich auch bei der Beurteilung der einzelnen Übungen geschlechtsspezifische Unterschiede erkennen. Wiederum sind es die Schülerinnen, denen sechs Übungen signifikant besser gefallen haben als den Schülern. Sie fanden die Übungen

  • "Aufblasbares Spielzeug"
  • "Ich habe keine Zeit"
  • "Balancieren mit einem Luftballon"
  • "Mit geschlossenen Augen von einer Hallenseite zur anderen gehen"
  • "Mit geschlossenen Augen balancieren"
  • "Die Möglichkeit, das Sichern gelernt zu haben"

wesentlich interessanter als die Schüler. Nur die Übung "Jungen wählen" hat – verständlicherweise – den Schülern mehr zugesagt als den Schülerinnen und Schüler.


Analyse der Unterrichtsbewertung der Kontrollgruppe

Die Kontrollgruppe hatte in der Projektwoche amerikanische Sportarten als Unterrichtsinhalt. Baseball und Football wurden von ihnen sowohl in der Halle als auch auf dem Freiplatz erlernt und gespielt. Generell hat den Schülerinnen und Schülern dieses Projektprogramm gefallen, denn alle beurteilen den Unterricht allgemein mit sehr gut bzw. gut. Bei den beiden Sportarten bevorzugten sie Baseball gegenüber Football. Baseball auf dem Freiplatz fand zu 100 % ihre Zustimmung, in der Halle waren es 59 %. Auch Football haben die Schülerinnen und Schüler lieber auf dem Freiplatz als in der Halle gespielt, aber hier bewerteten nur 52 % bzw. 31 % den Unterricht als gut oder sehr gut. Fast alle Schülerinnen und Schüler (97 %) gaben an, mit dem Verständnis und dem Umgang mit den amerikanischen Fachausdrücken keine Probleme gehabt zu haben. Insgesamt ist das Projektprogramm bei den Schülerinnen und Schülern auf große Zustimmung gestoßen.

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Analyse der Programmeffekte

Die Teilnahme am Stressprogramm hat bei den meisten Schülerinnen und Schülern positive Effekte auf ihren Umgang mit Stress bewirkt. Die Ergebnisse zeigen, dass sie folgendes gelernt haben:

  • Wenn ich etwas vormachen soll, weiß ich, was ich tun kann, um keinen Stress zu erleben
  • Der Kurs hat mir Möglichkeiten aufgezeigt, wie ich durch Atmung meinen Stress loswerden kann
  • Der Kurs hat mir deutlich gemacht, was ich alles machen kann, um meinen Stress abzubauen
  • Durch den Kurs habe ich erfahren, dass Bewegung mir hilft, um Stress abzubauen

Etwas geringer sind die Veränderungen durch das Stressprogramm für die Aussagen:

  • Bei unbekannten/riskanten Übungen traue ich mir jetzt mehr zu, als vor dem Kurs
  • Ich glaube, dass ich künftig vor Klassenarbeiten weniger gestresst bin
  • Durch den Kurs bin ich selbstbewusster geworden
  • In dem Kurs habe ich Übungen geschafft, die ich mir vorher nicht zugetraut habe

Die Ergebnisse zeigen, dass die Schülerinnen und Schüler nach dem Stressprogramm deutlich mehr Möglichkeiten zur Verfügung haben, entweder Stress zu vermeiden oder Stress abzubauen.
Um die Vielzahl der einzelnen Programmeffekte inhaltlich zu strukturieren, wurde eine binär-strukturierte Faktorenanalyse berechnet, die die beiden Hauptfaktoren "Stresskontrolle" und "Stressprävention" erbrachte, wobei die Stresskontrolle noch mal unterteilt wird in "Stresssensibilisierung" und "Verbesserung der Bewältigungskompetenz". Unter Stresssensibilisierung wird die verbesserte Wahrnehmung und das Bewusstwerden für die eigenen Stressreaktionen und das eigene Stressverhalten verstanden. Verbesserung der Bewältigungskompetenz beinhaltet Möglichkeiten, um mit Stress besser umgehen zu können. Stressprävention bezieht sich darauf, ob Stress in zukünftigen Situationen im Sportunterricht vermieden werden kann.
Ein Vergleich zwischen Schülerinnen und Schülern hinsichtlich der drei Faktoren der Programmeffekte zeigt, dass Schülerinnen mehr von dem Stressprogramm profitieren als Schüler, da sie zum einen stärker für Stressreaktionen und ihr Verhalten in Stresssituationen sensibilisiert worden sind und zum anderen in größerem Umfang Möglichkeiten vermittelt bekommen haben, um mit ihrem Stress besser umgehen zu können. Die höhere Stresssensibilisierung der Schülerinnen zeigt sich beispielsweise darin, dass sie signifikant häufiger angeben, in dem Kurs kennen gelernt zu haben, wie ihr Körper reagiert, wenn sie gestresst sind, sie jetzt wissen, wie sie sich verhalten, wenn sie gestresst sind und ihnen klar geworden ist, wie sie sich bewegen, wenn sie gestresst sind.