Sicherheits- und Gesundheitsförderung
Zur aktuellen Bedeutung des 1987 veröffentlichten Konzeptes siehe einführenden Text "Von der Gesundheitserziehung zur Gesundheitsförderung"
3.1.5 Rhythmus, Musik und Bewegung – ganzheitlich erleben
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Rhythmus und Musik einerseits und Bewegung andererseits sind je für sich Anlässe für pädagogisches Handeln. Die Kopplung rhythmisch-musikalischer und motorischer Erfahrungen aber schafft eine neue Erlebniseinheit, die ein besonderes pädagogisches Potential erschließt und deren Bedeutung für einen gesundheitsorientierten Schulsport sehr hoch einzuschätzen ist.
Das Erleben dieser Einheit von Rhythmus, Musik und Bewegung würde in ihren pädagogischen Möglichkeiten nur zum Teil genutzt, wenn sie allein dem Sportbereich Gymnastik/Tanz zugeordnet bliebe. Gerade in einem übergreifenden Verständnis kann die Verbindung von Rhythmus, Musik und Bewegung Erfahrungen und Fähigkeiten erschließen, die gesundheitserzieherisch wichtig sind. Wenn hier deshalb die Beziehung von Rhythmus, Musik und Bewegung primär in einem sportartübergreifenden Verständnis gedeutet und dargestellt wird, sollen dabei die spezifischen Möglichkeiten des Sportbereichs Gymnastik/Tanz nicht ausgeklammert bleiben.
Das Verbinden von Rhythmus, Musik und Bewegung kann für einen gesundheitsorientierten Schulsport in zweierlei Hinsicht begründet werden. Zum einen werden Stimmigkeit, Ganzheitlichkeit und Expressivität in der Verbindung rhythmisch-musikalischer und motorischer Aktionen besonders nachhaltig erlebt, und darin liegt auch ihr eigenständiger Beitrag zum psycho-sozialen Wohlbefinden. Zum anderen erfüllt der Einsatz von Rhythmus und Musik in vielfältigen Bewegungssituationen auch eine instrumentelle Funktion, indem hierdurch die ohnehin mit der Bewegung verbundenen Erlebnispotentiale verstärkt und gesteigert werden können.
Beide Erfahrungsdimensionen lassen sich nicht scharf voneinander trennen und ereignen sich je unterschiedlich bei jedem einzelnen: Häufig wird über einen zunächst instrumentellen Einsatz von Rhythmus und Musik der Zugang zu der angestrebten Erlebniseinheit erst erschlossen. Die Bereitschaft, sich auch auf expressiv-kreatives Bewegen einzulassen, hängt von den Vorerfahrungen, Rollenerwartungen oder auch vom Sportverständnis der Schülerinnen und Schüler ab. Hier können sich unter Umständen massive Blockaden insbesondere bei jungen zuwendungshemmend auswirken. Ein Angebot von Rhythmus, Musik und Bewegung, das in naivem Optimismus diese Gefahr negiert, wird im Sinne der pädagogischen Grundkonzeption dieser Handreichung eher hinderlich als förderlich wirken. Es gilt deshalb, diesen erschwerenden Faktoren durch eine adressatengerechte Inhalts- und Musikauswahl sowie durch hinreichende Elementarisierungen in der Aufgabenstellung gerecht zu werden und sie zu überwinden. Unter dieser Prämisse stehen die folgenden Anregungen, die auf wichtige Funktionen, die die Einheit von Rhythmus, Musik und Bewegung erschließen kann, bezogen werden. Allerdings können diese Anregungen nur auf einer prinzipiellen Darstellungsebene gegeben werden. Das Feld möglicher praktischer Umsetzungen ist so weit, daß jede Anregung auf einer konkreten Beispielebene eine ungerechtfertigte Einschränkung der Perspektive bedeuten würde.
Musik und Rhythmus lösen spontanes Bewegen aus und motivieren zum stetigen Bewegen
Wer hat sich nicht schon dabei beobachtet, wie er scheinbar gedankenverloren den Rhythmus einer Musik mit den Fingern mitgetrommelt oder mit dem Fuße mitgewippt hat. Diese alltägliche Erfahrung belegt, daß Musik zur inneren und/oder äußeren Bewegung anregen, den Menschen zu lustvoller Aktion provozieren kann.
Rhythmus und Musik erfüllen in vielfältigen
unterrichtlichen Situationen eine wichtige methodische
Funktion für Erfahrungs- und Lernprozesse
in fast allen Sportarten und Sportbereichen.
Auch beim instrumentellen Einsatz von Rhythmus
und Musik kann sich für eine Reihe von Schülerinnen
und Schülern die Erfahrung von Stimmigkeit
einstellen, die den Zugang zur Erlebnisganzheit
von Rhythmus, Musik und Bewegung erschließt;
dies gilt insbesondere für jene Schülerinnen
und Schüler, die dem gymnastisch-tänzerischen
Erfahrungsfeld eher distanziert gegenüberstehen.
Es gibt allerdings auch Situationen, in denen Musik störend wirken kann, vor allem, wenn Musik nahezu ständig als "Hintergrundberieselung" im Sportunterricht eingesetzt wird. Sie hat dann keine motivierende und anregende Funktion, sondern wird günstigstenfalls überhört, häufig aber auch als Störung und Ablenkung von konzentrativen Anforderungen erlebt.




