Sicherheits- und Gesundheitsförderung
3.1.4 Leichtathletik – sich in den eigenen Leistungsmöglichkeiten wohlfühlen
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Dauerlaufen – mehr als Ausdauertraining
Dauerlaufen ist ein gesundheitserzieherisch besonders
ergiebiger Bereich der Leichtathletik. Wenn Dauerlaufen
im Schulsport vermittelt und angeboten wird, sollte
dies jedoch nicht vorrangig mit dem Ziel erfolgen,
die Schülerinnen und Schüler ausdauernder
und damit insgesamt leistungsfähiger zu machen
und auf diese Weise auch zur Förderung ihrer
Gesundheit beizutragen. Soweit dies in den wenigen
Zeitabschnitten geschehen kann, die für Dauerlaufen
im Schulsport überhaupt zur Verfügung
stehen, handelt es sich nur um einen Effekt, der
nach wenigen Wochen wieder verschwunden ist, wenn
mit dem regelmäßigen Dauerlaufen aufgehört
wird.
Deshalb muß die gesundheitserzieherische Perspektive Vorrang haben. Unter ihr geht es darum, den Schülerinnen und Schülern das Dauerlaufen so zu vermitteln, daß sie begreifen lernen, wie man mit Hilfe des Dauerlaufens Wohlbefinden gewinnen, erhalten und erhöhen kann. Die Bedeutung des Dauerlaufens sollte dabei jedoch nicht nur in seinen positiven physiologisch-funktionellen Wirkungen (z. B. auf das Herz-Kreislaufsystem, den Muskelstoffwechsel und das Hormonsystem) gesehen werden. Unter einem ganzheitlichen, auch seelische, soziale und ökologische Aspekte einschließenden Gesundheitsverständnis liegen ebenso wichtige Vorzüge des richtig betriebenen Dauerlaufens in den damit verbundenen Möglichkeiten zur psychischen Entspannung, zum geselligen Miteinander und zum intensiven Erleben der natürlichen Umwelt. Folgt man diesem Verständnis, darf es beim Dauerlaufen nicht vorrangig darum gehen, die jeweilige Strecke im schnellstmöglichen Tempo zurückzulegen, wie dies beim sportlichen Mittel- und Langstreckenlauf der Fall ist. Dauerlaufen im schnellstmöglichen Tempo muß von den Schülerinnen und Schülern als gesundheitlich problematisch begriffen werden, nicht nur, weil es aus dem gesundheitlich wichtigen aeroben Leistungsbereich in den gesundheitlich eher ungünstigen anaeroben Leistungsbereich führt, sondern vor allem auch, weil es verhindert, daß sich die entspannenden psychischen und sozialen Erlebnismöglichkeiten im Dauerlaufen einstellen können.
Es geht deshalb beim Dauerlaufen um grundsätzlich andere Zielorientierungen:
- entweder um eine möglichst
lange Laufzeit (dann aber, ohne
daß darauf geachtet oder gar gemessen
werden muß, wie lang die Strecke war,
die man während dieser Zeit
zurückgelegt hat)
- oder um eine möglichst lange Laufstrecke (dann aber, ohne daß darauf geachtet oder gar gemessen werden muß, in welcher Zeit man diese Strecke zurückgelegt hat).
Deshalb sollte man vor allem in der Anfangsphase
die Schülerinnen und Schüler eher in
ihrem Lauftempo bremsen. Man wird – wenn
die ersten etwas längeren Strecken gelaufen
werden – vor allem auch jeden Ansatz zum
"Endspurt" verhindern; denn jeder "Endspurt"
führt zwangsläufig dazu, daß am
Ende des Laufens die Empfindung entsteht: Dauerlaufen
ist anstrengend. Der Idee des Dauerlaufens entspricht
es dagegen, die letzten 150–200 m bis zum
"Ziel" langsam ausklingen zu lassen,
vielleicht auch gemeinsam zu gehen, sich noch
einmal das Erlaufene bewußt zu machen und
das Laufen mit dem Gefühl zu beenden: Ich
hätte ja ohne weiteres noch länger laufen
können. Dies schafft eine positive Ausgangssituation
für die nächsten Läufe.
Das gesundheitliche und gesundheitserzieherische
Potential des Dauerlaufens sollte auf der Sekundarstufe
l in folgenden Bereichen erschlossen werden:
Entspannt und gesellig laufen
Anfänger im Dauerlaufen befinden sich fast immer in Gefahr, sich zu sehr auf die Laufbewegung selbst zu konzentrieren, dadurch zu verspannen und als Ergebnis sich insgesamt beim Laufen zunehmend unwohl zu fühlen, auch das Dauerlaufen als monoton und langweilig zu empfinden.
Vor allem in der Anfangsphase ist es deshalb wichtig, die Aufmerksamkeit der Laufenden von der Laufbewegung und der mit ihr verbundenen Anstrengung wegzulenken. Das wichtigste und erfolgreichste Mittel hierzu sind Anreize zum Miteinander-Sprechen. Solange die Laufenden untereinander lebhaft im Gespräch sind, bleiben sie auch gleichsam automatisch im erwünschten aeroben Leistungsbereich, im "Laufen-ohne-zu-schnaufen".
Bedeutsamer ist jedoch, daß sich sehr häufig die Lockerheit des Gesprächs auf die Laufbewegung überträgt und diese viel entspannter und müheloser macht, als wenn jede(r) mit sich und der zu bewältigenden Strecke oder Zeit allein bleibt. Hinzu kommt jener positive Einfluß auf das soziale Wohlbefinden, der sich aus der für das gesellige Dauerlaufen – im Gegensatz zur sonstigen Leichtathletik – grundsätzlich anderen Einstellung zu den Mitlaufenden ergibt. Sie sind nicht Gegner, die es zu übertreffen gilt, sondern Partner, mit denen man gern eine längere Laufzeit zusammenbleibt.




