Sicherheits- und Gesundheitsförderung

Partner:
Landesunfallkasse Nordrhein-Westfalen
BKK Landesverband NORDWEST

Gesundheitserziehung in der Schule durch Sport

Handreichungen für die Sekundarstufe I

Zur aktuellen Bedeutung des 1987 veröffentlichten Konzeptes siehe einführenden Text "Von der Gesundheitserziehung zur Gesundheitsförderung"

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1. Orientierungsrahmen

Grundlage der folgenden gesundheitserzieherischen Überlegungen und Vorschläge ist ein ganzheitliches Verständnis von Gesundheit. In diesem Verständnis ist Gesundheitserziehung nicht nur auf den Körper des Menschen gerichtet. Sie versucht vielmehr, Gesundheit als ein In- und Miteinander physischer, psychischer, sozialer und ökologischer Faktoren zu erfassen. So gesehen entsteht Gesundheit als immer wieder neu herzustellende Balance zwischen individuellen Möglichkeiten und situativen Gegebenheiten und Herausforderungen, die sich maßgeblich auf die Leistungsfähigkeit des Menschen auswirkt (siehe u.a. Def. Deutscher Ärztetag 1986). Gesundheitserziehung hat die Aufgabe, die Bereitschaft und die Fähigkeit jedes einzelnen Menschen zu entwickeln, eigenverantwortlich und aktiv-gestaltend auf diesen Balancezustand hinzuwirken.

Die Bewältigung dieser Aufgabe ist in die Bedingungen eingebunden, die mit der Lebenswelt des Menschen gegeben sind. Diese Lebenswelt ist in zunehmendem Maße durch gesundheitsbedrohende und -beeinträchtigende Faktoren beeinflußt, die die individuellen Bemühungen um eine gesundheitsgerechte Lebensführung erschweren und begrenzen. Deshalb müssen pädagogische Bemühungen auch die Sensibilisierung für die soziale und die ökologische Dimension von Gesundheit einschließen.

Sport ist ein Feld mit einer großen Vielfalt von Möglichkeiten zum gesundheitsbedeutsamen Handeln. Allerdings ist die Vorstellung nicht haltbar, daß jede Form des Sporttreibens gesund sei. Sportliche Betätigungsformen sind vielmehr so auszuwählen oder auch aufzubereiten, daß sie gesundheitsbedeutsame Erfahrungen und/oder Wirkungen überhaupt erst ermöglichen.

Ein gesundheitsorientiertes Konzept des Schulsports griffe zu kurz, würde es die gesundheitlichen Aufgaben des Schulsports darauf beschränken, durch gezielte Maßnahmen die körperliche Funktionstüchtigkeit und damit die aktuelle physische Gesundheit der Schülerinnen und Schüler zu fördern. Angesichts der verfügbaren Zeit ist der Erfolg solcher Bemühungen eher als gering einzuschätzen, zumal auch eine Vielzahl weiterer Aufgaben des Schulsports bewältigt werden muß. Sinnvoller ist es daher, die vorrangigen gesundheitsbezogenen Aufgaben des Schulsports in gesundheitserzieherischen Bemühungen zu sehen.
Bei Kindern und jugendlichen kann nicht ohne weiteres unterstellt werden, daß sie sich aus gesundheitlichen Motiven dem Sport zuwenden. Gesundheit wird im Regelfall als selbstverständlicher und nicht in Frage gestellter Zustand erfahren, um den man sich nicht besonders bemühen muß. Dies ist zu berücksichtigen, wenn versucht wird, Schülerinnen und Schüler im Schulsport für gesundheitlich bedeutsame körperliche, seelische, soziale und ökologische Zusammenhänge zu sensibilisieren und für den Erwerb von entsprechenden Kenntnissen und Einsichten aufzuschliessen.

Unbeschadet der Verantwortung für die Förderung aller Schülerinnen und Schüler muß unter gesundheitserzieherischer Perspektive die besondere Aufmerksamkeit jenen Schülerinnen und Schülern gelten, die im Vergleich zu gleichchaltrigen Entwicklungs-, Erfahrungs- und Lerndefizite aufweisen. Für sie ist es oft schwer, einen als freudvoll erlebten Zugang zum Sich-Bewegen zu finden. Angesichts zunehmender Mißerfolgserfahrungen wird ihre Motivation zu sportlicher Betätigung immer mehr gemindert. Die Möglichkeiten zu gesundheitserzieherischer Einflußnahme werden angesichts solcher Entwicklungen oft schon frühzeitig erheblich eingeschränkt.
Der Schulsport ist daher so zu gestalten, daß allen Schülerinnen und Schülern möglichst viele individuelle Erfahrungs- und Lernmöglichkeiten geboten werden, die ihrem jeweiligen Entwicklungsstand und ihren jeweiligen Interessen gerecht werden. Sie können zum Ansatzpunkt für die Entwicklung eines individuellen Gesundheitsbewußtseins und -Verhaltens werden. Hierbei kommt auch dem Sportförderunterricht und anderen speziellen gesundheitsfördernden Maßnahmen im Schulsport (vgl. Kap. 3.3.6) große Bedeutung zu.

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