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Implementationsmaterialien Schulstufen 5 - 10

 

 

Fachkonferenz

 

Worin bestehen die Aufgaben der Fachkonferenz Sport?-
Entwicklung eines Schulsportkonzeptes

 

Nach dem Schulmitwirkungsgesetz (§7 Abs. 3 Nr. 1) entscheidet die Fachkonferenz Sport über

  • Grundsätze zur fachmethodischen und fachdidaktischen Arbeit sowie über
  • Grundsätze zur Leistungsbewertung.

In den Rahmenvorgaben für den Schulsport und insbesondere im Lehrplan Sport werden die Aufgaben der Fachkonferenz konkretisiert. Die Fachkonferenz Sport gewinnt an Bedeutung. Die Erfüllung des Doppelauftrages, das gemeinsame Festlegen von erzieherischen Schwerpunkten und die Erstellung eines schuleigenen Lehrplans für die jeweilige Schule nehmen die Fachkonferenz Sport stärker in die Verantwortung.

Im Umgang mit dem neuen Lehrplan Sport ergeben sich für die Fachkonferenz Sport wichtige Aufgaben und Chancen, den Schulsport für die eigene Schule zu gestalten und festzulegen. Durch gemeinsame Absprachen in der Fachkonferenz soll ein Schulsportkonzept entwickelt werden, das in angemessenen Zeiträumen überprüft und fortgeschrieben werden muss.

  • Entwicklung eines schuleigenen Lehrplans
    Unter Berücksichtigung pädagogischer Gesichtspunkte sowie personaler und sonstiger Standortfaktoren erstellt die Fachkonferenz Sport einen schuleigenen Lehrplan. Bei der Entwicklung des schuleigenen Lehrplans ist es unter Beachtung der Schulformspezifik notwendig,
    alle Pädagogischen Perspektiven gleichermaßen zu berücksichtigen,
  • die obligatorischen Vorgaben zu den Inhaltsbereichen zu sichern und sich über ihre Umsetzung zu verständigen,
  • den Umgang mit dem Freiraum zu verabreden,
  • reflexive Koedukation umzusetzen,
  • Empfehlungen für die Unterrichtsgestaltung auszusprechen
  • sich über die Sicherheitsförderung zu verständigen.


Vereinbarungen zum außerunterrichtlichen Schulsport
Die Fachkonferenz Sport entwickelt Möglichkeiten, den schuleigenen Lehrplan durch Angebotsformen des außerunterrichtlichen Schulsports zu ergänzen, z.B. durch Pausensport, Schulsportgemeinschaften, Schulsportfeste, Schulsportwettkämpfe, Schulfahrten mit sportlichem Schwerpunkt und Projekte (siehe Rahmenvorgaben für den Schulsport).

Beiträge des Schulsports zum Schulleben und zum Schulprogramm
Die Fachkonferenz entwickelt im Rahmen der Schulprogrammentwicklung Initiativen zur Verankerung von Bewegung, Spiel und Sport im Schulprogramm als profilbildende Elemente im Lebensraum Schule. Dazu gehören die Teilnahme an fach- und klassenübergreifenden Vorhaben im Bereich des verbindlichen Sportunterrichts, die Öffnung zum außerschulischen Umfeld durch verschiedene Angebotsformen des außerunterrichtlichen Schulsports, die Eröffnung von Bewegungsgelegenheiten im Unterricht der anderen Schulfächer und die Erschließung von Bewegungsmöglichkeiten durch Veränderung des Schulraums und der Schulorganisation. Darüber hinaus berät die Fachkonferenz auch über Beiträge zu bedeutsamen überfachlichen Erziehungsaufgaben in der einzelnen Schule, z. B. Gesundheitserziehung, Umwelterziehung, Sicherheitsförderung, interkulturelle Erziehung, reflexive Koedukation, Gewaltprävention, politische Bildung, ästhetische Erziehung und Medienerziehung.

Verständigung über Grundsätze der Leistungsbewertung
Aufgabe der Fachkonferenz ist es, unter Beachtung der individuellen Lern- und Leistungsvoraussetzungen sowie des individuellen Lernfortschritts der Schülerinnen und Schüler, einen Grundkonsens über die Leistungsbewertung herzustellen. Dazu gehört vor allem die Verständigung über die Umsetzung der unterschiedlichen Leistungsdimensionen. Diese werden je nach pädagogischer Schwerpunktsetzung der Unterrichtsvorhaben gewichtet.

Absprachen zur innerschulischen Zusammenarbeit
Die Fachkonferenz gibt Anregungen und Hilfen für die gemeinsame Planung von Unterrichtsvorhaben, für den Austausch von gelungenen Unterrichtsvorhaben, für fächerübergreifende Unterrichtsvorhaben, für kollegiumsinterne Fortbildungen und gegenseitige Hospitation und Beratung.

Öffnung der Schule zum schulischen Umfeld
Die Fachkonferenz entwickelt Möglichkeiten zur Öffnung der Schule, indem sie Einrichtungen im schulischen Umfeld in Erfahrung bringt und die Zusammenarbeit mit ihnen für den Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule nutzt. Dazu bieten sich z. B. Kooperationen mit Sportvereinen, anderen Schulen und sozialen Einrichtungen an. Auch mögliche Formen der Zusammenarbeit mit Firmen (Schulsponsoring) können aufgezeigt werden.

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Überfachliche Aufgaben im Überblick


Die Pädagogischen Perspektiven sind mit dem Blick auf die spezifische Zuständigkeit des schulischen Aufgabenbereichs Sport formuliert. Der allgemeine Erziehungs- und Bildungsauftrag der Schule enthält jedoch auch Aufgaben, für die nicht ein einzelnes Fach zuständig sein kann. Dabei gehen die fachspezifischen Pädagogischen Perspektiven und die fächerübergreifenden Beiträge zum Teil ineinander über. Insbesondere zu folgenden gegenwärtig bedeutsamen überfachlichen Erziehungsaufgaben kann der Schulsport einen besonderen Beitrag leisten.


Sicherheitserziehung
Immer mehr Menschen sind nicht in der Lage, mit alltäglichen Bewegungsrisiken situationsgerecht umzugehen. Schulsport kann ein für alle Lebensbereiche wertvolles sicherheitsbewusstes Verhalten fördern, wenn Schülerinnen und Schüler z.B. über Bewegungsrisiken Kenntnisse erwerben, Einstellungen im Sinne von Rücksichtnahme entwickeln und über eine sichere Basis an konditionellen und koordinativen Fähigkeiten und Fertigkeiten verfügen. In der sportdidaktischen Diskussion ist der Begriff der "Sicherheitserziehung" durch den umfassenderen Begriff der "Sicherheitsförderung" abgelöst worden. (Planung eines Unterrichtsvorhabens mit dem Schwerpunkt Sicherheitsförderung)

Reflexive Koedukation
Durch eine geschlechterbewusste Pädagogik kann der Schulsport dazu beitragen, das gleichberechtigte Miteinander der Geschlechter zu fördern, und Mädchen und Jungen dazu befähigen, einseitige Rollenfixierungen zu erkennen und überwinden zu helfen. Damit wird ihnen die Erprobung eines breiteren Spektrums sozialer Verhaltensmuster eröffnet und einer möglichen Benachteiligung von Mädchen und Frauen entgegengewirkt.

Gesundheitsförderung
Für das überfachliche Anliegen schulischer Gesundheitsförderung bietet der Schulsport wichtige Impulse, indem er die Bedeutung von Körperlichkeit und Bewegung in fächerübergreifende Projekte einbringt und für eine erweiterte und differenziertere Auseinandersetzung mit gesundheitserzieherisch relevanten Themen nutzt.

Verkehrserziehung
Der Schulsport bietet vielfältige Gelegenheiten zur aktiven Förderung der Bewegungssicherheit im Verkehrsgeschehen. Er kann verkehrserzieherisch bedeutsame Erfahrungen vermitteln, die zu einem partnerschaftlichen Verhalten im Lebensraum Straße beitragen. Schulsport hilft den Schülerinnen und Schülern, Gewohnheiten zu entwickeln, sich z.B. als Fußgänger oder Radfahrer aus eigener Kraft sicher fortzubewegen und dabei die Umwelt zu schonen.

Gemeinsamer Unterricht
Für den gemeinsamen Untericht von behinderten und nichtbehinderten Kindern und Jugendlichen kann auch der Schulsport wirkungsvoll genutzt werden. Hier stellt sich die Herausforderung, das Verständnis für Vielfalt und Besonderheiten des Aussehens und Verhaltens behinderter Kinder und Jugendlicher zu fördern und einer Benachteiligung von behinderten Menschen im Alltag entgegenzuwirken. Dabei bedarf es gerade im Schulsport besonderer Sensibilität, weil sich insbesondere Sinnes-, Körper- und geistige Behinderungen in vielfacher Weise vor allem auch auf die Wahrnehmungs- und Bewegungsfähigkeit auswirken.


Interkulturelle Erziehung
An den Bewegungs- und Spielformen verschiedener Kulturen können Werte und Selbstverständnis kulturspezifischen Verhaltens bewusst gemacht werden. Sie können die Reflexion über die eigene Identität vertiefen sowie zu einem besseren Verständnis für das Verhalten von Menschen fremder Kultur führen. In unserer Gesellschaft wird es deshalb zunehmend wichtig, interkulturelle Erziehung auch im Kontext von Bewegung, Spiel und Sport zu verwirklichen.


Umwelterziehung
Der Schulsport kann dazu anleiten und darüber aufklären, wie die Umwelt im Sinne des Leitbildes einer "nachhaltigen Entwicklung" geschützt werden kann. Mit dem Erlebnis der Natur beim Sporttreiben im Freien ist die Einsicht zu verbinden, die natürlichen Lebensgrundlagen langfristig zu erhalten. Dies schließt auch eine Selbstbeschränkung der Sportlerinnen und Sportler beim Sporttreiben in der Natur ein.


Politische Bildung
Im Rahmen des überfachlichen Auftrags der Schule, junge Menschen zu mündigen Staatsbürgerinnen und -bürgern zu erziehen, kann auch der Schulsport einen wichtigen Beitrag leisten. Im Sport bieten sich schon in der Schule für junge Menschen vielfältige Möglichkeiten, an demokratischen Entscheidungsprozessen mitzuwirken, Verantwortung zu übernehmen und sich ehrenamtlich zu engagieren.


Ästhetische Erziehung
Im Schulsport kommen der Körpersprache, der sinnlichen Wahrnehmung durch Bewegung und dem Bewegungsausdruck eine große Bedeutung zu. Er trägt dazu bei, Bewegung bewusst in ästhetische Zusammenhänge zu integrieren und Schülerinnen und Schüler zur Teilhabe an einem kulturellen Leben zu befähigen, in dem expressive Elemente einen zunehmend größeren Stellenwert gewinnen.


Medienerziehung
Die Diskrepanz zwischen eigenem Erleben und der in den Medien vermittelten „Sportwirklichkeit” kann dazu genutzt werden, sich mit den Informationen und Botschaften der Medien kritisch auseinanderzusetzen. Die vielfältigen Erfahrungen mit Bewegung, Spiel und Sport, die Schülerinnen und Schüler im Schulsport machen können, bieten einen auf ihre Selbstwirksamkeit bezogenen Kontrast zur medienvermittelten Wirklichkeit.

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Planung eines Unterrichtsvorhabens mit dem Schwerpunkt Sicherheitsförderung

Sicherheitsförderung beinhaltet einen pädagogischen und einen formalen Anspruch. Dieser wird im Erlass zur Sicherheitsförderung im Schulsport vom 29.05.01 deutlich formuliert.

Der pädagogische Anspruch umfasst die Ausbildung von Sicherheitskompetenzen, der formale Anspruch bezieht sich auf die technische und organisatorische Unfallprävention.

Näheres zum o. a. Erlass: GUVV Westfalen-Lippe u. a. (Hrsg.): Sicherheitsförderung im Schulsport - Erläuterungen zum Runderlass, Münster 2001.

Sicherheitsförderung ist grundsätzlich in die Planung von Unterrichtsvorhaben zu integrieren. Darüber hinaus kann Sicherheitsförderung selbst zum Ausgangspunkt der Unterrichtsplanung werden. Dies wird insbesondere dann der Fall sein, wenn z. B. in einer Lerngruppe verstärkt unkonzentriertes oder auch aggressives Lern- und Arbeitsverhalten zu beobachten sind. Auch können z. B. bestimmte Inhalte die Thematisierung von Sicherheitsaspekten erfordern. Daneben legen Pädagogische Perspektiven, z. B. "Etwas wagen und verantworten" bzw. "Gesundheit fördern, Gesundheitsbewusstsein entwickeln" nahe, Aspekte der Sicherheitsförderung herauszustellen.

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Reflexive Koedukation als grundlegendes Gestaltungsprinzip

Für den Schulsport hat Reflexive Koedukation in den letzten Jahren eine immer größer werdende Bedeutung erhalten. Im Sinne Reflexiver Koedukation wird der Fokus auf Fragen nach Entwicklungsmöglichkeiten von Mädchen und Jungen hinsichtlich ihrer unterschiedlichen geschlechtsspezifischen Zugangsweisen zu Bewegung, Spiel und Sport gerichtet. Dabei soll kritisch geprüft werden, ob im Sportunterricht Geschlechterdiskriminierung eher stabilisiert wird oder ob wesentliche und notwendige Kompetenzen bei Mädchen und Jungen gefördert und herausgebildet werden. Leitende Zielvorstellung ist, die Entwicklung von Mädchen und Jungen umfassend und gleichwertig über die Grenzen der einengenden Geschlechtsstereotype hinaus zu fördern und ihnen die Vielfalt der Körper-, Bewegungs- und Sportkultur zu erschließen. Reflexive Koedukation im Sportunterricht ist ein grundlegendes Gestaltungsprinzip. Unter diesem Aspekt sind reflektierte und bewusste didaktisch-methodische Entscheidungen zu treffen, die der geschlechtstypischen Körper- und Bewegungssozialisation sowie geschlechtsspezifischen Voraussetzungen Rechnung tragen und die das Geschlechterverhältnis selbst zum Thema machen. Das kann sowohl im gemeinsamen als auch im getrennten Sportunterricht erfolgen.

Die Rahmenvorgaben und Lehrpläne für den Sportunterricht in Nordrhein-Westfalen haben den Ansatz einer Reflexiven Koedukation aufgegriffen und an verschiedenen Stellen deutlich berücksichtigt. Es wird darauf hingewiesen, dass der Auftrag des Schulsports zur Entwicklungsförderung auch von bestehenden geschlechtstypischen Voraussetzungen und Erwartungen von Mädchen und Jungen auszugehen hat und dass über Reflexive Koedukation als Gestaltungsprinzip von Unterricht Problembewusstsein hinsichtlich rollenspezifischem Verhalten geweckt und alternative Verhaltensmuster eingeübt werden sollen. In den Lehrplänen Sport für die verschiedenen Schulformen der Sekundarstufe I wird die Bedeutung Reflexiver Koedukation bei der Bestimmung der Aufgaben und Ziele des Schulsports, für die Gestaltung des Unterrichts und für die Vermittlung spezifischer Inhaltsbereiche hervorgehoben. Für die Umsetzung koedukativer Zielsetzungen wird auch auf die Möglichkeit einer phasenweisen Trennung von Jungen und Mädchen hingewiesen. Schulsport soll darüber hinaus im Rahmen der Schulprogrammarbeit einen Beitrag zur überfachlichen Erziehungsaufgabe einer Reflexiven Koedukation und geschlechterbewussten Bildung in der Schule leisten. Damit wird Reflexive Koedukation auch Gestaltungsprinzip von Schule.

  • Im Folgenden soll näher erläutert werden,
    welche geschlechtsbedingten Unterschiede in der Bewegungs- und Sportentwicklung und im Umgang mit dem eigenen Körper Reflexive Koedukation erforderlich machen
  • welche konkreten Ziele einer reflexiven Koedukation im Sportunterricht angestrebt werden
  • welche Prinzipien eines geschlechtsbewussten Sportunterrichts formuliert werden können
  • welche Überlegungen und Entscheidungen ein Unterrichtsvorhaben unter besonderer Berücksichtigung Reflexiver Koedukation erfordert

Ursachen für die geschlechterspezifische Konstruktion von Bewegungs- und Sportpräferenzen
An dieser Stelle werden geschlechtsspezifische Unterschiede in der Bewegungs- und Sportentwicklung und im Umgang mit dem eigenen Körper beschrieben. Dabei werden auch die Unterschiede in der Nutzung von Bewegungsräumen und die Benachteiligungen von Mädchen und Jungen im Sportunterricht in den Blick genommen.
Darüber hinaus werden die Ursachen für geschlechtsspezifische Bewegungsund Sportpräferenzen erläutert. Damit die Aussagen als Vorlage für Folien bzw. Kopien dienen können, wird an Stelle eines Fließtextes die Form der Aufzählung gewählt.

Geschlechtsspezifische Unterschiede im Umgang mit dem eigenen Körper und in der Bewegungs- und Sportentwicklung

  • Jungen haben in der Regel ein funktionales Körperverhältnis und ein überwiegend auf Leistungsvergleich ausgerichtetes Sportverständnis. Sie verweigern sich häufig gegenüber Inhaltsbereichen, in denen der Körper zentrales Ausdrucksmedium ist und sie Probleme mit ihrem eigenen Körperverständnis bekommen. Sie meiden Bereiche, in denen sie ihre emotionalen Seiten wahrnehmen können.
  • Jungen orientieren sich häufig am Bild des 'starken Mannes'. Sie stehen damit unter dem Zwang, sich stärker und überlegener zeigen zu müssen als sie tatsächlich sind.
  • Der traditionelle Sport bietet Jungen Möglichkeiten, leistungs- und konkurrenzorientiert zu handeln, Härte und Risikobereitschaft zu zeigen und sich körperlich auseinander zu setzen. Das kann manchmal bis zur Gewaltausübung führen.
  • Jungen orientieren sich oft auch an gesellschaftlich normierten Körperidealen, bringen aber auch eine kritische Distanz zum „Waschbrettbauch“ auf.
  • Mädchen definieren sich verstärkt über das äußere Erscheinungsbild. Insbesondere mit Einsetzen der Pubertät orientieren sie sich häufig an einem gesellschaftlich normierten Idealbild. Da sie dieses nie erreichen, reagieren sie mit Defizitgefühlen bezüglich ihres Körpers und entwickeln Angst, soziale Anerkennung zu verlieren.
  • Mädchen nehmen sich häufig als schwach und Jungen als körperlich stark wahr.
  • Als Folge eines gestört wahrgenommenen Selbstbildes vom eigenen Körper lassen Mädchen sich oftmals nicht unvoreingenommen und selbstbewusst auf Bewegungsangebote ein. Dadurch bleiben ihnen Spiel- und Bewegungserfahrungen vorenthalten.
  • Das Sport- und Bewegungsverständnis von Mädchen ist meist nicht so sehr auf Leistungssteigerung und Wettkampforientierung ausgelegt, so dass sich Interessen und Zugangsweisen zu Bewegung, Spiel und Sport von Mädchen und Jungen im Sportunterricht stark unterscheiden können.

Geschlechtsspezifische Raum- und Bewegungserfahrungen

  • Die öffentlichen Räume, d. h. Spielplätze mit Sportangeboten, Straßen, Gärten, Hinterhöfen, Baustellen, Grünflächen, Flussläufen werden eher von Jungen oder Jungengruppen erobert und besetzt (expansiveres räumliches Verhalten – motorische Raumerweiterung).
  • Jungen zeigen in der Regel ein stärkeres Interesse an der Exploration von Dingen und Orten.
  • Die Räume, die Mädchen in ihrer freien Zeit nutzen, sind in der Regel kleiner als die der Jungen. Sie bewegen sich eher im nahräumlichen Bereich, wie z. B. in Hinterhöfen, Gärten am Haus.
  • Mädchen zeigen in der Regel eine stärkere Personenorientierung.
  • Mädchen und Jungen unterscheiden sich in der Art und Nutzung von Spiel- und Bewegungsräumen.
  • Mädchen und Jungen nutzen den sozialen Raum „Sportverein“ unterschiedlich.

Ursachen für die geschlechtsspezifischen Konstruktionen von Bewegungsund Sportpräferenzen

  • Mädchen werden eher behütet als Jungen.
  • Mädchen werden in der Regel stärker zu Anpassung und Empathie sozialisiert als Jungen.
  • Mädchen verfügen im Durchschnitt über weniger freie Zeit als Jungen.
  • Mädchen und Jungen lernen auch am Vorbild ihrer Mütter und Väter einen spezifischen ‚weiblichen‘ und ‚männlichen‘ Umgang mit dem Körper und dem sozialräumlichen Umfeld.
  • Spielzeug, das eher Mädchen als Jungen angeboten wird, regt weniger zu motorischen Aktivitäten und explorativem Verhalten an.
  • Durch die Medien werden subtil und manifest einseitige geschlechtsspezifische Bilder ve rmittelt und verstärkt.
  • Jungen und Mädchen werden zu geschlechtsspezifischen sportlichen Aktivitäten von ihrer Umwelt ermuntert.
  • Der Sportunterricht in der Schule und die Sport- und Bewegungsangebote im Verein verstärken bisher eher die unterschiedlichen Vorerfahrungen der Mädchen und Jungen als dass sie abgebaut werden.

Geschlechtsspezifische Benachteiligungen von Mädchen im Sportunterricht

Es lässt sich festhalten, dass Mädchen in einem koedukativen Sportunterricht häufig:

  • weniger Aufmerksamkeit durch die Lehrerinnen und Lehrer erfahren als Jungen
  • ihre Interessen weniger stark durchsetzen können als es Jungen tun
  • in ihrem Sporttreiben weniger wertgeschätzt werden als Jungen
  • auf einen traditionell ‚weiblichen‘ Sport zurückgeworfen werden (auch dadurch, dass sie diesen einfordern)
  • von manchen Jungen in ihren persönlichen Grenzen nicht geachtet werden
  • sich im Vergleich zu den Jungen leistungsmäßig schlechter e rleben
  • mit zunehmendem Alter eher an Selbstwertgefühl verlieren als dass dieses zunimmt
  • lernen sich anzupassen, anstatt ihren Interessen Geltung zu verschaffen
  • Identitätskonflikte in der Art erleben, dass sie lieber Junge sein mögen und ihre Identität als Mädchen eher ablehnen.

Geschlechtsspezifische Benachteiligungen von Jungen im Sportunterricht

Gerade im Sportunterricht gilt für Jungen der „Überlegenheitsimperativ“ (Jungen müssen sich anderen Jungen, insbesondere aber Mädchen und Frauen gegenüber, stärker und überlegener zeigen als sie tatsächlich sind).

  • Traditionellerweise gilt Sport als ‚männliche‘ Domäne, die durch Kampf, Einsatz, Risiko und Härte gekennzeichnet ist. Jungen, die diesem Bild nicht entsprechen können oder wollen, laufen Gefahr, entwertet zu werden.
  • Das geschlechtshierarchische Bild vom Sport wird durch die Medien (starke Konzentration auf Sportarten wie Fußball, Basketball, Motorsport) immer wieder bestätigt und verfestigt. Den Jungen wird es schwer gemacht, ihr einseitiges Sportverständnis und Verhaltensrepertoire zu erweitern.

Ziele einer Reflexiven Koedukation im Sportunterricht

  • Bewusstsein für die Gleichwertigkeit aller körper-, bewegungs- und sportbezogenen Inhaltsbereiche jenseits von Geschlechtergrenzen zu erreichen
  • das nach hierarchischen Maßstäben in „männlich“ und „weiblich“ differenzierte Sportartenverständnis aufzuheben
  • individuelle Unterschiede von Kindern und Jugendlichen unabhängig von ihrem Geschlecht in ihren Körper-, Bewegungs- und Sportpraxen zuzulassen und zu fördern
  • Mädchen und Jungen gleichermaßen die ganze Vielfalt der Körper-, Bewegungs- und Sportkultur zu vermitteln
  • den Dominanzanspruch von Jungen abzubauen zugunsten eines gleichberechtigten Sporttreibens und Sich-Bewegens
  • der Tendenz zur Selbstbeschränkung und Anpassung bei Mädchen entgegenzuwirken und Mädchen zur Durchsetzung individueller Interessen zu ermutigen.

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Prinzipien eines geschlechtsbewussten Sportunterrichts

Die Prinzipien sind voneinander abhängig und eng miteinander verknüpft.

Parteilichkeit meint, die Schülerinnen und Schüler in ihrer jeweils geschlechtsspezifischen Körper-, Bewegungs- und Sportentwicklung wahrzunehmen und zu unterstützen. Daraus folgt z. B., dass:
  • Lehrkräfte sich zum Anwalt für die Bedürfnisse und Befindlichkeiten der Mädchen machen, um Mädchenbenachteiligungen abzubauen
  • Lehrkräfte hierarchische Strukturen und Dominanzverhältnisse in Jungengruppen erkennen und Jungen soziale Kompetenzen vermitteln
  • bei Unterrichtsvorhaben, in denen Körperarbeit im Vordergrund steht, eine phasenweise Trennung in Betracht gezogen werden muss. Grenzverletzungen und Grenzüberschreitungen sind zurück zu weisen, sexistischen Übergriffen gegenüber Mädchen muss Einhalt geboten werden.
Wertschätzung meint, die sportlichen Interessen und sportlichen Leistungen beider Geschlechter in gleichem Maße zu achten und wertabschätzenden Verhaltensweisen entgegenzusteuern. Daraus folgt z. B., dass:
  • Mädchen erfahren müssen, dass ihre Bedürfnisse und Interessen in Gesprächskreisen ernst genommen werden
  • Jungen mit ihren Unsicherheiten und Ängsten verstanden werden
  • Lehrkräfte sich immer wieder prüfen, ob sie Mädchen und Jungen die gleiche Zuwendung und Aufmerksamkeit zuteil werden lassen.
Selbstbestimmung meint, die Identitätsstärkung von Schülerinnen und Schülern zu fördern. Für Schülerinnen und Schüler sollen Erfahrungsräume eröffnet werden, in denen sie eigene Handlungspläne entwickeln, ausprobieren und realisieren können. Grenzziehungen der Mädchen und Jungen bei körperbetonten Aufgabenstellungen, wie z. B. die selbstbestimmte Entscheidung für die geschlechtshomogene Gruppierung, sind zu respektieren. Daraus folgt z. B., dass:

  • Schülerinnen und Schüler so häufig wie möglich an der Planung und Durchführung von Unterricht beteiligt werden
  • der Unterricht auf Differenzierung und Individualisierung des Lernens ausgerichtet sein sollte
  • das Inhaltsspektrum des Sportunterrichts offen und vielfältig angelegt sein muss.

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Was bestimmt ein Unterrichtsvorhaben?

Bei der Planung und Durchführung von Unterrichtsvorhaben sollte(n)

  • die geschlechtsbedingte Situation der Mädchen und Jungen berücksichtigt werden
  • an den unterschiedlichen sozialen und motorischen Erfahrungen der Geschlechter angeknüpft werden
  • als Zielperspektive die Veränderung und Erweiterung geschlechtsrollentypischer Verhaltensweisen angestrebt werden
  • das gleichberechtigte gemeinsame Sporttreiben im Vordergrund stehen
  • geschlechtsspezifische Erfahrungen zum Ausgangspunkt von Gesprächen und Verständigungsprozessen werden
  • überlegt werden, wie männliches Dominanzverhalten abgebaut werden kann und Jungen zur Artikulation ihrer authentischen Bedürfnisse und Gefühle gebracht werden können
  • Mädchen bei der Bewältigung ihrer Sport-, Körper- und Bewegungsprobleme besondere Unterstützung zuteil werden
  • das geschlechtsspezifische Körperkonzept im Unterricht zum Thema gemacht und damit eine Sensibilisierung der Mädchen und Jungen für ihren eigenen Körper erreicht werden
  • überlegt werden, unter welchen Bedingungen und Voraussetzungen und bei welchen Inhalten eine phasenweise Trennung der Geschlechter notwendig sein könnte.