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Klettern in der Schule

 Einführung

 Pädagogische Grundlagen

Astrid Wilms, Thomas Nesgen
Klettern im Rahmen der Richtlinien und Lehrpläne in NRW

1. Anforderungen durch die neuen Rahmenvorgaben
2. Kletterdimensionen und Einordnung von Klettern in die neuen Rahmenvorgaben
2.1 Dimensionen des Kletterns
2.2 Dimensionen des Kletterns bezogen auf den Schulsport
2.2.1 Klettern und die Pädagogischen Perspektiven
2.2.2 Klettern und die Inhaltsbereiche des Schulsports
2.2.3 Klettern und die Prinzipien eines erziehenden Unterrichts
2.2.4 Klettern und Ziele der Unterrichtsgestaltung
2.3 Empfehlungen zur Schwerpunktsetzung des Kletterns innerhalb der Lehrpläne der unterschiedlichen Schulformen
2.3.1 Grundschule
2.3.2 Sekundarstufe I
2.3.2.1 Hauptschule
2.3.2.2 Realschule
2.3.2.3 Gesamtschule
2.3.2.4 Gymnasium
2.3.3 Sekundarstufe II
2.3.3.1 Gymnasien und Gesamtschulen
2.3.3.2 Berufskolleg
2.3.4 Sonderschule
3. Herleitung von Unterrichtsvorhaben
3.1 Exemplarische Zusammensetzung von Bausteinen zu einem Unterrichtsvorhaben mit kletterspezifischen Inhalten
3.2 Ideenpool für Themen mit kletterspezifischem Inhalt
3.3 Klettern im fächerübergreifenden Kontext
4. Literaturverzeichnis

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1. Anforderungen durch die neuen Rahmenvorgaben

Wesentlich für die neuen Rahmenvorgaben ist die stärkere pädagogische Ausrichtung des Schulsports. Einerseits wird dieses ausgeprägtere päda-gogische Profil durch den Doppelauftrag des Schulsports "Entwicklungsförderung durch Bewegung, Spiel und Sport" und "Erschließung der Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur" deutlich, andererseits durch die Pädagogischen Perspektiven auf den Sport in der Schule.
Die Pädagogischen Perspektiven umfassen die Bereiche :

  • Wahrnehmungsfähigkeit verbessern, Bewegungserfahrung erweitern
  • Sich körperlich ausdrücken,
    Bewegungen gestalten
  • Etwas wagen und verantworten
  • Das Leisten erfahren, verstehen und
    einschätzen
  • Kooperieren, wettkämpfen und sich
    verständigen
  • Gesundheit fördern, Gesundheitsbewusstsein entwickeln

Die sportlichen Inhalte sind nicht mehr nur an Sportbereiche und Sportarten gebunden, sondern gliedern sich in Inhaltsbereiche, die sich als Spektrum vielfältiger Bewegungshandlungen verstehen .

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Die Inhaltsbereiche setzen sich aus den sportbereichsübergreifenden Bewegungsfeldern

1) Den Körper wahrnehmen und Bewegungsfähigkeiten ausprägen
2) Das Spielen entdecken und Spielräume nut zen, sowie
10) Wissen erwerben und Sport begreifen

und den Sportbereichen

3) Laufen, Springen, Werfen - Leichtathletik
4) Bewegen im Wasser - Schwimmen
5) Bewegen an Geräten - Turnen
6) Gestalten, Tanzen, Darstellen - Gymnastik/Tanz, Bewegungskünste
7) Spielen in und mit Regelstrukturen - Sportspiele
8) Gleiten, Fahren, Rollen - Rollsport, Bootssport, Wintersport
9) Ringen und Kämpfen - Zweikampfsport

zusammen.

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Die Inhalte sind nicht mehr in aufeinander aufbauenden Unterrichtseinheiten vom 1. - 13. Schuljahr gegliedert, sondern geben allgemeine Lernziele innerhalb der einzelnen Jahrgangsstufen an. An Beispielen werden Umsetzungsmöglichkeiten im Unterricht aufgezeigt.

Der Unterricht wird im Rahmen von Unterrichtsvorhaben thematisch angelegt, die einen breitgefächerten, mehrperspektivischen Sportunterricht zulassen und damit die Entwicklungen und Anforderungen der Gesellschaft einbeziehen. Zahl und Umfang der einzelnen Unterrichtsvorhaben sind auf die Schulformen und die Jahrgangsstufen abgestimmt.

Die einzelnen Unterrichtsvorhaben setzen sich aus den pädagogischen Perspektiven und den Inhaltsbereichen zusammen, die nach Auswahl von Schwerpunkten thematisiert werden. Darüber hinaus sollen die Grundsätze der Unterrichtsgestaltung und die Prinzipien eines erziehenden Unterrichts berücksichtigt werden.

Unter den Prinzipien eines erziehenden Unterrichts werden

  • Mehrperspektivität
  • Erfahrungsorientierung und Handlungsorientierung
  • Reflexion
  • Verständigung
  • Wertorientierung

verstanden. Sie sind neben den Pädagogischen Perspektiven und den Inhaltsbereichen in den Rahmenvorgaben festgelegt.

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Die Grundsätze der Unterrichtsgestaltung berücksichtigen den Bildungsauftrag der einzelnen Schulformen. Obwohl sie schulformspezifisch sind, weisen sie große Gemeinsamkeiten auf; dazu gehören im Bereich der Primarstufe und Sekundarstufe I:

  • Individualisieren und Integrieren
  • Anleiten und Öffnen
  • Üben und Anwenden
  • Zum Handeln befähigen und zur Reflexion anregen/Reflektieren und sichVerständigen/ Erfahren und Begreifen
  • Zusammenhänge verdeutlichen und Fachgrenzen überschreiten

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In der folgenden Abbildung wird der Einfluss der vier Komponenten als Bausteine von Unterrichtsvorhaben zusammenfassend graphisch dargestellt.

 

Abbildung 1: Allgemeine Zusammensetzung von Bausteinen zu einem Unterrichtsvorhaben

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2. Kletterdimensionen und Einordnung des Kletterns in die neuen Rahmenvorgaben

Klettern als Inhalt für den Schulsport bietet aufgrund seiner mehrdimensionalen Merkmale und Funktionalitäten vielfältige Möglichkeiten und Ansätze zur Anwendung und Umsetzung innerhalb der neuen Lehrpläne. Zunächst wird ein kurzer Einblick in die Dimensionen des Kletterns zum einen als "Bewegungssportart" und zum anderen als komplexes Handlungsgefüge gegeben. Anschließend werden das Klettern und die neuen Lehrpläne mit möglichen Ansatzpunkten zur Verzahnung zueinander in Beziehung gesetzt.

2.1 Dimensionen des Kletterns

"Klettern ist Fortbewegung unter Zuhilfenahme der Hände und Arme zur Erhaltung des Gleichgewichtes".

Dies ist eine grundlegende und traditionelle Definition des Kletterns. Hinter dieser einfachen und sportbezogenen Definition verbergen sich jedoch Erfahrungsmöglichkeiten auf unterschiedlichen Ebenen, die je nach Schwerpunktsetzung als Unterrichtsvorhaben thematisiert werden können. Aus sportmotorischer Sicht wird das Klettern durch unnormierte Bewegungsformen gekennzeichnet, die eine individuelle Lösung des Kletterproblems ermöglichen.

Diese Bewegungslösungen basieren auf den individuellen, konditionellen und kognitiven Fähigkeiten, technischen Fertigkeiten und körperlichen Voraussetzungen und müssen den unterschiedlichen Kletteraufgaben und -bedingungen angepasst werden. Denn insbesondere Größe und Form der Griffe und Tritte, ebenso wie ihre Anordnung und Abstände zueinander, sind in nahezu jeder Klettersituation anders.

Klettern erfordert somit ein reichhaltiges, wenig normiertes Bewegungsrepertoire, um die stets neuen Aufgabenstellungen der jeweiligen Klettersituation durch Anpassung der eigenen motorischen und psychischen Fähigkeiten zu bewältigen.

Die Erfahrungsmöglichkeiten beim Klettern sind auch nicht nur auf sportmotorische Bewegungserfahrungen beschränkt, vielmehr können auch Erfahrungen im Bereich der Körperwahrnehmung (z.B. Anspannung/Entspannung), des Bewegungslernens und der Bewegungsplanung gesammelt werden. Zusätzlich sind psychische und soziale Aspekte wie Angst, Mut, Vertrauen, Verantwortung erfahrbar, insbesondere beim Klettern mit Seilsicherung in größeren Höhen.


Diese vielfältigen Dimensionen, die das Klettern bietet, werden im "Spektrum kletterspezifischer Wirkungsdimensionen" von Neumann/Schädle-Schardt sehr übersichtlich zusammengefasst:

Tabelle 1: Spektrum kletterspezifischer Wirkungsdimensionen nach Neumann/Schädle-Schardt

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2.2 Dimensionen des Kletterns bezogen auf den Schulsport

Bereits in der Beschreibung der Dimensionen des Kletterns können viele Ansatzpunkte zur Umsetzung der neuen Lehrpläne gefunden werden. Weitere pädagogisch wertvolle Dimensionen des Kletterns zeigt R. Ullmann auf (vgl. dazu Kapitel 1: "Pädagogische Grundlagen").

2.2.1 Klettern und die Pädagogischen Perspektiven

Bezogen auf die Lehrpläne in Nordrhein - Westfalen kann nahezu jede der sechs pädagogischen Perspektiven als Ausgangspunkt bzw.Schwerpunkt eines Unterrichtsvorhabens zum Klettern gewählt werden. Besonders bietet sich eine Thematisierung unter der Perspektive (C) "Etwas wagen und verantworten" an, sowie unter den Perspektiven (A) "Wahrnehmungsfähigkeit verbessern, Bewegungserfahrungen erweitern", (E)"Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen" und (D) "Das Leisten verstehen, erfahren und einschätzen".

Tabelle 2: Umsetzungsmöglichkeiten der Pädagogischen Perspektiven durch Klettern im Schulsport

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2.2.2 Klettern und die Inhaltsbereiche des Schulsports

Bei den sportbereichsübergreifenden Inhaltsbereichen kann Klettern im Bereich 1 "Den Körper wahrnehmen und Bewegungsfähigkeit ausprägen" und im Bereich 10 "Wissen erwerben und Sport begreifen" thematisiert werden. Innerhalb der sportbereichsbezogenen Inhaltsbereiche lässt sich Klettern im Bereich 5 "Bewegen an Geräten - Turnen" einordnen (vgl. Tabellen 3-5).

Tabelle 3: Kletterspezifische Aufgabenschwerpunkte zum Inhaltsbereich 1 "Den Körper wahrnehmen und Bewegungsfähigkeit ausprägen"

Tabelle 4: Kletterspezifische Aufgabenschwerpunkte zum Inhaltsbereich 10 "Wissen erwerben und Sport begreifen"

Tabelle 5: Kletterspezifische Aufgabenschwerpunkte zum Inhaltsbereich 5: "Bewegen an Geräten - Turnen"

Die obligatorischen "grundlegenden Kompetenzen im Helfen, Sichern und Korrigieren"9 des Inhaltsbereichs 5 können durch eine Einführung ins Klet- tern, z. B. bei Klettergelegenheiten in der Schulsporthalle, beim Bouldern ("Spotten"10) oder durch Klettern mit Seilsicherung vermittelt werden.

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2.2.3 Klettern und die Prinzipien eines erziehenden Unterrichts

Die Prinzipien eines erziehenden Unterrichts lassen sich je nach Schwerpunktsetzung auf vielfältige Weise mit den Pädagogischen Perspektiven und Inhaltsbereichen verknüpfen.

Tabelle 6: Umsetzungsmöglichkeiten der Prinzipien eines erziehenden Unterrichts durch Klettern im Schulsport

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2.2.4 Klettern und Grundsätze der Unterrichtsgestaltung

Die Grundsätze der Unterrichtsgestaltung (in der Grundschule: Individualisieren und Integrieren, Öffnen und Anleiten, Üben und Anwenden, Erfahren und Begreifen, problemorientiert unterrichten und fachübergreifende Lernchancen eröffnen) lassen sich je nach Schwerpunktsetzung auf vielfältige Weise mit den Pädagogischen Perspektiven und Inhaltsbereichen verbinden.

Tabelle 7: Umsetzungsmöglichkeiten der Grundsätze der Unterrichtsgestaltung durch Klettern im Schulsport

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2.3 Empfehlungen zur Schwerpunktsetzung des Kletterns innerhalb der unterschiedlichen Schulformen

Im folgenden Abschnitt werden Empfehlungen zu den einzelnen Schulformen basierend auf den Aufgaben und Zielen der jeweiligen Schulform und deren Lehrpläne aufgezeigt.

2.3.1 Grundschule

Der Schwerpunkt des Kletterns im Rahmen der neuen Lehrpläne Sport der Grundschule basiert auf den Grundbewegungsformen Klettern und Ba-lancieren, bei denen die Schülerinnen und Schüler fundamentale Bewegungserfahrungen machen. Darüber hinaus bedeutet Klettern und Balancieren für die Schülerinnen und Schüler auch, Spannung und Risiko zu erleben, eigene Grenzen zu erfahren, zuzulassen und zu akzeptieren. Das Schaffen von Klettergelegenheiten in derTurnhalle kann in der Regel mit den üblichen Turngeräten realisiert werden. Weiterhin lassen sich mit Boulderwänden (Kletterwände in Absprunghöhe), die an verschiedenen Orten auf dem Schulgelände errichtet werden können, attraktive Bewegungsangebote schaffen. Sicherlich stellt auch bei den Schülerinnen und Schülern der Primarstufe das Klettern an künstlichen Kletterwänden (z.B. Kletterhalle) ein besonderes Erlebnis dar

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2.3.2 Sekundarstufe I

Die Schwerpunkte des Kletterns in der Sekundarstufe I orientieren sich an den Alters- und Entwicklungsstufen der Schülerinnen und Schüler. Bei den jüngeren Schülern werden dieBewegungsaufgaben im Vordergrund stehen, bei denen vielfältige Bewegungserfahrungen an verschiedenen Geräten und der Boulderwand gemacht werden können (vgl. auch Primarstufe). Mit zunehmenden Alter werden die Erfahrungsmöglichkeiten an Bedeutung gewinnen, die das Klettern mit Seilsicherung bis hin zum eigenständigen Klettern in Kletteranlagen bietet (vgl. auch Sekundarstufe II Gymnasien, Gesamtschulen).

2.3.2.1 Hauptschule

Für die Schülerinnen und Schüler der Hauptschule bietet das Klettern, im Rahmen des Inhalts-bereiches: Bewegen an Geräten - Turnen, eine breite Palette an Herausforderungen und Handlungsmöglichkeiten. Sie erhalten hier die Gelegenheit, ihre individuellen Möglichkeiten zur Bewegungsgestaltung zu entwickeln und zu erleben. Durch diese eigenverantwortliche Auseinandersetzung ergeben sich im Bereich "Wagnis und
Risiko" vielfältige Anlässe zu sozialem Lernen sowie Gelegenheiten für die bewusste Zusammenarbeit von Jungen und Mädchen.

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2.3.2.2 Realschule

Auch in der Realschule findet das Klettern eine Zuordnung im Bereich: Bewegen an Geräten - Turnen. Grunderfahrungen des Kletterns, wie das Spiel mit der Schwerkraft, das Einnehmen von ungewöhnlichen Körperlagen und das Ausbalancieren des Körperschwerpunktes werden den Schülerinnen und Schülern durch elementare Bewegungstätigkeiten wie Hängen, Klimmen, Stüt-zen, Steigen und Balancieren erfahrbar gemacht. Durch die Akzentuierung verschiedener pädagogischer Perspektiven, wie z.B."Wahrnehmungsfähigkeit verbessern, Bewegungserfahrungenerweitern", oder "Kooperieren, wettkämpfen, sich verständigen", lassen sich auch hier vielfältige Schwerpunkte in Bezug auf das Klettern auswählen.

2.3.2.3 Gesamtschule

Klettern an den Gesamtschulen kann insbesondere einen Beitrag zur Entwicklung desSelbstvertrauens durch das Erleben und Entwickeln von individuellem Kletterkönnen auf der einen Seite und dem Übernehmen von Verantwortung für den Kletterpartner durch das Sichern auf der anderen Seite leisten. Die Wirkungen des eigenenHandelns beim Klettern mit Seilsicherung können hierbei unmittelbar erfahren und ein verantwortungsloses Handeln direkt kognitiv erschlossen werden.
Ein weiteres Ziel liegt in der Brücke zum außerschulischen Sport. Die organisatorische Struktur der Gesamtschule ermöglicht ein breites Angebot, sich auf unterschiedlichen Ebenen mit dem Klet-tern auseinander zu setzen und eröffnet beispielsweise durch den Besuch von öffentlichen Kletteranlagen einen Zugang zum außerschulischen Sport.

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2.3.2.4 Gymnasium

Im Gymnasium steht die Entwicklung einer mündigen Persönlichkeit im Vordergrund. Hierzu bietet das Klettern im Schulsport Möglichkeiten zur Entfaltung individueller Fähigkeiten und zum Aufbau sozialer Verantwortung und verantwortlicher Tätigkeit in der Berufs- und Arbeitswelt. Dabei steht das Klettern als komplexes Handlungsgefüge im Vordergrund (vgl. 2.1 Dimensionen des Kletterns). Hier würde sich beispielsweise das Thema "Angst und Umgang mit Angst" durch das Klettern mit Seilsicherung anbieten. Entsprechend den Alters- und Entwicklungsstufen kann das Maß an Selbständigkeit, Eigen- und Mitverantwortung vom Klettern in Absprunghöhe bis zum Klettern mit Seilsicherung gesteigert werden. Für den Zugang zum außerschulischen Sport bietet sich die Nutzung von öffentlichen Kletteranlagen an.

2.3.3 Sekundarstufe II

Die Sekundarstufe II ist geprägt durch größere Eigenverantwortlichkeit und größere soziale Verantwortlichkeit. Schwerpunkte im Bereich der bewussten Wahrnehmung, des Übernehmens von Verantwortung, des Erkennens und Einschätzens eigener Grenzen lassen sich insbesondere durch Klettern mit Seilsicherung vermitteln. AlsÜbungsstätten bieten sich dazu hohe Kletterwände u.a. auch kommerziell betriebene Kletteranlagen an.

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2.3.3.1 Gymnasien und Gesamtschulen

In der gymnasialen Oberstufe werden die inhaltlichen Strukturierungen in den drei aufeinander folgenden Bereichen "I) Bewegungsfelder und Sportbereiche, II) Fachliche Kenntnisse und III) Methoden und Formen selbständigen Arbeitens" zusammengefasst. Formen des eigenen sportlichen Handelns und deren Reflexion, auch in Bezug auf die gesellschaftliche Wirklichkeit, werden im Vor-dergrund stehen. Klettern lässt sich im Inhaltsbereich "Bewegen an Geräten - Turnen" (vgl. auch 2. 2. 2) integrieren. Im Bereich der fachlichen Kenntnisse kann Klettern zur Realisierung eigenen sportlichen Handelns dienen (z.B: motorische Lernprozesse beim Klettern, beispielsweise durch Wiederholung von Kletterpassagen), ebenso zum sportlichen Handeln im sozialen Kontext beitragen. Innerhalb der Methoden und Formen selbständigen Arbeitens lässt sich durch Klettern methodisch-strategisches Lernen vermitteln (z.B. Lösungsmöglichkeiten zum Problem der offenen Tür durch Erproben erarbeiten). Durch die spezifischen Anforderungen beim Helfen und Sichern wird das sozial-kommunikative Lernengefördert.

2.3.3.2 Berufskolleg

Das Fach Sport/Gesundheitsförderung greift die Lebens- und Berufseinstiegssituation der Schüler-innen und Schüler auf. Im Kontext der APO-BK (Allgemeine Prüfungsordnung Berufskolleg) steht die Entfaltung und Förderung der allgemeinen und beruflichen Handlungskompetenz im Vordergrund. Klettern mit Seilsicherung bietet hierzu Ansatzmöglichkeiten. In dem komplexen Handlungsgefüge des Kletterns können die Schülerinnen und Schüler eigenes Können und eigene Fähigkeiten erleben und ihre Gesundheit fördern, aber auch Verletzungsrisiken klar erkennen. Die drei Leitlinien für die Unterrichtsgestaltung (Stärken und Fördern, Ausgleichen, Befähigen) lassen sich durch Klettern verwirklichen. Wobei Stärken und Fördern (z.B. Umgang mit Angst, Stärken erkennen) und Befähigen (z.B. personale und soziale Handlungskompetenz durch Sichern des Partners) im Vordergrund stehen.

Im Fach Sport/Gesundheitsförderung werden die Pädagogischen Perspektiven berufsschulspezifisch akzentuiert und in sechs Kompetenzbereiche ge-gliedert, die alle eine gesundheitsfördernde Dimension beinhalten.

Tabelle 8: Kompetenzbereiche in Sport/Gesundheitsförderung der Fachklassen des dualen Systems

Ähnlich den Pädagogischen Perspektiven (vgl. 2.2.1) eignet sich hier Klettern insbesondere zur Vermittlung von Lerninhalten in den Kompetenzbereichen 1, 4, 5 und 6.

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2.3.4 Sonderschule

Zum Zeitpunkt des Redaktionsschlusses (Dezem-ber 2001) liegen noch keine eigenen neuen Lehrpläne Sport für die Sonderschulen vor. In die Re-vision der Richtlinien der einzelnen Sonderschulformen werden die entsprechenden Lehrpläne im Bereich: "Bewegung, Spiel und Sport in der sonderpädagogischen Förderung" mit eingeschlossen und zur Zeit von einer Arbeitsgruppe neu erarbeitet. Momentan ist daher eine Orientierung, mit den entsprechenden sonderpädagogischen Differenzierungsmaßnahmen, an den Lehrplänen der Primarstufe (Grundschule) und der Sekundarstufe I (Hauptschule, Realschule) als sinnvoll zu erachten.

3. Herleitung von Unterrichtsvorhaben

3.1 Exemplarische Zusammensetzung von Bausteinen zu einem Unterrichtsvorhaben mit kletterspezifischen Inhalten

Die nachfolgende Abbildung stellt eine Möglichkeit dar, Pädagogische Perspektiven, Inhaltsbereiche, Prinzipien eines erziehenden Unterrichts und Grundsätze zur Unterrichtsgestaltung zu einem Unterrichtsvorhaben zusammen zu stellen. Hier wird das Unterrichtsvorhaben unter dem Thema "Vertrauen schenken, Vertrauen erfahren, Verantwortung übernehmen" (vgl. auch 3.2 Ideenpool für Themen mit kletterspezifischen Inhalten) skizziert - in Verbindung mit:

  • Pädagogische Perspektive C "Etwas wagen und verantworten" (vgl. 2.2.1)
  • Inhaltsbereich 5 "Bewegen an Geräten - Turnen" (vgl. 2.2.2)
  • Prinzip eines erziehenden Unterrichts "Reflexion" (vgl. 2.2.3)
  • Grundsatz der Unterrichtsgestaltung "Zum Handeln befähigen und zur Reflexion anregen" (vgl. 2.2.4)

Abbildung 2: Zusammensetzung vonBausteinen zu einem Unterrichtsvorhaben mit der Thematik: "Vertrauen schenken, Vertrauen erfahren,Verantwortung übernehmen"

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3.2 Ideenpool für Themen mit kletterspezifischem Inhalt

  • "Eigene Höhen entdecken - ...."
  • "Grenzen erfahren, Grenzen verschieben"
  • "Der Weg nach oben (- führt über manche Tiefen)"
  • "Verbunden mit dem Partner - Kooperation durch Erlernen der Sicherungstechniken beim Klettern in größeren Höhen"
  • "Vertrauen schenken, Vertrauen erfahren, Verantwortung übernehmen"
  • "Herr der Sinne - Den Körper wahrnehmen beim Klettern"
  • "Schneeblind - Bergrettung eines Klassenkameraden"
  • "Bewegungsaufgaben kreativ lösen undgestalten"
  • "Bewegungsplanung - Mit Planung zum Erfolg - Motorisches Gedächtnis"
  • "Klettern im Rollstuhl - Möglichkeiten und Grenzen"

3.3 Klettern im fächerübergreifendem Kontext

Aufgrund der Komplexität und Mehrdimensionalität des Kletterns und des Klettersports können vielfältige Ansatzpunkte zu fächerübergreifendem Unterricht gefunden werden. Die Möglichkeiten sind so zahlreich und vielschichtig, dass hier nur einige genannt werden. Auch hier ermöglichen die freien Unterpunkte eine Erweiterung durch eigene Bezüge und Ansätze. Ein ausführliches Beispiel zum fächerübergreifenden Unterricht befindet sich in dieser Handakte. (vgl. dazu Kapitel 4: "Klettern in einer fächerübergreifenden Arbeitsgemeinschaft").

Tabelle 9: Fächerübergreifende Umsetzungsmöglichkeiten

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4. Literaturverzeichnis

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Sicher nach oben ... Klettern in der Schule, GUV
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KÖSTERMEYER/NEUMANN/SCHÄDLE-SCHARDT:
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Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe II - Gymnasium/Gesamtschule in Nordrhein-
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MSWWF:
Richtlinien und Lehrpläne für die Grundschule in
Nordrhein-Westfalen, Frechen 1999.
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Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe I - Hauptschule in Nordrhein-Westfalen: Sport,
Frechen 2001.
MSWWF:
Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe I - Realschule in Nordrhein-Westfalen: Sport, Frechen 2001.
MSWWF:
Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe I - Gesamtschule in Nordrhein-Westfalen: Sport,
Frechen 2001.
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Richtlinien und Lehrpläne für die Sekundarstufe I - Gymnasium in Nordrhein-Westfalen: Sport, Frechen 2001.
MSWWF:
Lehrplan zur Erprobung für das Berufskolleg in
Nordrhein-Westfalen:Sport/Gesundheitsförderung
- Fachklassen des dualens Systems der Berufsausbildung, Auszug aus dem Amtsblatt des MSWWF Teil 1 Nr. 8/2001.
NEUMANN, PETER/ SCHÄDLE-SCHARDT WALTER:
Sportklettern im Schulsport - Überlegungen zu
einem mehrperspektivischen Vermittlungsansatz
In: Sportunterricht 8/2000 S. 244-249.
RADLINGER, L./ISER, W./ZITTERMANN H.:
Bergsporttraining, München 1983.
SCHÄDLE-SCHARDT, WALTER:
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SCHÄFER, FRANK:
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einer Umgestaltung des Lehr-Lernprozesses, In:
Treutlein, G/ Funke-Wienecke, J./ Sperle, N.
(Hrsg.): Körpererfahrung im Sport, Aachen 1992.
SCHMIED, JÜRGEN/SCHWEINHEIM, FRANK:
Sportklettern, München 1996.
WINTER, STEFAN:
Sportklettern mit Kindern und Jugendlichen,
München 2000.