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Chancen für fächerübergreifendes Lernen mit Bewegung
Takeshi – eine fächerübergreifende Unterrichtseinheit (Sprache/Sport) zu einem Spiel in Regelstrukturen
- Die Unterrichtsreihe
- Erste Begegnung mit dem Spiel Takeshi
- Erarbeitung und Erläuterung der Spielregeln
- Hinzunahme des Fair-Play-Gedankens
- Mannschaftsbildung und Hallenaufbau
- In der Sporthalle
- Der Aufbau und ein Probedurchlauf<
- Die ersten Eindrücke vom Spiel
- Das Zählen der Punkte
- Erinnern an taktisches Vorgehen
- Spielen
- Wenn es eine Siegermannschaft gibt ...
- Reflexionen
- Abschließende Anmerkungen
Vorbemerkung
Die Beschreibung dieser Unterrichtsreihe verfolgt die Absicht, Möglichkeiten eines fachübergreifenden Unterrichts in Klassen der Jahrgangsstufen 3 und 4 aufzuzeigen. Das Ziel der hier dargestellten fachübergreifenden Unterrichtsreihe ist es, dass die Kinder auf der Grundlage einer Spielbeschreibung das Spiel Takeshi selbständig erarbeiten, spielen und im Rahmen der Pädagogischen Perspektive Kooperieren – wettkämpfen und sich verständigen ihre individuellen Erfahrungen sowie Wünsche bezüglich der Veränderung von Regeln versprachlichen.
Die Unterrichtsreihe
Die Aufgabe, die Spielidee aus einer Spielbeschreibung zu erkennen und die grundlegende Spielstruktur nachzuvollziehen (vgl. Lehrplan Sport Grundschule, 3.1.7) wird zunächst im Spracheunterricht bearbeitet. Aus der Sicht des Fachs Sprache ist dieses Vorgehen legitim, da der Unterrichtsgegenstand das sinnentnehmende Lesen fördert und durch die Vorbereitung einer realen Spielsituation dem Prinzip der Lebensnähe entspricht.
Erste Begegnung mit dem Spiel Takeshi
In der ersten Unterrichtsstunde der Reihe erfahren die Kinder, dass sie anhand einer Spielbeschreibung das Spiel TAKESHI erarbeiten, vorstellen und vorbereiten sollen, um es anschließend in der Sporthalle zu spielen. In dieser Stunde, einer Sprache-Stunde, erhalten die Kinder jeweils die folgende Spielbeschreibung:
Takeshi – ein Spiel aus Japan
Das Spiel Takeshi ist nach einem Schüler namens Takeshi benannt, das nach seiner Aussage anstrengender sei als ein 1000m Lauf, aber trotzdem viel Spaß mache.
Spielarrangement: In Längsrichtung wird an einer Seite der Sporthalle knapp zwei Meter von der Wand entfernt ein Hindernisparcours aufgebaut. Der Hindernisparcours besteht aus drei großen Kästen, zwei Weichböden und zwei Turnmatten. Zuerst kommt eine Turnmatte, dann ein großer Kasten, ein Weichboden, ein großer Kasten, ein Weichboden, ein großer Kasten und abschließend eine Turnmatte. In einigem Abstand zu diesem Aufbau steht ebenfalls in Längsrichtung als Begrenzung eine Reihe von Turnbänken.
Die Regeln:
- Es sollen zwei Mannschaften, eine Läufermannschaft und eine Werfermannschaft, gebildet werden. Eine Mannschaft beginnt als Läufer, d.h. sie muß versuchen, möglichst oft ihre Spieler durch den Parcours zu bringen, ohne abgeworfen zu werden. Wer abgeworfen wurde läuft weiter, bekommt aber keinen Punkt.
- Die Werfer befinden sich hinter der Bank und werfen von dort mit Softbällen. Damit die Bälle wieder zurückkommen, müssen zwei bis drei Spieler der Werfermannschaft immer Bälle einsammeln und ihren Mitspielern zurückwerfen.
- Für jeden Spieler, der den Parcours durchläuft, ohne abgetroffen zu werden, erhält seine Mannschaft einen Punkt.
- Takeshi wird auf Zeit gespielt, d.h. die Mannschaft, die nach einer bestimmten Spielzeit die meisten Punkte hat, gewinnt.
Eine Skizze des Aufbaus ist als ein Differenzierungsangebot für Kinder, deren sprachliche Kompetenzen es erforderlich machen, hinzuzufügen. Die Originalbeschreibung des Spiels (Brake, H.: Takeshi – ein Spiel aus Japan) ist in dem Sonderheft Zeitschrift sportpädagogik Kleine Spiele, Wettkämpfe, Herausforderungen. Friedrich Verlag 1995, 28) zu finden. Besonders schön ist an diesem Spiel, dass immer alle Kinder in das Spielgeschehen eingebunden sind und eine handlungstragende Rolle einnehmen.
Erarbeitung und Erläuterung der Spielregeln
In einer Gruppenarbeit erarbeiten sich die Schüler die Spielregeln. Sie veranschaulichen mit Hilfe von Miniaturgeräten (vgl. Ratgeber Grundschule. Materialien für die bessere Unterrichtspraxis. Kallmayersche Verlagsbuchhandlung 1998, 45.) und einem Hallenplan den Geräteaufbau und stellen gemeinsam Überlegungen zum Spielverlauf an. Eine Zeichnung vom Aufbau anstelle der Darstellung mit Miniaturgeräten ist auch möglich. Die Gruppen stellen sich ihre Gruppenergebnisse gegenseitig vor, indem sie auch den Verlauf des Spiels beschreiben. Der Verständigungsprozess über den Aufbau und die Spielregeln sollte zu einem von der Klasse gemeinsam getragenen Ergebnis führen. Von der Klassengemeinschaft getragene Regelvereinbarungen sind die Grundlage für ein Gelingen des Spiels. So könnte es beispielsweise nötig sein, sich über die Kastenhöhe und den Abstand der Bänke zur Hindernisbahn auszutauschen.
Hinzunahme des Fair-Play-Gedankens
In einem nächsten Schritt soll die Forderung Wir wollen fair spielen auf das Spiel Takeshi bezogen werden. So könnten die Kinder unter der Absicht fair zu spielen, beispielsweise darauf eingehen, von wo genau auf die Läufer geworfen werden soll, daß kein Kind beim Laufen oder Werfen behindert werden darf und nicht mit Absicht auf den Kopf gezielt werden sollte.
Mannschaftsbildung und Hallenaufbau
Damit das Spiel im Sportunterricht durchgeführt werden kann, müssen noch zwei Mannschaften gebildet und der Aufbau organisiert werden. Damit die Kinder lernen, das soziale Miteinander auch in den typischen Situationen des Sports zunehmend selbständig und verantwortungsvoll zu regeln (vgl. Rahmenvorgaben Schulsport, 1.2) wird die Klasse mit dem Problem der Mannschaftseinteilung (Zufallsprinzip, Wahl, bewußte Einteilung) und der Organisation des Aufbaus konfrontiert. Die Lehrperson hat die Aufgabe, das Klassengespräch zu moderieren.
Am Ende dieser Stunde haben die Kinder alle wichtigen Informationen, um das Spiel in einem Probedurchlauf selbständig spielen zu können. Die spielspezifischen motorischen Fertigkeiten sind das Überwinden von Hindernissen, das Zielwerfen und das Fintieren. Das Zielwerfen und Fintieren kann u.a. durch die beliebten Spiele Hase und Jäger, Zombi in den Klassen 1 und 2 vorbereitet werden. Eine gute Grundlagenausdauer kommt dem Spiel entgegen.
In der Sporthalle
Der Aufbau und ein Probedurchlauf
Die Kinder bauen selbständig auf und spielen einen Probedurchgang Takeshi mit Aufgabenwechsel, um typische Spielerfahrungen zu sammeln.
Die ersten Eindrücke vom Spiel
In einer Zwischenreflexion schildern die S. ihre ersten Eindrücke vom Spiel. Diese können die Anzahl der Bälle, die Art der Wurfobjekte (Softbälle, zusammengelegte Strümpfe, ...), die Spielzeit, den Aufbau wie auch die Freude am Spiel, Fragen zum Spielverlauf oder die Einhaltung von Regeln betreffen. Nach der Verbalisierung der ersten Eindrücke beantworten sie die Frage, ob fair gespielt wurde. Eventuell muß noch einmal an die Spielregeln erinnert werden.Alle Vorbereitungen, um das Spiel als Wettkampfform spielen zu können, sind zu diesem Zeitpunkt getroffen. Es muss nur noch eine Vereinbarung darüber erzielt werden, wie die Punkte gezählt werden können.
Das Zählen der Punkte
Kinder sind durchweg in der Lage, eigenständig Lösungen vorschlagen, wie das Problem des Zählens der Punkte gelöst werden kann. Erfahrungsgemäß bietet sich das folgende Verfahren an, das die Lehrkraft gegebenenfalls in Teilen den Kindern anraten kann: Nachdem ein Kind ohne abgeworfen worden zu sein, den Parcours durchlaufen hat, nimmt es sich einen Gegenstand aus einem umgedrehten Kasten, der sich am Ende des Parcours befindet und läuft mit ihm zum Startpunkt zurück. Dort legt es den Gegenstand als Zeichen für einen Punkt in einen weiteren umgedrehten Kasten. Jedes Kind ist für faires Handeln eigenverantwortlich. Die Anordnung der Kästen in dieser Form bedeutet eine Verlängerung des Aktionsweges. Mit diesem Spiel können so gleichzeitig Trainingsreize gesetzt werden.Erinnern an taktisches Vorgehen
Bevor ein Spiel mit Ernstcharakter beginnt, können den Kindern noch die Aufgaben mitgegeben werden, darauf zu achten, was man tun kann, um besonders gut einen Punkt zu bekommen (Läufer) oder besonders gut das Erzielen eines Punktes zu verhindern (Werfer).Spielen
Das Spiel wird dann in einem oder mehreren Durchgängen nach den vereinbarten Regeln gespielt. Um Einsichten in taktisches oder faires Handeln zu erhalten, sollte genug Zeit zum Spielen zur Verfügung stehen. Einsichtbildende Impulse (Mogeln ist unfair, zu zweit erlangt man sicher einen Punkt, wenn einer den anderen vor Abwürfen schützt!) erwachsen aus dem konkret erlebten Bewegungshandeln und werden durch Zwischenreflexionen zur Sache der Klasse gemacht. So können Kinder voneinander lernen. Ein solches unterrichtliches Vorgehen entspricht der Forderung grundlegende taktische Verhaltensweisen zu erwerben( vgl. Lehrplan Sport Grundschule, 3.1.7).Wenn es eine Siegermannschaft gibt ...
Steht gegen Ende der Stunde eine Siegermannschaft fest, könnten Emotionen hochkochen. Sozial handlungsfähig zu sein bedeutet aber auch, mit Niederlagen umzugehen. Dieses Umgehen mit Niederlagen lernen Kinder allerdings nur, wenn sie diese genauso wie Siege das ein oder andere Mal erfahren. Sollte eine Diskussion mit diesbezüglichem Inhalt aufkommen, kann sie als Anlass genommen werden, über Leistungen zu reflektieren (vgl. Rahmenvorgaben Schulsport, 1.2).Reflexionen
In einem gemeinsamen Reflexionsgespräch können Gründe für das Spielergebnis gefunden werden, aber auch alle Erfahrungen oder Wünsche, die im Zusammenhang mit diesem Spiel gemacht wurden oder sich ergeben haben insbesondere aber die, die sich um Kooperation, Wettkampf und Verständigung ranken, thematisiert werden. Die Spieleindrücke könnten taktischer Natur sein oder gelungene/miss-lungene kooperative Handlungen betreffen. Diese Eindrücke vom Spiel können gleichzeitig einen neuen Verständigungsprozess, beispielsweise über Veränderungen am Aufbau initiieren und/oder zu einem Schreibanlass (Wir schreiben unsere neuen Regeln auf!, Wir stellen unser neues Spiel der Parallelklasse vor!) werden. Insgesamt können diese Reflexionen neben dem Ausbau des mündlichen/schrift-lichen Sprachgebrauchs als Maßnahme, die Spielfähigkeit zu fördern, verstanden werden.Ratsam ist es, dieses Spiel auch in weiteren Sportstunden zum Inhalt zu machen, um den Kindern die angenehmen Erfahrungen eines gelungenen Spiels zu ermöglichen.
Abschließende Anmerkungen
In dieser Unterrichtseinheit erarbeiten die Schüler die Spielstruktur des Spiels Takeshi und vollziehen sie nach. Sie erwerben für das Spiel grundlegende taktische Verhaltensweisen (als Werfer/Läufer).
Auf das Einhalten von Spielregeln wird in dieser Einheit besonderer Wert gelegt. Es könnte sich im Verlauf der Unterrichtseinheit herausstellen, dass eine Regelmodifikation angebracht ist. Ein solcher Ansatz sollte aufgenommen und im Klassenverband besprochen werden. Differenziert werden kann
- durch das Aufheben der parallelen Bankreihe: eine schräge Anordnung der Bänke berücksichtigt die unterschiedliche Wurfgenauigkeit ebenso wie die Wurfweite.
- in der Dauer der Spielzeit
- in der Anzahl der Bälle
- in der Kastenhöhe
Sollten Veränderungswünsche zum Aufbau bestehen, können die Kinder, wie bereits kurz erwähnt, für weitere Sportstunden eigene Aufbauten entwickeln und ausprobieren.
Petra Deutsch
Universität Bielefeld – Fakultät für Psychologie und Sportwissenschaft
Curriculumwerkstatt Detmold




