Fortbildung
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Spielen in und mit Regelstrukturen - Sportspiele
Takeshi – ein Lauf- und Wurfspiel
- Das Spiel Takeshi – eine Spielerklärung
- Darstellung einer unterrichtlichen Vorgehensweise
- Fortführungen
Vorbemerkung
Die grundlegende Spielidee von Takeshi (ein Team versucht, ohne abgetroffen zu werden, einen Parcours zu durchlaufen - das andere Team versucht, möglichst viele Läuferinnen und Läufer abzutreffen) ist einfach. Die vorgegebenen Regelstrukturen sind für Kinder leicht nachzuvollziehen, können von ihnen variiert und den eigenen Bedingungen und Voraussetzungen angepasst werden. Takeshi ist für den Sportunterricht in der Grundschule besonders geeignet,
- weil es ein Spiel ist, bei dem alle Kinder einer Lerngruppe gleichzeitig mitspielen können (die gesamte Klasse teilt sich in eine Läufer- und eine Werfermannschaft)
- weil es ein Spiel ist, bei dem alle Kinder, unabhängig von den individuellen Voraussetzungen, spieltragende Rollen übernehmen können
- weil es ein Spiel ist, bei dem die Kinder das Prinzip des Fair-Spielens erfahren und lernen können (vgl. Lehrplan Sport Grundschule, 3.1.7)
In dem hier vorliegenden Beispiel wird das Spiel Takeshi vorrangig unter der pädagogischen Perspektive Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen thematisiert, denn
- in den Teams lernen die Kinder zu kooperieren, z.B. durch die taktische Absprachen unter den Werfern, bei denen geklärt wird, wann wer wirft;
- bei Takeshi kann bei allen Beteiligten Regelbewusstsein und die Idee des Fairnessgedankens entwickelt und ausgebaut werden;
- bei Takeshi lernen die Kinder im sozialen Miteinander ihr Spielen zunehmend selbständig und verantwortungsbewusst zu organisieren und zu regeln
Bei der unterrichtlichen Behandlung des Spiels Takeshi werden bei der im Folgenden dargestellten unterrichtlichen Inszenierung folgende Aufgabenschwerpunkte berücksichtigt (vgl. Lehrplan Sport Grundschule, 3.1.7):
- Spielideen vorgegebener Spiel und ihre grundlegende Spielstruktur erkennen und
- nach vorgegebenen Regeln spielen können, Spielregeln einhalten und adressatenspezifisch verändern
- Rahmenbedingungen für gemeinsame Spiele entwickeln, festlegen und gegebenenfalls verändern
Das Spiel Takeshi – eine Spielerklärung
Takeshi ist ein Lauf - und Wurfspiel (vgl. Brake, H.: Takeshi - ein Spiel aus Japan, in: Zeitschrift sportpädagogik Sonderdruck Kleine Spiele, Wettkämpfe und Herausforderungen, Seelze 1995, S. 28).
In Längsrichtung wird an einer Seite der Sporthalle eine Gerätebahn (abhängig von der Ausstattung der Sporthalle) aufgebaut. In einigem Abstand, je nach sozial-kommunikativer Kompetenzen. Die Lehrkraft hat dabei die Funktion, den Unterricht zu initiieren, zu strukturieren, die laufenden Aktivitäten zu beobachten und bei auftretenden Problemen unterstützend einzugreifen. Konkret bedeutet dies:
Zwei Teams spielen gegeneinander: eine Läufer- und eine Werfermannschaft. Die Läufermannschaft muss in einer bestimmten Zeitspanne versuchen, so oft wie möglich den Parcours zu durchlaufen, ohne von der Werfermannschaft getroffen zu werden. Wer ohne getroffen zu werden, über den Parcours kommt, holt für sein Team einen Punkt. Nur das Läuferteam kann punkten, deshalb besteht Takeshi immer aus zwei Durchgängen, jedes Team ist einmal Läufer- und einmal Werferteam. Die Zeit pro Durchgang beträgt mindestens 3 Minuten. Am Ende des Parcours stehen zwei Eimer, einer mit Tennisbällen und ein leerer. Jeder Läufer, der ohne Treffer den Parcours absolviert, nimmt einen Tennisball aus dem vollen und legt ihn in den leeren Eimer. Sieger ist das Team, das als Läuferteam die meisten Punkte holte. Diese grundsätzlichen Regeln und Vorgaben reichen aus. Weitere Regeln und/oder taktische Vorgehensweisen lassen sich mit und von den Kindern entwickeln.
Darstellung einer unterrichtlichen Vorgehensweise
In der ersten Stunde
In der ersten Stunde lernen die Kinder mit Hilfe einer Mini-Turnhalle (verschiedene Varianten werden im Ratgeber Grundschule dargestellt) den Geräteaufbau und die Grundidee des Spieles kennen. Sie stellen ihre Fragen und klären Unstimmigkeiten mit ihrer Lehrkraft. Danach werden zwei Mannschaften gebildet. Nach dem ersten Durchgang wird in der Regel schon von einem der Kinder der Punkt Spielehrlichkeit angesprochen, weil jemand getroffen wurde, aber trotzdem einen Punkt für sich gezählt hat. In diesem Zusammenhang kommt die Pädagogische Perspektive Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen zum Tragen. Dabei geht es um Regelbewusstsein und die Orientierung an der Idee des Fair-Play. Zum anderen kommen von den Kindern schon in dieser Phase taktische Vorschläge, wie die noch relativ offene Spielidee differenzierter ausgestaltet werden kann. Die Kinder schlagen z.B. vor, die Kästen als Deckung zu benutzen oder nicht alle Bälle auf einmal zu werfen. Wichtig ist es, dass nach Möglichkeit ein zweiter Durchgang gespielt werden kann, in dem die angesprochenen Aspekte zur Anwendung kommen.
In der zweiten Stunde
In der zweiten Stunde spielen die Kinder Takeshi nach dem gleichen Aufbau und den bisherigen Regeln. In Abhängigkeit vom Spielverlauf werden von den Kindern und/oder der Lehrkraft lohnenswerte Themen angesprochen. Folgende Aspekte können eine Klärung erforderlich machen:
- Beibehaltung oder Veränderung der Mannschaften im Sinne von Chancengleichheit
- Zusammenstöße zwischen Spielern der Läufer- und Werfermannschaft/Absicht oder nicht/Fairplay
- Probleme der Werferin/des Werfers beim Ballholen/evtl. bestimmte Kinder in der Werfermannschaft benennen lassen, welche die Bälle zurückwerfen
- Läuferinnen/Läufer kicken Bälle weg/Regelbewusstsein, Hinweis auf Rollenwechsel, evtl. Konsequenzen, z.B. kurze Pause
- Werferinnen/Werfer treffen nicht/Veränderung des Wurfabstandes, mehr Bälle, andere Bälle, andere Wurfobjekte
- Schiedsrichter wird gefordert; Diskussion über die Aufgaben eines Schiedsrichters, bei diesem Spiel wäre ein Schiedsrichter überfordert/Appell an Spielehrlichkeit und Fairplay
- Probleme beim Verlieren
Die Lösungsvorschläge zu den aufgetretenen Problemen sollten auf jeden Fall in erneuten Spieldurchgängen erprobt werden. Sie sind in ihrer Wirkung zu reflektieren, um sie beizubehalten oder ggf. wieder zu verändern.
Fortführungen
Nicht alle der oben aufgeführten Probleme, vielmehr nur das eine oder das andere, werden in einer zweiten Stunde entstehen und geklärt werden können.
An dieser Stelle gibt es mehrere Möglichkeiten, wie die Unterrichtseinheit weiter gehen kann:
- Die Einheit endet hier, denn am Ende der zweiten Stunde steht eine Takeshivariante, die von allen akzeptiert wird und in dieser Form zum vorläufigen Spielrepertoire der Klasse gehört und irgendwann einfach wieder einmal gespielt werden kann oder in einer weiteren Einheit auch weiter entwickelt und verändert werden kann.
- Es gibt eine dritte Stunde, weil die am Ende der letzten Stunde gefundene Variante noch nicht von allen akzeptiert wird. Dabei laufen ähnliche Prozesse wie in der zweiten Stunde ab.
- Es gibt mehrere zusätzliche Stunden (eventuell auch im Fach Sprache), in denen die Kinder in Gruppen mit der Mini-Turnhalle alternative Gerätebahnen entwickeln und eventuell neue Regeln festlegen, die dann von der gesamten Klasse in der Sporthalle gespielt und im Anschluss daran reflektiert werden. Am Ende kann auch hier dann eine Takeshi-Variante stehen, die zum festen Spielrepertoire der Klasse gehört.
Literatur:
Brake, H.: Takeshi - ein Spiel aus Japan, in: Zeitschrift sportpädagogik Sonderdruck Kleine Spiele, Wettkämpfe und Herausforderungen, Seelze 1995, S. 28
Ratgeber Grundschule 1, Kallmeyersche Verlagsbuchhandlung, 2. Auflage Februar 1999
Wehr, C: Geräteaufbau leicht gemacht, in Zeitschrift sportpädagogik 4/97, S. 13/14
Hans Feuß
Grundschule Künsebeck, Halle
Curriculumwerkstatt Detmold
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