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Gestalten, Tanzen, Darstellen – Gymnastik/Tanz, Bewegungskünste

Schattentanz Unterrichtsanregungen für die Grundschule

Vorbemerkungen

Das Schattenspiel besitzt eine lange Tradition. Ursprünglich beinhaltete es das Spiel mit beweglichen und unbeweglichen Figuren, bezog aber später auch das Spiel sich selbst darstellender Menschen mit ein. Schwerpunktmäßig bezieht sich der Begriff Schattenspiel“ auf die Darstellung inhaltlich festgelegter Szenen, wie z.B. aus einem Märchen.

In dieser Unterrichtseinheit werden mit den Kindern entwickelten Themen, verbunden mit der Vorlage eines Musikstückes, erarbeitet. Insgesamt steht bei der kreativen Ausgestaltung der Themen folgendes im Vordergrund:

  • das Experimentieren und Improvisieren mit dem eigenen Körperschatten,
  • die rhythmische Bewegung zur Musik,
  • die Selbst- und Gruppendarstellung in Verbindung mit Rhythmus, Musik und Bewegung.

Da die Kinder mit dem ganzen Körper ihren Schatten erzeugen und die Musik eine elementare Bedeutung hat, wird für diese Unterrichtseinheit der Begriff Schattentanz“ gewählt.

Durch Schattentänze werden alle Bereiche der Persönlichkeit wie motorische, sensorische, kreative, emotional-soziale und kognitive angesprochen. Grundlegende Ziele der Persönlichkeitsentwicklung können verfolgt werden.

Besonders geeignet ist der Schattentanz für Kinder, die Hemmungen haben, sich mit ihrem Körper vor einer Gruppe, einem Publikum auszudrücken und darzustellen. Beim Schattentanz werden die Kinder für die Zuschauer nur“ als Schatten sichtbar, sie sind vom Publikum räumlich getrennt und ihm nicht unmittelbar ausgeliefert. Dieser Vorteil eröffnet den Kindern die Möglichkeit, sich relativ unbeobachtet bewegen und neue Ideen ausprobieren zu können. Da die Leinwand für die Kinder gleichzeitig die Funktion eines Spiegels übernimmt, d.h. die direkte Kontrolle der eigenen Bewegungen ermöglicht, kann sich ein Gefühl der Sicherheit entwickeln.

Durch die Bildung von Schattenräumen unterstreicht das Medium Leinwand/ Scheinwerfer die einzelnen Bewegungen und lässt sie ästhetisch wirken. Der dadurch bedingte hohe Aufforderungscharakter regt die Kinder in besonderem Maße zur Improvisation an und fördert die Kreativität.

Ein durchgängiges Prinzip dieser Unterrichtseinheit ist es, die Kinder an der Planung und Gestaltung zu beteiligen, d.h., die Interessen der Kinder werden aufgegriffen und ihre Erfahrungen aktualisiert. So können offene Aufgabenstellungen entstehen, die zum Ausprobieren anregen und zur Entwicklung von Selbständigkeit beitragen. Die Kinder können ihre Ideen ungezwungen und spontan einbringen und somit kreativ werden. Darüber hinaus bietet die Auseinandersetzung in der Kleingruppe die Möglichkeit zur Erweiterung sozial-kommunikativer Kompetenzen. Die Lehrkraft hat dabei die Funktion, den Unterricht zu initiieren, zu strukturieren, die laufenden Aktivitäten zu beobachten und bei auftretenden Problemen unterstützend einzugreifen. Konkret bedeutet dies:

Öffnen:

  • Die Erfahrungen und Interessen der Kinder werden aufgegriffen und einbezogen.
  • Die Kinder haben momentan die Grenze der Weiterentwicklung in bezug auf diesen Lerngegenstand erreicht.

Anleiten:

  • Die Lehrkraft gibt Hilfestellungen in Form von Strukturierung der Lernprozesse, medialen Hilfen und weiterführenden Inhalten.
  • Die Kinder verarbeiten die angebotenen Hilfestellungen der Lehrkraft, erweitern somit ihren Erfahrungshorizont und ihr Bewegungs- und Verhaltensrepertoire.

Darstellung der Bewegungsidee

Die technische Ausrüstung besteht aus:
  • einem abgedunkelten Raum
  • einer Leinwand (2 mal 4 Meter Nesselstoff oder Bettlaken, dabei sind die Ober- und Unterkanten an feste Holzleisten geheftet)
  • Lichtquellen: Diaprojektor, Overheadprojektor für schwarz-weiße Schatten, 2 – 3 farbige Lichtquellen (Scheinwerfer) für farbige Schatten mit mehreren Farbsäumen, Dimmer zur stärkeren, bzw. schwächeren Ausleuchtung der Leinwand
  • Requisiten: Bettlaken, Tücher, Hüte, Malerfolie

Zu Beginn der Unterrichtseinheit steht das Kennen lernen des Mediums Leinwand/ Scheinwerfer und seiner Wirkungsweisen im Mittelpunkt. In einer ersten Experimentierphase probieren die Kinder das neue Medium aus und erfahren dabei unmittelbar die Wirkung unterschiedlicher Personen, Positionen, Entfernungen zur Leinwand und zur Lichtquelle. Durch die Projektion des eigenen Schattens erleben sie sich einerseits in der Rolle des Akteurs sowie andererseits in der Rolle des Zuschauers. Das Publikum befindet sich vor der Leinwand und betrachtet aus dieser Sicht die Schatten der Mitspieler.

Ein bewusstes Erfahren der Wirkungsweisen des Mediums erfolgt anschließend über Spiele wie Personen, Stimmungen, Fortbewegungsarten oder Tätigkeiten erraten. Ebenso eröffnen sich Erfahrungsräume über gezieltes Ausprobieren unterschiedlicher Standorte (zwischen Leinwand und Lichtquelle), Formationen, z. B. Kreis, Gasse, Reihe neben- und hintereinander sowie isolierter Arm-, Hand-, Kopf- und Beinbewegungen.

Obwohl nur“ der Schatten der Person im zweidimensionalen Raum sichtbar ist, sind doch ihre typischen Körperhaltungen und Bewegungsmerkmale deutlich erkennbar.

Im weiteren Verlauf der Unterrichtseinheit werden die von den Kindern eingebrachten Themen Gespenster“, Roboter“, Einbrecher“ und Liebespaar“ einer entsprechenden Musik (s. Materialliste, Punkt 4) zugeordnet, in Kleingruppen ausgestaltet und anschließend dem Publikum (den jeweils anderen Kleingruppen) vorgestellt. Das Publikum hat dabei die Aufgabe, die Spielerinnen/Spieler nach zuvor gemeinsam erarbeiteten Kriterien zu beobachten. Als Kriterien dienen dabei:

  • Einsatz der Lichtquellen und des Dimmers
  • Beziehungen zwischen Bewegungen und Musik
  • Entfernung der Spielerinnen/Spieler zur Leinwand bzw. zur Lichtquelle

Die so gestalteten kurzen Szenen ergeben schon ein interessantes Programm, welches die Kinder für eine Weiterentwicklung des Schattentanzes im Hinblick auf eine Aufführung motiviert.

Weitere Themen werden nach dem oben bereits beschriebenen Prinzip Öffnen und Anleiten“ entwickelt, erprobt, ausdifferenziert und reflektiert. Sie werden an dieser Stelle lediglich als mögliche Anregungen aufgeführt.

  1. Improvisation nach einer Photo- und Musikvorlage:
    Die Spinne
    Eine sich entfaltende Blume
  2. Tanzimprovisation unter Einbeziehung eine Malerfolie
  3. Darstellung von Gedichten, z.B. Das Gewitter“ von Josef Guggenmos

Diese Unterrichtseinheit bietet in besonderem Maße die Möglichkeit, den Inhalt Schattentanz“ vorhabenorientiert bzw. projektorientiert umzusetzen. Im Rahmen des ganzheitlich ausgerichteten Themenkomplexes Schattentanz“ ergibt sich wie selbstverständlich die Einbeziehung, Erarbeitung und Ausgestaltung unterschiedlichster Lernaspekte aus verschiedenen Unterrichtsfächern. Beispielhaft seien hier neben dem Sportunterricht (s.o.) folgende genannt:

  • Zusammenhang von Licht und Schatten (Sachunterricht)
  • Szenische Erschließung und Ausgestaltung des Gedichtes von Guggenmos (Sprache)
  • Erkennen themenspezifischer Merkmale einzelner Musikbeispiele (Musik)
  • Erstellen und Gestalten von Einladungskarten und Plakaten für die Aufführung (Sprache und Kunst)

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Musikvorschläge für verschiedene Themen:

Die Gespenster Tänze für 1001 Nacht Ökotopia Verlag, Münster
Die Einbrecher Filmmusik zu dem Zeichentrickfilm Paulchen Panther“
Die Roboter CD Kraftwerk: The Mix
Das Liebespaar Filmmusik: Forrest Gump.
Die Spinne CD Kiko, C. H. Deuter Schroedel Verlag, Hannover
Die Blume CD Kiko, Pachelbel-Kanon Schroedel Verlag, Hannover
Tanzimprovisation CD Meer. Spezielle Entspannungsmusik. Martin Buntrock Mentalis Verlag
CD Pachelbel with ocean sounds. New age of classics.
Gedichte Das Gewitter begleitet mit entsprechenden Instrumenten.

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Literatur

Canacakis, Jorgos/Haehnel, Gerd u.a.: Wir spielen mit unseren Schatten. Ro Ro Ro Verlag
Haehnel, Gerd/Söll, Florian: Wege zum Menschenschattenspiel. Kaleidoskop Verlag
Bräutigam, L./Meyer, S.: Schattenspiele für die Grundschule. Donauwörth, Auer-Verlag
Beins, Hans-Jürgen: Kennt ihr es nicht, das Spiel mit dem Licht? In. PÜTZ, G./ Lensing-Conrady, R. u.a.: An Wunder glauben ..., Borgmann-Verlag

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Anna Beuting
Liboriusschule (Westfälische Schule für Körperbehinderte), Paderborn
Curriculumwerkstatt Detmold