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Bewegen an Geräten - Turnen

Rollen und Drehen an ausgewählten Stationen wagen – ein Beispiel zum verantwortungsbewussten Umgang mit risikobesetzten Situationen

Vorbemerkung

Das Erproben und Variieren von Bewegungsgrundtätigkeiten ermöglicht Kindern im Rahmen des Sportunterrichts eine Erweiterung ihrer elementaren Bewegungserfahrungen. Sie können so ihren Körper in unterschiedlichen Raumlagen und unter verschiedenen Raumbedingungen wahrnehmen, erfahren das eigene Körpergewicht in neuen Situationen und erweitern ihre Erfahrungen mit der Schwerkraft und dem Gleichgewicht (Lehrplan Sport Grundschule, 3.1.5).

Gleichzeitig erwerben Kinder in der Auseinandersetzung mit Bewegungsaufgaben an Geräten notwendige Kompetenzen und Sicherheit im Umgang mit Geräten, die für das selbstständige Gestalten von Bewegungssituationen oder Lerngelegenheiten eine wesentliche Bedeutung haben.

Die Vorerfahrungen der Kinder bezüglich verschiedener Roll- oder Drehbewegungen und ihre Kenntnis der ausgewählten Bewegungsstationen sind sehr unterschiedlich. So ist das Anspruchsniveau der Stationen so gewählt, dass zu ihrer Bewältigung eine gewisse Hemmschwelle überwunden werden muss – und dies gerade von Kindern ohne jegliche Vorerfahrungen mit den Bewegungsangeboten. So gilt es, die Bewegungsaufgaben zu verstehen, die eigenen Fähigkeiten in Hinblick auf die Bewältigung einzuschätzen und dann gegebenenfalls die Erprobung und Variation der Bewegung zu wagen. Dadurch entwickeln Kinder die notwendigen und grundlegenden Fähigkeiten für verantwortungsbewusste und individuelle Entscheidungen, aber auch für eine situationsgerechte Leistungseinschätzung.

Insofern erfolgt die Darstellung des nachfolgenden Beispiels zum Inhaltsbereich Bewegen an und mit Geräten - Turnen“ unter der pädagogischen Perspektive Etwas wagen und verantworten“ (vgl. Rahmenvorgaben Schulsport, 1.2).

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Darstellung der Bewegungsidee

Erste Öffnung des Unterrichts im Rahmen der Stationsarbeit

Im Unterricht (die hier dargestellten Beispiele lassen sich insbesondere in den Jahrgangsstufen 1 und 2 einsetzen) biete ich den Kindern häufig die Möglichkeit zur selbstständigen Auseinandersetzung mit vorgegebenen Bewegungsstationen, die ich unter verschiedenen Themenstellungen zusammenstelle. Diese Form des Unterrichts ermöglicht den Kindern ein großes Maß an Freiheit bezüglich der Bewegungsausführungen und der Entscheidung für oder gegen einzelne Stationen. Durch offene Aufgabenstellungen werden sie angeregt, ihre Entscheidungen selbstständig zu treffen. So können sie ein größeres Selbstvertrauen in ihre Leistungsfähigkeit entwickeln, vielfältige und individuelle Bewegungslösungen finden und zu einem verantwortungsbewussten Umgang mit für sie risikobesetzten Situationen geführt werden.

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Beispiel eines Stationsbetriebs zum Rollen und Drehen

Die folgenden Stationsabbildungen zum Thema Rollen und Drehen‘ benutze ich in der Regel als Aufbauhilfe. Häufig entferne ich die abgebildeten Kinder (z.B. mit Tipp-ex), bessere die Bilder nach und kopiere sie hoch auf die Größe DIN A 4. So entstehen Stationsabbildungen ohne Bewegungsvorschriften, die den Kindern die Entwicklung eigener Bewegungsvorstellungen erleichtern und sie nicht von vornherein auf eine vorgegebene Bewegungsidee einschränken.

Station1:
Station1
 

Station2:
Station2
 

Station3:
Station3
 

Station4:
Station4
 

Station5:
Station5
(alle Abbildungen sind entnommen: Deutscher Turner Bund (Hg.): Gerätlandschaften. DTB-Forum Gerätturnen Teil 7, Frankfurt 1998)

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Erste Erprobung

In einem ersten Zugang erproben die Kinder die Stationen mit folgender Aufgabenstellung: Probiert aus, wie ihr an den Stationen rollen oder drehen könnt!“ Damit wird die Voraussetzung für viele unterschiedliche und individuelle Lösungen in der Bewegungsausführung geschaffen. Die gefundenen Lösungen werden natürlich vorgestellt und von allen Kindern noch einmal in einer erneuten freien Phase nach Wahl erprobt.

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Die individuelle Befindlichkeit zur Bewegungskontrolle

Durch eine Ergänzung der Aufgabenstellung: Achtet einmal darauf, wie ihr euch fühlt!“ versuche ich das Augenmerk der Kinder auf ihre individuelle Befindlichkeit beim Bewegungsvollzug zu lenken. Im anschließenden Gespräch erzählen die Kinder von ihren Empfindungen: Mir wurde nach dem Rollen immer ganz schwindelig. Das ist aber eigentlich ein schönes Gefühl!“ oder Als ich an der Sprossenwand hochgelaufen bin und mich dann mit den Füßen abgedrückt habe, hatte ich einen Moment das Gefühl zu fliegen. Das war für mich erst ganz komisch, als ich auf einmal mit dem Kopf nach unten an der Holzstange hing!“ und Zuerst hab ich mich an den Ringen überhaupt nicht getraut. Aber dann hat Melanie mir geholfen.!“

Diese exemplarischen Aussagen verdeutlichen, dass die Kinder das Rollen und Drehen gerne ausführen – aber immer auch ihre eigenen Hemmungen und Ängste erkennen und überwinden müssen. Das gemeinsame Gespräch macht ihnen dabei deutlich, dass die Entscheidung zum Bewegungsvollzug nicht mal eben, aus dem Bauch heraus‘ getroffen wird. Es wird immer begleitet durch das Abwägen eines kleinen Risikos zwischen den Polen Tu ich es‘ oder Tu ich es nicht‘. Und dabei wird auch deutlich, dass die anderen Kindern ähnliche Empfindungen haben wie man selbst – aber unterschiedlich damit umgehen.

Und wenn dann die Entscheidung gegen den Bewegungsvollzug an einer Station fällt, entsteht auf Grund der angebotenen offenen Situation durch die Stationen kein Leistungsdruck – weder durch mich noch durch die anderen Kinder.

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Möglichkeiten zur Intensivierung der Erfahrungen

Durch zusätzliche oder ergänzende Bewegungsaufgaben können die Empfindungen aber auch die Leistungsgrenzen noch stärker herausgearbeitet werden:

  • Versucht, euch beim Rollen und Drehen einmal rückwärts zu bewegen!
  • Versucht, euch beim Rollen und Drehen ganz klein und dann ganz groß zu machen!
  • Versucht, mit einer Partnerin / einem Partner gleichzeitig zu rollen und zu drehen!
  • Versucht, während des Rollens und Drehens noch Gegenstände zu transportieren!
  • Versucht, während des Rollens und Drehens einmal die Augen zu schließen!
  • Versucht, so oft wie möglich zu rollen und zu drehen!
  • ...

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Fortführungen


Zusammenstellung der Stationen
 

Die Gesamtdarstellung zeigt, dass der Kreativität bei der Zusammenstellung von Stationsaufbauten fast keine Grenzen gesetzt sind. Sie können thematisch gebunden – etwa zum Balancieren – oder ungebunden – etwa mit Stationen zum Rollen, Balancieren, Klettern, Springen, ... – zusammengestellt werden.

Weitere Stationen und ausführliche Hinweise finden sich in der Broschüre DTB-Handbuch Teil 7 Gerätturnen, Hrsg.: Deutscher Turner Bund Gerätlandschaften, Frankfurt 1998.

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Rüdiger Bockhorst
Gemeindeunfallversicherungsverband Westfalen-Lippe, Münster
Curriculumwerkstatt Münster