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Bewegen an Geräten - Turnen

Robinson erkundet seine Insel

Einordnung dieser Bewegungsidee

Für den Sportunterricht in der Grundschule gilt die Prämisse, dass das praktische Tun beim Spielen und Bewegen immer im Vordergrund steht. Aber schon in der Grundschule muss berücksichtigt werden, dass das Bewegungshandeln auch einsichtsvoll verwirklicht wird. Es ist nämlich nicht bloße motorische Aktion, sondern immer auch gebunden an altersgemäße Verständigungs- und Einsichtsprozesse über Voraussetzungen und Wirkungen von Bewegungsaktivitäten, über normative Entscheidungen und die Bedeutung von Wertorientierung bei Bewegung, Spiel und Sport. (...)“ (Lehrplan Sport Grundschule, 2.4)

Unter Berücksichtigung dieser Aussagen zum Aspekt Erfahren und Begreifen‘ als Grundsatz der Unterrichtsgestaltung erfolgt die Erläuterung der folgenden Bewegungsidee. Bei der Umsetzung der Idee steht für mich der Aspekt im Vordergrund, dass die Kinder beim Erproben der selbsterstellten Stationen erfahren, dass die Bewältigung der unterschiedlichen Situationen nur dann für alle Kinder möglich ist, wenn sie sich gegenseitig mit ihren unterschiedlichen Interessen, Emotionen und Ängsten akzeptieren und dies zum Anlass nehmen, sich gegenseitig zu helfen und zu unterstützen. So ist eine enge Beziehung zur Pädagogischen Perspektive Kooperieren, wettkämpfen und sich verständigen‘ gegeben. (vgl. Rahmenvorgaben Schulsport,1.2)

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Grundlegende Anmerkung

Für die Umsetzung der Idee ist es notwendig, dass die Kinder grundlegende Bewegungserfahrungen beim Klettern, Schwingen, Hängen, Balancieren, Rollen, Springen und Stützen sammeln konnten. Nur so können sie angemessene Lösungen für die gestellten Bewegungsaufgaben finden, ihren Könnensstand erproben, festigen und erweitern. Darüber hinaus sollten sie mit dem selbstständigen Aufbau von Geräten und der Arbeit an Gerätestationen vertraut sein sowie erste Einsichten in einen verantwortungsvollen Umgang mit einer Partnerin/einem Partner gewonnen haben.

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Einstieg in den Unterricht

Bei der Vorstellung ihrer Lieblingsbücher im Sprachunterricht erzählte Michael eines Tages über seine Begegnung mit dem Buch Robinson Crusoe‘. Hier wurde deutlich, dass er es besonders spannend fand, eine einsame Insel zu erkunden und viele Abenteuer zu erleben. Einige andere Kinder der Klasse kannten die Geschichte auch – aber aus dem Fernsehen. Dieses Abenteuer weckte die Neugier und das Interesse aller Kinder. Sie wollten, dass aus dem Buch vorgelesen werden sollte. Bei mir entstand die Idee, diese Geschichte in die Sporthalle zu übertragen. Die Kinder waren begeistert und ließen sich auf meine Vorschläge ein. Für die Umsetzung in der Sporthalle sollte folgende Situation als Rahmenthema dienen:

Robinson strandet auf einer einsamen Insel, die vorher noch kein Mensch betreten hat. Um zu überleben benötigt er natürlich Essen und Trinken, eine Unterkunft und vieles mehr. So muss er sich zunächst auf den Weg machen und die Insel erkunden.

Wie muss die Insel aussehen, damit ihre Erkundung auch richtig spannend ist?“

Mit diesem Impuls entwickelten die Kinder mit meiner Hilfe (Vorschläge und Abbildungen zur Gestaltung der Abenteuersituationen) die folgenden acht Stationen, die passende Namen erhielten und die es dann zu bewältigen galt.

  1. Felsspalte
  2. Berg
  3. Steg am Berghang
  4. Brücke über den reißenden Fluss
  5. Mutsprung über den See
  6. Steg zwischen den Felswänden

Felsspalte Berg Steg am Berghang
1. Felsspalte 2. Berg 3. Steg am Berghang
Brücke Mutsprung Steg
4. Brücke über den reißenden Fluss 5. Mutsprung über den See 6. Steg zwischen den Felswänden

Nach der Erstellung der Gerätestationen erkundeten die Kinder ihre Insel und erprobten die Bewältigung der unterschiedlichen Abenteuer.

Dabei konnte ich schon während der ersten Bewegungsphase beobachten, dass für viele Kinder das Anforderungsniveau der Stationen sehr hoch war, so dass Unsicherheiten entstanden. Für einige Kinder stellte die Bewältigung der Aufgaben dagegen kaum Probleme dar. Diese Beobachtungen wurden in einem Gespräch verdeutlicht, in dem die Kinder ihre unterschiedlichen Hemmschwellen offen erläuterten.

In Anlehnung an die Geschichte von Robinson Crusoe gab Michael schnell den Hinweis, dass Robinson auf seiner Insel später eine Hilfe hatte: seinen Diener und Freund Freitag. Es ist doch kein Problem, wenn die Kinder, die keine Angst haben, den anderen bei schwierigen Situationen helfen! Anna-Lisa protestierte Warum nur die ? Weniger mutige Kinder können doch auch helfen! Diese Vorschläge wurden von allen akzeptiert, so dass für die folgende Erprobung gegenseitige Unterstützung und Hilfe vereinbart wurde. Darüber hinaus sollten die einzelnen Abenteuer mehrmals erprobt werden können ... weil es Spa macht und man dabei immer sicherer wird.

In der folgenden erneuten Auseinandersetzung wurde dieses Angebot vielfach genutzt. Bei der abschlieenden Besprechung wurde dies erkannt und hervorgehoben, dass jetzt alle Kinder mit Hilfestellung durch eine Freundin/einen Freund die Aufgaben bewältigen konnten. Sabine hat mir eine Hühnerleiter gemacht. So bin ich auch auf den Berg gekommen ! Malte ist mit mir zusammen in die Gletscherspalte hinabgerutscht. Deshalb hatte ich keine Angst mehr! Sandra hat mir beim Balancieren auf der Brücke die Hand gegeben und ich bin nicht mehr heruntergefallen! Beim Mutsprung konnte mir direkt keiner helfen. Ich habe mich aber getraut, als Lena einfach nur daneben stand!

Auf meine Frage, wie es denn mit der gegenseitigen Hilfe funktioniert hat, erläuterten die Kinder, dass sie manchmal jemanden gefragt haben, manchmal haben die Helfer aber auch gemerkt, dass jemand Hilfe benötigte und sie einfach angeboten.

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Ausblick

Auf Grund der groen Begeisterung bei der Bewältigung der Abenteuer und der Einsicht in die Notwendigkeit gegenseitiger Unterstützung wollten die Kinder schnell im Sprachunterricht eigene Geschichten erfinden, die dann ebenfalls in der Sporthalle umgesetzt werden sollten. Da einige Wochen vor der Durchführung der Unterrichtssequenz die Kinder an einem Erste Hilfe Kurs teilgenommen haben, fiel die Idee der Entwicklung eines Sanitäterpasses auf fruchtbaren Boden. Dazu wurden schlielich Stationen entwickelt, die einen Rettungseinsatz notwendig machten. Gerettet wurden dann je nach Situation Menschen oder Lebensmittel. Die folgenden Stationsnamen sollen einen ersten Eindruck der Weiterarbeit vermitteln: Bergung nach der berschwemmung, Rettung aus dem brennenden Dachgeschoss, Nachteinsatz der Sanitäter, Verletztentransport in schwierigem Gelände, Rettung von Lebensmitteln

 

Ulrike Dreischmeier
Grundschule Menninghüffen-Ost, Löhne
Curriculumwerkstatt Detmold