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Laufen, Springen, Werfen - Leichtathletik

Dauerlaufen in der Grundschule. Chancen für gesundheitlich bedeutsame Erfahrungen

1. Didaktische Grundlagen des Dauerlaufens mit Kindern im Grundschulalter

Längere Läufe sollen ein fester Bestandteil des Sportunterrichts in der Grundschule sein. In den Lehrplänen der verschiedenen Bundesländer ist als Ziel des Sportunterrichts festgelegt, dass Grundschulkinder von Beginn ihrer Schulzeit an "längere Läufe" herangeführt werden. Schon im ersten Schuljahr sollen Kinder zwischen 4 und 8 Minuten laufen können, gegen Ende der Grundschulzeit, so sehen es die Lehrpläne vor, soll ein Dauerlauf von bis zu 15 Minuten von allen bewältigt werden können.

Die in aller Regel praktizierte unterrichtliche Aufbereitung dieses Themas entspricht jedoch kaum der Bedeutung, die Dauerlaufen schon für Kinder in der Grundschule haben kann. In der Regel wird der Dauerlauf nämlich lediglich als einleitender Stundenteil, im Sinne einer Erwärmung, berücksichtigt. Bevor es mit der eigentlichen Sportstunde richtig losgeht, müssen die Kinder häufig erst einmal 5 Minuten lang durch die Halle laufen. Oder auf dem Sportplatz kann erst dann angefangen werden, wenn jeder eine Runde gelaufen hat.

So wird Dauerlaufen schon für Kinder in der Grundschule zu einem ungeliebten, weil in keinem konkreten Sinnzusammenhang stehenden Bestandteil vieler Sportstunden.

Vor dem Hintergrund aber, dass Dauerlaufen eine eigenständige, sinnvolle sportliche Betätigung auch im Sportunterricht ist, muss die unterrichtliche Aufarbeitung dieses Themas die bislang nebensächliche Funktion als Stundeneinleitung überwinden und Dauerlaufen als eigenständigen, für die Kinder bedeutsamen und mit wichtigen Erlebnisgehalten ausgestatteten Unterrichtsinhalt verstehen. Denn Dauerlaufen kann, richtig betrieben, schon in der Grundschule für die körperliche Gesundheit und für das seelische Wohlbefinden der Kinder eine große Bedeutung gewinnen. Schon in den ersten vier Jahren ihrer Schullaufbahn können Kinder positive Erfahrungen hinsichtlich ihrer Ausdauerfähigkeit und -leistung machen und auf der Grundlage ihrer Könnenserlebnisse und Körpererfahrungen auch weiterhin zum Dauerlaufen angeregt werden.

Positive Erfahrungen sicherzustellen und Könnenserlebnisse und Körpererfahrungen wirksam werden zu lassen, bedeutet, das Thema Dauerlaufen' für Kinder in der Grundschule sach- und adressatengerecht zu strukturieren. Die im folgenden aufgeführten Prämissen müssen dabei als grundlegende didaktische Orientierungspunkte bei der Anbahnung und Aufrechterhaltung einer positiven Einstellung zum Dauerlauf berücksichtigt werden.

Als grundlegende didaktische Prämisse ist die Tatsache anzusehen, dass Dauerlaufen ein eigenständiger Inhalt des Sportunterrichts (nicht nur) in der Grundschule ist.

Die organisatorischen Bedingungen sowie die pädagogischen Prämissen lassen es nicht zu, im Sinne einer Anpassung des Herz-Kreislauf-Systems in der Grundschule ein Ausdauertraining anzubieten. Vielmehr muss es darum gehen, durch vielfältige, die Laufmotivation der Kinder ansprechende Laufangebote zu einer Verbesserung der Laufkoordination zu gelangen. Dies ist die grundlegende Voraussetzung dafür, dass Grundschulkinder durch einen geringeren Energieaufwand länger laufen können (vgl. Brodtmann 1981, 25).

Ein ökonomisches, auf ein gleichmäßiges Lauftempo ausgerichtetes Laufverhalten, orientiert an den individuellen Möglichkeiten eines jeden einzelnen Kindes, kennzeichnet den richtigen Dauerlauf. Als Maßstab für die richtige Dosierung gilt die Forderung, sich beim Laufen mit den anderen Kindern unterhalten zu können (vgl. Brodtmann 1981, 25).

Beim Dauerlauf tritt an die Stelle des wettkampfgemäßen leichtathletischen Prinzips der Zeitminimierung (eine bestimmte Strecke so schnell wie möglich zurücklegen) die Zeitmaximierung (eine festgelegte Zeit lang laufen zu können, vielleicht auch etwas länger) können (vgl. Brodtmann 1981, 25).

Unter diesen didaktischen Prämissen erweist sich die Bedeutung des Dauerlaufens im Kontext einer gesundheitserzieherischen Perspektive des Schulsports. Denn es geht beim Dauerlaufen mit Kindern zuallererst um Gesundheitserziehung, nicht um aktuelle Gesundheitsförderung.“ Es geht darum, Schülern das Dauerlaufen so zu vermitteln, dass sie dabei begreifen und lernen, wie man mit Hilfe des Dauerlaufens Wohlbefinden erhalten, gewinnen, stabilisieren, erhöhen kann. Dauerlaufen ist dabei ... nicht nur ein Mittel, dem Muskelstoffwechsel, das Hormonsystem und andere Körperfunktionen zugeschrieben werden. Unter einem ganzheitlichen, auch seelische, soziale und ökologische Aspekte einschließenden Gesundheitsverständnisses ... (sind) mindestens ebenso wichtige Vorzüge des richtig betriebenen Dauerlaufs in den damit verbundenen Möglichkeiten zur psychischen Entspannung, zum geselligen Miteinander und zum intensiven Erleben der natürlichen Umwelt' zu sehen (Brodtmann 1988, 1).

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2. Ein Unterrichtsbeispiel: Dokumentation einer Unterrichtsreihe mit dem Thema Einführung In den Dauerlauf" In einem dritten Schuljahr

Im folgenden wird als Unterrichtsanregung eine Unterrichtsreihe dokumentiert, die in einer Klasse der 3. Jahrgangsstufe durchgeführt wurde. Die Kinder der Klasse sind zwischen 8 und 9 Jahre alt. Das Alter von zwei Schülern beträgt zum Zeitpunkt der Durchführung 11 Jahre.

Die Zielsetzung ist, dass die Schülerinnen und Schüler dieser Klasse durch Könnenserlebnisse und positive Erfahrungen zum Dauerlaufen angeregt werden. Dabei sollen sie unter Berücksichtigung der genannten didaktischen Prämissen zu einem angemessenen, auf die individuelle Person hin ausgerichteten Dauerlaufverhalten geführt werden. Als zeitlicher Orientierungspunkt gilt, dass jedes Kind mindestens so lange laufen kann, wie es alt ist, vielleicht sogar noch 5 Minuten länger. Diese Festlegung erfolgt zum einen aus motivationalen Gründen (Ich kann sogar so lange laufen, wie ich alt bin!“/Ich kann 1 (2, 3, 4 oder 5) Minute(n) länger laufen wie ich alt bin!“). Zum anderen berücksichtigt diese Zahl, dass die gegen Ende der Grundschulzeit im Durchschnitt 10- oder 11-jährigen Schülerinnen und Schüler entsprechend den Anforderungen der Richtlinien lernen, 15 Minuten lang laufen zu können.

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2.1 Das 1. Stundenthema: Erarbeitung der Kriterien eines richtigen Dauerlaufens

Der Beginn
Zu Beginn der Sportstunde stellt der Lehrer den Kindern der Klasse die Frage nach ihrem Kenntnisstand und ihren Erfahrungen im Bereich Dauerlaufen oder Joggen. Die Kinder nennen unterschiedliche Aspekte und Kriterien (Da muss man möglichst lange laufen."/Dabei braucht man nicht besonders schnell zu laufen.“/Auf dem Sportplatz kann man joggen, aber viele tun das auch auf der Straße oder im Wald."/Mein Vater hat richtige Schuhe, extra fürs Joggen!“/Das ist nicht so wie bei der Olympiade, denn beim Joggen braucht man nicht zu gewinnen.“). Wenige berichten auch über eigene Erfahrungen (Ich bin mal mit meinem Papa mitgelaufen, aber nicht lange.“/Manchmal machen wir das im Sportverein.").

Der erste Dauerlaufversuch
Der Lehrer erklärt den Kindern, dass in den nächsten 6 Wochen auch im Sportunterricht einmal versucht werden soll, wie man richtiges Dauerlaufen betreibt. Er stellt folgende Aufgabe: Ich bin gespannt, ob ihr das genauso könnt, wie ihr es beschrieben habt. Wer von euch kann 5 Minuten lang laufen, ohne eine Pause zu machen?"
In dieser Stunde wird in der Sporthalle gelaufen. Mit Hilfe von Markierungskegeln ist eine Rundstrecke markiert worden.
Die Kinder nehmen die Aufgabe mit Begeisterung auf (Ist doch ganz einfach!“/Ich kann doch viel länger als 5 Minuten!“). Doch schon nach wenigen Minuten zeigt sich, dass die gestellte Aufgabe die Kinder zu einem Großteil überfordert, weil sie kein angemessenes Dauerlaufverhalten zeigen.
Die meisten laufen viel zu schnell los, sind bald müde und setzen sich hin (Oh, ich kann nicht mehr.“). Andere sind am Anfang unterschiedlich schnell gelaufen. Jetzt gehen sie nur noch (Ich habe Seitenstiche.“). Nach 5 Minuten sind es nur ganz wenige, die noch keine Pause gemacht haben. Sie zählen zu den leistungsstarken Kindern, die auch im bisherigen Sportunterricht durch eine gut ausgeprägte allgemeine Ausdauer aufgefallen sind. Auch sie haben nicht das erforderliche Dauerlaufverhalten gezeigt.

Das klärende Unterrichtsgespräch: Erarbeitung von Regeln zum Dauerlauf
Der Lehrer unterbricht den ersten Dauerlaufversuch und versammelt alle Kinder an einem Plakat. In einem erarbeitenden Unterrichtsgespräch reflektiert er mit den Kindern das von ihnen gezeigte Laufverhalten. Als Ergebnis werden Unsere Regeln für richtiges Dauerlaufen" schriftlich festgehalten. Teilweise werden die Regeln von den Kindern genannt, teilweise erst mit Hilfe lenkender Impulse erarbeitet (z.B. Regel 2: (L): Peter hat vorhin 18 Runden geschafft, Sabrina nur 13. Aber ich behaupte, beide haben es richtig und gleich gut gemacht!“ (S): Ja, weil beide es geschafft haben, 5 Minuten lang zu laufen. Da ist es doch nicht wichtig, wer erster oder wer schnellster ist!" - z.B. Regel 4: (L): Mir hat beim Dauerlauf einmal ein Freund ganz lange erzählt, was er im Urlaub gemacht hat. Und ich habe ihm dann auch von meinem Urlaub erzählt.“ (S): Wenn man immer nach Luft schnappen muss, dann läuft man zu schnell, dann kann man sich auch nicht unterhalten“. (S): Mit Unterhalten macht das sicher auch mehr Spaß!" (S): Man muss beim Dauerlauf so laufen können, dass man sich auch noch unterhalten kann. Man kann ja auch Witze erzählen.“).

Dauerlaufregeln Plakat

Der zweite Dauerlaufversuch
Die auf dem Plakat festgehaltenen Dauerlauf-Regeln werden noch einmal vorgelesen. Die Kinder der Klasse versuchen in einem weiteren Versuch, sich an die Regeln zu halten. Dies gelingt zwar schon besser, aber immer noch nicht im erforderlichen Maße. Immerhin schaffen nun schon mehr Kinder, die 5 Minuten lang zu laufen. In dieser Phase beobachtet der Lehrer die Kinder und weist sie immer wieder auf die Regeln hin.

Das abschließende Unterrichtsgespräch
Nach dem zweiten Dauerlaufversuch versammelt der Lehrer noch einmal die Kinder am Regel-Plakat und lässt sie über ihr Laufverhalten reflektieren. Am Ende des Gesprächs nennt er das Ziel, dass die Kinder am Ende der Unterrichtsreihe erreichen sollen: Wir werden auch in den nächsten Stunden noch joggen. Und jeder von euch sollte es dann in der letzten Stunde schaffen, so lange laufen zu können, wie er alt ist. Und wer das schafft, versucht dann, noch einmal 5 Minuten mehr zu schaffen." Die Kinder der Klasse nehmen diese Zielsetzung gerne auf (Mensch, dann muss ich ja neun Minuten lang laufen, und wenn ich sehr gut bin, dann sogar 14 Minuten."/ Und Achmet muss 11 Minuten laufen. Schaffst du auch 16 Minuten?“).

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2.2 Das 2. Stundenthema:

  • Festlegung eines Dauerlaufparcours" auf dem Schulhof
  • weiteres Festigen des Laufens nach den Regeln für richtiges Dauerlaufen"

Der Beginn
Die Kinder der Klasse beginnen die Stunde wie gewohnt mit einer freien Bewegungsphase in der Sporthalle. Der Lehrer ruft sie anschließend in der Hallenmitte zusammen und greift als einleitenden Impuls eine Schüleräußerung aus der vorangegangenen Stunde auf. Als wir uns zu Beginn unserer letzten Stunde über das Dauerlaufen unterhalten haben, habt ihr auch gesagt, dass ihr das vom Sportplatz, vom Park und von der Straße her kennt. Und wir machen Dauerlaufen in der Halle!“ Die Kinder greifen diese Äußerung sofort auf und schlagen vor, doch zum Sportplatz zu gehen oder in den Nienhauser Park', denn da gibt es viele Laufwege! Der Lehrer bestätigt diese Aussagen, weist aber darauf hin, dass innerhalb einer Unterrichtsstunde der Weg zu viel Zeit in Anspruch nehmen würde. (S): Wir können doch auch auf dem Schulhof laufen und uns dort eine Strecke aussuchen!'

Entdecken von Laufmöglichkeiten und -strecken auf dem Schulhof
Die Kinder der Klasse greifen den Hinweis ihres Mitschülers auf. Zusammen mit dem Lehrer verlassen sie die Sporthalle. Auf dem Schulhof werden mit Hilfe natürlicher Orientierungspunkte (Bäume, Bänke, Balancierstangen) und mit Markierungshütchen der Laufparcours festgelegt.

Dauerlaufstrecken auf den Schulhof

5-Minuten-Dauerlauf unter Berücksichtigung der Dauerlauf-Regeln
In der folgenden Unterrichtsphase erproben die Kinder ihre Laufstrecke. Vor Beginn des 5-Minuten-Dauerlaufs werden noch einmal die Laufregeln wiederholt. Weit mehr als die Hälfte der Klasse ist nun schon in der Lage, die Laufregeln einzuhalten. Der Lehrer bemerkt zudem, dass der Dauerlauf mittlerweile wohl auch schon etwas zur Gewohnheit geworden ist, denn die Kinder beginnen mehr und mehr, sich während des Laufens zu unterhalten, ohne dabei ihren Laufrhythmus zu verlieren.

Das abschließende Unterrichtsgespräch
Im abschließenden Unterrichtsgespräch reflektiert der Lehrer wieder zusammen mit den Kindern das gezeigte Laufverhalten. Er ruft einzeln die aufgestellten Regeln auf und fragt die Schülerinnen und Schüler nach ihren Erfahrungen.

Regel 1: Ich bin am Anfang zu schnell losgelaufen, und als ich nicht mehr so richtig konnte, habe ich leichte Seitenstiche bekommen. Aber die sind dann, als ich langsamer gelaufen bin, wieder weggegangen.“

Regel 2: Der Tim hat, glaube ich, eine ganze Runde mehr geschafft als ich, aber ich bin auch die ganze Zeit gelaufen, und das ist doch wichtig, oder?"

Regel 3: Mir macht das gar nichts aus, wenn mich einer überholt, denn so schnell kann ich ja nicht laufen!“ (eine adipöse Schülerin).

Regel 4: Martina hat mir beim Laufen von der Geburtstagsfete ihrer kleinen Schwester gestern erzählt.“/Der Frank hat die ganze Zeit An der Nordseeküste' gesungen, aber immer nur den Refrain. Da hab' ich ihn gefragt, ob er den anderen Text nicht kennt.“

Regel 5: Ich hatte noch genug Puste, ich konnte noch weiterlaufen.“/Ich auch.“/Ich auch. Wann laufen wir denn endlich die 8 Minuten, die wir laufen müssen?“

Im weiteren Verlauf des Unterrichtsgesprächs verbalisieren die Kinder auch die positiven Erfahrungen, die sie beim Dauerlauf auf dem Schulhof gemacht haben (Da konnte man viel besser Luft kriegen."/Das hat viel mehr Spaß gemacht, weil man manchmal auch richtig den Wind spürt.“/Das ist nicht so langweilig wie in der Halle, immer im gleichen Kreis laufen.")

Der Ausblick auf die nächste Unterrichtsstunde
Der Lehrer greift zum Schluss noch einmal den .Wunsch der Kinder auf, nun doch endlich mal 8 Minuten und auch noch 5 Minuten länger zu laufen. Er erläutert sein Vorhaben für die nächsten 3 Sportstunden: In der nächsten Stunde werden wir insgesamt 14 Minuten laufen, aber noch mit Erholungspausen. Und in den folgenden zwei Unterrichtsstunden werden die Erholungspausen immer kürzer.“

des Gesprächs nennt er das Ziel, dass die Kinder am Ende der Unterrichtsreihe erreichen sollen: Wir werden auch in den nächsten Stunden noch joggen. Und jeder von euch sollte es dann in der letzten Stunde schaffen, so lange laufen zu können, wie er alt ist. Und wer das schafft, versucht dann, noch einmal 5 Minuten mehr zu schaffen." Die Kinder der Klasse nehmen diese Zielsetzung gerne auf (Mensch, dann muss ich ja neun Minuten lang laufen, und wenn ich sehr gut bin, dann sogar 14 Minuten."/ Und Achmet muss 11 Minuten laufen. Schaffst du auch 16 Minuten?“).

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2.3 Das 3. Stundenthema: Der 14-Minuten-Lauf mit drei Pausen von 60 Sekunden

Der 14-Minuten-Lauf mit drei Pausen von 60 Sekunden hat folgende Struktur:
5 Minuten Dauerlauf – 60 Sekunden Pause
4 Minuten Dauerlauf – 60 Sekunden Pause
3 Minuten Dauerlauf – 60 Sekunden Pause
2 Minuten Dauerlauf

Bei der Durchführung, die jeweils nach dem Aufbau des Laufparcours auf dem Schulhof erfolgt, üben die Kinder der Klasse ihr Laufverhalten entsprechend den aufgestellten Laufregeln ein. Die nächsten zwei Stunden folgen dem gleichen Muster.

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2.4 Das 4. Stundenthema: Der 14-Minuten-Lauf mit drei Pausen von 30 Sekunden

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2.5 Das 5. Stundenthema: Der 14-Minuten-Lauf mit drei Pausen von 15 Sekunden

Das Laufverhalten der Kinder hat sich von Stunde zu Stunde verbessert. Mittlerweile haben alle Kinder ihr individuelles Lauftempo gefunden. Mit der wachsenden Gewohnheit beim Dauerlaufen ist im Verhalten der Kinder auch deutlich zu erkennen, daß sich fast alle beim Laufen durchgehend oder teilweise unterhalten. Mittlerweile haben sich sogar kleine Laufgruppen gebildet, in denen alle Kinder das gleiche Lauftempo haben. Eine Jungengruppe singt während des Laufens nun immer An der Nordseeküste‘.

Veränderungen haben sich auch in der sozialen Struktur der Klasse ergeben, wenn auch wahrscheinlich nur für eine kurze Zeit oder nur für die Dauerlaufstunde. Feste Freundesgruppen sind beim Dauerlaufen teilweise aufgelöst worden, da sich das Zusammenfinden mit einem oder mehreren Partnern mehr nach dem individuellen Lauftempo ausrichtet. Ein Schüler, der noch in den ersten Stunden sehr schnell gelaufen ist, dabei aber allein lief, hat wohl den Wunsch, schnellster zu sein, aufgegeben und sich einer Gruppe von Kindern angeschlossen, die langsamer laufen als er. Auch andere Kinder versuchen nun nicht mehr, in der verlangten Zeit möglichst schnell zu laufen und viele Runden zu schaffen. Niemand berichtet nach dem Lauf von der Zahl der Runden, die er geschafft hat. Dies hat Auswirkungen insofern, dass alle Kinder das Ziel, sich beim Dauerlaufen nicht völlig auszugeben, sondern durchaus noch etwas länger laufen zu können, erreicht haben.

Die Hoffnung des Lehrers, dass die Laufmotivation durchgehend erhalten bleibt, erweist sich als richtig. Durch die Aufgabenstellung (Die Pausen werden immer kürzer!") gibt es für die Kinder immer eine neue Herausforderung. Und über dieser Herausforderung steht der Wunsch, das eingangs der Unterrichtsreihe aufgestellte Ziel zu erreichen, so lange laufen zu können wie man alt ist, vielleicht sogar noch 5 Minuten länger. Einige Kinder haben sogar in ihrer Freizeit trainiert (Ich hab' die acht Minuten gestern schon einmal geschafft. In der nächsten Stunde werden Sie staunen!"/Ich hab das von der letzten Stunde mit den 30 Sekunden Pause in der Woche schon zweimal bei uns auf der Straße gemacht."/Vor der nächsten Stunde, wenn wir ohne Pause laufen, werde ich auch noch einmal trainieren."). Ein weiteres Indiz für die hohe Laufmotivation ist zu erkennen, wenn sich die Kinder in der Pause nach der nächsten Dauerlaufstunde erkundigen und die Antwort freudestrahlend ihren Mitschülerinnen und -schülern mitteilen.

In dieser Stunde versucht ungefähr die Hälfte der Kinder, die ersten 5 und 4 Minuten einschließlich der 15 Sekunden Pause durchzulaufen. Bis auf zwei Kinder (Beim nächsten Mal klappt das eben!“) schaffen es alle (Dann kann ich ja in der nächsten Woche auch versuchen, 5 Minuten noch länger zu laufen."). Die anderen Kinder haben sich entschlossen, die heutige Stunde als letztes Training anzusehen (Dann schaffe ich das beim nächsten Mal sicher ohne Pause.").

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2.6 Das 6. Stundenthema: Der 14-Minuten-Lauf ohne Pause

Der Beginn
Das Aufbauen des Laufparcours zählt mittlerweile schon zur Routine. Die Kinder sind heute merklich nervös. Der Lehrer erläutert noch einmal die Aufgabenstellung und nennt das Ziel für die 8-, 9und 11-jährigen Schüler. Er verweist auf die Möglichkeit, noch 5 Minuten länger zu laufen, wenn man noch kann. Als zeitlicher Orientierungspunkt wird den Kindern mit Hilfe von Zahlenkarten die gelaufene Zeit in Minuten angegeben.

Die Ergebnisse:
Bis auf zwei Kinder der Klasse schaffen es alle, nicht nur die geforderte Zeit entsprechend ihres Lebensalters zu laufen, sondern auch noch die zusätzlichen 5 Minuten. Nur zwei Mädchen machen nach 8 bzw. 9 Minuten Schluss. Das eine Mädchen ist die adipöse Schülerin (Ich finde das gut, dass ich überhaupt das geschafft habe!"), während das andere Mädchen zu den bewegungsschwachen Kindern zählt (Ich wollte auch nur die 9 Minuten schaffen!“). Bei allen anderen Kindern herrscht große Begeisterung vor und ein Bild des Jubels bestimmt den Schulhof. Die Kinder, die zusammen gelaufen sind, fallen sich in den Arm oder strecken den Arm zum Zeichen des Triumphes in die Luft. Die beiden 11-jährigen Jungen sind währenddessen noch unterwegs. Nach einer Minute, nachdem sich der erste Jubel gelegt hat, feuern alle Kinder die beiden Läufer noch an. Und als sie es auch geschafft haben, stürzen sich fast alle auf sie zu und umarmen sie.

3. Perspektiven zur weiteren unterrichtlichen Thematisierung des Dauerlaufens mit den Kindern dieser Klasse

Angeregt durch die positiven Erfahrungen auf der Seite der Kinder der Klasse und des Lehrers, die bei der Durchführung dieser Unterrichtsreihe gemacht worden sind, werden im folgenden die danach entwickelten Perspektiven zur weiteren unterrichtlichen Thematisierung des Dauerlaufens (nicht nur) für die Kinder dieser Klasse aufgezeigt.

  • Entwicklung einer Laufurkunde, eines Laufabzeichens oder ähnlichem, um den Kindern ein über ihre Könnenserlebnisse und weiteren positiven Erfahrungen hinausgehendes sichtbares Zeichen ihrer Leistung zu geben.
  • Berücksichtigung des Dauerlaufs als Inhalt von Schulwanderungen und Schulfahrten (z.B. Schullandheimaufenthalt) unter zusätzlichen didaktischen Perspektiven (z.B. die Umwelt laufend erfahren).
  • Anlegen einer Laufkarte des Schulbezirks, in dem die Kinder wohnen; Erkunden und Festhalten von geeigneten Laufwegen, um die entstandene Motivation zum Dauerlauf auch für den außerunterrichtlichen Bereich aufrechtzuerhalten.
  • Erstellen von Unterrichtsunterlagen als Anregungen für alle Kolleginnen und Kollegen der Schule, um den Dauerlauf zum festen Bestandteil des Unterrichts in den Klassen aller Jahrgangsstufen zu machen.

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Literatur

Brodtmann, D.: Laufausdauer trainieren. In: Zeitschrift ‘sportpädagogik’ 5 (1981) 5, 15 - 16.
Brodtmann, D.: Dauerlaufen mit Schülern als Beitrag zur Gesundheitserziehung. Unveröffentlichtes Manuskript zum Arbeitskreis Laufen - Körper und Umwelt im Laufen erfahren" anlässlich der Auftaktveranstaltung zur Initiative des Kultusministers NRW und der AOK NRW zur Gesundheitserziehung in der Schule durch Sport» am 29. g. 1988 in Wuppertal.

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Rüdiger Klupsch-Sahlmann
Gemeinschaftsgrundschule an der Beckeradstraße, Gelsenkirchen
Curriculumwerkstatt Münster
 

Quelle: Dieser Beitrag erschien im Original unter dem gleichen Titel in der Zeitschrift Sportunterricht 37 (1988) 12,