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Den Körper wahrnehmen und Bewegungsfähigkeiten ausprägen

Balance auf dem Rola-Bola

Vorbemerkung

Das Rola-Bola ist ein einfach herzustellendes Balanciergerät mit hohem Aufforderungscharakter für Grundschulkinder. Schon nach einer kurzen Einweisung entwickeln sie erstaunliche Bewegungssicherheit und bewältigen ein breites Spektrum an Bewegungsaufgaben.

In diesem Zusammenhang geht es zunächst um elementare Erfahrungen wie zum Beispiel die Verbesserung der Wahrnehmungsfähigkeit, das Zusammenspiel der Sinne und die Stabilisierung koordinativer Fähigkeiten. Die Mädchen und Jungen spüren Entspannung und Anspannung, nehmen die Reaktionen des Körpers bewusster wahr und lernen die Eigenarten des Materials kennen (vgl. Lehrplan Sport Grundschule, 3.1.1). In der Phase des Kennenlernens dieses weitgehend unbekannten Bewegungsgerätes halten die Kinder das Gleichgewicht auf einem beweglichen Untergrund. Anschließend erfinden sie erste Kunststücke, üben und gestalten sie und prägen sie zu kleinen Vorführungen aus. Durch die Hinzunahme von Handgeräten wie Reifen, Bällen, Jonglagematerialien und andere werde neue Bewegungsanreize gesetzt. Dabei können die Kinder den Schwierigkeitsgrad selbst bestimmen. Sie üben auch zusammen mit einer Partnerin oder einem Partner und führen zum Schluss ihre Kunststücke der Klasse, den Eltern oder der Schulgemeinde auf einer Schulfeier vor.

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Anmerkungen

Darstellung der Bewegungsidee

Grundsätzliche

Es gibt zwei didaktisch begründete Wege zum Erwerb der Balancierfähigkeit auf dem Rola-Bola. Im Rahmen einer offenen Herangehensweise machen die Kinder selbst Erfahrungen und entwickeln ihre Fähigkeiten. Die Lehrkraft berät, hilft weiter und gibt Tipps.

Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass konkrete methodische Schritte vorgegeben werden, weil die Kinder so die ersten Schwierigkeiten schneller überwinden können. Dann können sie selbständig weiter üben und ihren Bewegungsideen nachgehen.

Für welche Kinder die eine oder die andere Vorgehensweise passend ist, hängt immer von den konkreten Voraussetzungen der Mädchen und Jungen ab, für die man den Unterricht inszeniert. Manchmal ist es sinnvoll, die offene Herangehensweise zu wählen. Dann sollte aber auf die Sicherheitsregeln hingewiesen werden. Für andere Kinder, die mit rollenden Geräten unerfahren sind, kann die Lehrkraft auch eine gezielte Einweisung vornehmen und konkrete Bewegungsanweisungen stellen.

Stehen nicht genügend Rola-Bolas für jedes Kind zur Verfügung, bietet sich die Möglichkeit von Partnerarbeit/Kleingruppenarbeit an, um über die bewegungsbezogenen Hilfen auch soziale Lernprozesse zu initiieren. Darüber hinaus ist es auch möglich, einen Teil der Klasse mit Pedalos üben zu lassen oder ihnen Bewegungsaufgaben mit Jonglierrequisiten zu stellen.

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Einstieg in den Unterricht

Die Kinder sind in aller Regel stark motiviert, das Rola-Bola auszuprobieren. Die Motivation kann noch verstärkt werden, wenn man ihnen die Möglichkeiten dieses Gerätes demonstriert (z.B. in Kombination mit Jonglage) und mit ihnen über die Möglichkeit einer Vorführung spricht.

Gerade während des Einstiegs in das Bewegen mit dem Rola-Bola ist es von besonderer Bedeutung, dass die Kinder über den sicheren Umgang mit dem unbekannten Bewegungsgerät informiert werden und die Notwendigkeit der Einhaltung der Sicherheitshinweise hingewiesen wird:

  • Sicherheitsabstand von 1,50 m zu den nächsten Kindern
  • ausreichend Bewegungsraum
  • Hilfestellung nur von vorn und von hinten
  • kein Aufenthalt neben dem Übenden
  • Benutzung von Turnschuhen
  • rutschhemmender Untergrund
  • kein Absprung vom Brett)
  • ...

Der Lehrer kann gegebenenfalls auch mögliche Gefahren demonstrieren: Er kann zum Beispiel das Brett beim schnellen Abgang oder beim Sturz zur Seite wegschießen‘, um auf die Verletzungsgefahr für andere hinzuweisen.

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Methodische Anregungen

Die Kinder legen ihre Rola-Bolas vor eine Sprossenwand, vor einen Barren, ... und halten sich an der Sprosse, am Barrenholm, ... fest. Sie machen ihre ersten Erfahrungen, wie das Brett auf Körperbewegungen reagiert. Dabei werden sie merken, gegebenenfalls auch durch einen Impuls durch die Lehrkraft darauf aufmerksam gemacht, dass es mit leicht gebeugten Beinen und lockeren Knien einfacher geht, die Ausgleichsbewegungen zu machen. Sie probieren aus, den Oberkörper senkrecht zu halten, den Griff am Barren oder Sprossenwand zu lockern, geradeaus zu schauen und die Ausgleichsbewegungen bewusst mit den Beinen zu steuern.

Nun lernen sie, kontrolliert auf- und abzusteigen. Beim Aufstieg ruht das Körpergewicht auf dem unteren Fuß, der zweite Fuß wird auf das hochstehende Brettende gestellt (etwa schulterbreit). Das Gewicht wird nun langsam auf den zweiten Fuß verlagert, bis das Brett sich waagerecht stellt. Oft wird dabei der Oberkörper benutzt und nicht die Beine. Beim Abstieg muss das Gewicht bewusst auf einen Fuß gelegt werden, so dass das Brett den Boden berührt.

Viele Kinder machen die Ausgleichsbewegung vom Oberkörper her, nehmen die Arme zu Hilfe und verkrampfen. Deswegen stellt sich der Lehrer hinter das Kind und hält mit beiden Händen die Hüften des Kindes fest (Hüftstabilisierung). Das Kind kann nun Arme und Schultern locker lassen und sich ganz auf die Ausgleichsbewegungen der Beine konzentrieren.

Während nun die Klasse an Sprossenwänden und Barren übt, kann der Lehrer einzelne Kinder allein betreuen. Er stellt sich vor das Brett, das Kind hält sich an den angewinkelten Unterarmen des Lehrers fest. Die Kinder erfahren, dass sie am ehesten den Griff lösen können, wenn sie sich nicht aufstützen, die Ausgleichsbewegung nur von den Beinen her machen, den Oberkörper locker lassen und sich mit ihrem Blick irgendwo geradeaus festhalten“.

Manche Kinder können schon nach kurzer Zeit (10 Minuten) schon allein ohne Hilfestellung durch den Lehrer oder Sprossenwand frei üben. Sie sollen Verkrampfungen lösen, den Blick nach vorn richten und langsam mit dem Gerät verwachsen“, so dass das Gleichgewicht automatisch gehalten wird. Folgende Aufgaben unterstützen diese Absicht:

  • Blicke geradeaus und halte dich an einem Punkt an der gegenüberliegenden Wand fest!
  • Schaue dich in der Turnhalle um! Was siehst du?
  • Welche Farbe hat das T-Shirt von Tobias?
  • Zähle, wieviel Sekunden du auf dem Rola-Bola stehen kannst!
  • Erzähle mir einen Witz!
  • ...

Als letzten Schritt sollen die Kinder die Arme unabhängig von den der Beine bewegen können. Dies ist eine Voraussetzung, damit sie komplexere Kunststücke entwickeln können. Dazu kann man sich witzige Spielformen ausdenken wie zum Beispiel:

  • Mache langsame und schnelle Bewegungen!
  • Zeige jemand einen Vogel und mache eine lange Nase!
  • Zeige einem anderen Kind pantomimisch eine Bewegungsform, die es erkennen muss.
  • ...

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Kunststücke erfinden, üben, gestalten und vorführen

Kunststücke zu erfinden, sie einzuüben, sie zu gestalten und gegebenenfalls vorzuführen, hat konkret auch etwas damit zu tun, eine erarbeitete Bewegungssicherheit weiter auszuprägen und sie in anderen, auch komplexeren Bewegungsanforderungen neu zu erproben. In diesem Zusammenhang entstehen Beziehungen zu Zielsetzungen und Aufgabenschwerpunkten, die auch dem Inhaltsbereich Gestalten, Tanzen, Darstellen – Gymnastik/Tanz, Bewegungskünste‘ zuzuordnen sind.

Die Kinder sind nun so weit, dass sie auch komplexere Kunststücke auf dem Rola-Bola selbst erfinden und üben können. Man bietet ihnen eine Auswahl von Materialien an, die sie zu kreativen Bewegungsformen herausfordern:

  • gymnastische Handgeräte wie Bohnensäckchen, Holzkeulen;
  • typische Jonglierrequisiten wie Jongliertücher, -bälle, Ringe, Keulen, Teller, Diabolos;
  • verschiedene Ballsorten wie Schlagbälle, Noppenbälle, Gymnastikbälle;
  • Geräte zum Balancieren auf den Händen wie Pfauenfedern, Gymnastikstäbe;
  • Gymnastikreifen, Hula-Hoop-Reifen.
  • ...

Die Lehrkraft unterstützt die Kinder beim Erfinden und Ausprobieren, gibt Tipps zum konzentrierten Üben und hilft bei der Erarbeitung einer ersten Nummer“. Zusammen wird überlegt, wie man beginnt, wie man aufhört und auch, wie man Pausen integriert, weil man ja noch nicht so lange sicher das Gleichgewicht halten kann. Werden mehrere Tricks beherrscht, kann eine Reihenfolge erarbeitet werden.

Wichtig ist auch die Arbeit mit einer Partnerin/einem Partner oder in der Gruppe. Kinder, die noch nicht so sicher sind, können an einer Nummer mitmachen, in dem sie den Künstler unterstützen (z.B. Jonglierteller anreichen, ...). Dieser Unterrichtsteil sollte der zeitliche umfangreichste sein. Am Ende einer einzelnen Stunde kann dann schon eine Vorführung der erarbeiteten Nummern stehen.

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Einfache Tricks auf dem Rola-Bola

Wenn die Kinder sicher das Gleichgewicht halten können, kann man die Bewegungsmöglichkeiten durch Tricks erweitern:

  • Gegenstände vom Boden aufheben (In der Hocke ist es sehr schwierig, das Gleichgewicht zu halten. Hilfestellung erfolgt von hinten.)
  • Mit gestreckten Beinen balancieren. (Der Ausgleich erfolgt dann nur von der Hüfte aus.)
  • Sprung auf das Brett (Das Kind hält das Brett auf der Rolle mit den Händen fest und springt dann auf das Brett. Hilfestellung erfolgt von vorn.)
  • Durch einen Gymnastikring steigen (Er wird unter dem Fuß durchgeschoben, um den Körper geführt und unter dem anderen Fuß wieder herausgeschoben.)
  • Skateboard fahren (Die Füße werden in Längsrichtung des Brettes gestellt, was die Gleichgewichtssituation völlig verändert.)
  • Mit einem Partner auf dem Brett stehen (Die Partner stehen hintereinander.)
  • Das Rola-Bola auf eine erhöhte Position legen, z.B. Tisch, Kastenoberteil (Die Nummer bekommt einen deutlicheren circensischen Charakter).
  • Auf dem Brett Kleidungsstücke ausziehen.
  • ...

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Die Aufführung

Am Ende der Unterrichtsreihe sollte eine Aufführung stehen, z.B. auf einem Klassenfest vor Eltern, vor Schülerinnen und Schülern anderer Klassen, auf Schulfesten, Schulfeiern zur Einschulung oder zur Verabschiedung von Lehrkräften und Klassen. Eine Aufführung fördert die Übungsmotivation erheblich. Auch Kinder, die keine eigenen Kunststücke vorführen möchten, können als Bühnenarbeiter, Musiktechniker, Hilfestellung, Kartenkontrolleure, Ansager usw. integriert werden, so dass die Aufführung die Leistung aller Kinder präsentiert und dokumentiert.

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Bauanleitung

Rola-Bolas sind im Jongliergeschäft sehr teuer (ab 120 DM). Beim Selbstbau kosten sie je nach Dekorationsaufwand zwischen 10 und 15 DM. Man benötigt ein Brett aus massivem Holz oder Sperrholz von ca. 60 cm Länge und 30 cm Breite (Dicke ca. 1,5 cm). Zwei Holzleisten werden an der Unterseite des Brettes am Rand als Stoppleiste angebracht. Die Rolle kann aus Pappe (z.B. Teppich- und Zeitungsrolle) bestehen und sollte ca. 35 cm lang sein (Durchmesser ca. 12 cm). Durch längere Bretter (bis 80 cm) und durch Rollen mit geringerem Durchmesser kann man es Anfängern leichter machen. Die Bretter kann man streichen oder mit schwarzer und glitzernder Folie beziehen.

Literatur

Erlacher, Kerstin: Jonglierbuch für Kinder, Ravensburg 1996
Oberschachtsiek, Bernd: Balance auf dem Rola-Bola, in: Zeitschrift ‘sportpädagogik’ 21 (1997) 2 27 – 30 (dort auch eine ausführliche Bauanleitung mit detaillierten Maßen)

Bernd Oberschachtsiek
Grundschule Kirchheide, Lemgo
Curriculumwerkstatt Detmold