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Leistungskurs Sport

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Vom Sportartenkurs zum Unterrichtskonzept - Die Genese des Leistungsfaches Sport in NRW

In der Wahrnehmung vieler war und ist das Leistungsfach Sport eine Art Nachfolger der ehemaligen Sportgymnasien, nämlich ein Platz für junge Leistungssportlerinnen und -sportler. Im Jahr des "Olympiaschocks" über die Erfolge der aus den Kinder- und Jugendsportschulen hervorgegangenen DDR-Athleten in München geboren, sollte es dort offenbar vor allem um das Erreichen und Honorieren guter sportartspezifischer Leistungen gehen, ergänzt um einen an den sportwissenschaftlichen Seminaren der Universität orientierten zusätzlichen Theorieanteil.

Eine ähnliche Wahrnehmung galt anfangs ohne Frage auch an den Schulen selbst. Das wurde nicht zuletzt durch die Organisationsform des Leistungskurses (Sportartenkurse + Sporttheorie) nahe gelegt. In NRW bestand der Leistungskurs Sport für die einzelne Schülerin bzw. den einzelnen Schüler anfangs aus drei jeweils individuell gewählten Teilkursen :

  • einer durchgängig zu belegenden Schwerpunktsportart (2stündig)
  • einer wechselnden Ergänzungssport (2stündig) und
  • einem 2stündigen "Fach" (sic!) Sporttheorie.

Die Tabellenwerke für den praktischen Prüfungsteil im Abitur (älteren Lehrkräften sicher noch als "Papageienbuch" bekannt) taten ihren Teil dazu. Der bezeichnenderweise allseits (und oft eher abfällig) gebrauchte Name "Sportabitur" spricht ebenfalls für sich.

Daran änderte sich Anfang der 80er Jahre mit dem Band V der Richtlinien und Lehrpläne Sport (Sport - Gymnasiale Oberstufe) leider nur wenig, obwohl dieser Lehrplan bereits eindeutig den Weg zu einem zeitgemäßen sportpädagogischen Verständnis wies. An die Stelle der Sportartenkurse mit dem zusätzlichen Kurs "Allgemeine Sporttheorie" sollte ein geschlossenes Unterrichtskonzept treten, in dem die verbindliche organisatorische und möglichst auch inhaltliche Anbindung des Unterrichts im Klassenraum an den Bereich der Ergänzungssportarten (4:2-Modell) gefordert und eindeutig das 6:0-Modell favorisiert wurde. Möglichst sollte von einer Lehrkraft ein geschlossener Kurs bis zum Abitur geführt werden. Dennoch führte die grundsätzliche Beibehaltung der Kurseinrichtung und -struktur (Sportartenkurse und Theorieunterricht) dazu, dass der 1981 eingeschlagene Weg zu einer deutlicheren Theorie-Praxis-Verknüpfung und damit zu einem an Themen orientierten Kursverlauf zu wenig wahrgenommen worden ist. Einer umfassenden fachdidaktischen Neuorientierung (einschließlich der Öffnung des Leistungsfaches Sport für einen neuen Interessentenkreis) hat zudem sicher auch geschadet, dass die Art der Prüfungsanforderungen für die praktische Abiturprüfung weiterhin nahezu ungebrochen übernommen worden ist.

Erst im 99er Lehrplan ist im Zusammenhang mit den gleichzeitig entwickelten Rahmenvorgaben für den Schulsport in allen Schulstufen die 20 Jahre zuvor begonnene Abkehr vom reinen Sportartenunterricht konsequent zu Ende geführt worden. Der Leistungskurs Sport ist - wie jeder schulische Sportunterricht - der Entwicklungsförderung und der Erschließung der Bewegungs-, Spiel- und Sportkultur in seiner Breite verpflichtet und hat diesen Auftrag stufen- und kursspezifisch zu erfüllen. Auch im Leistungskurs orientieren sich die Zielvorstellungen an den sechs Pädagogischen Perspektiven . Die Unterrichtsinhalte entstammen den im Lehrplan konkretisierten drei Bereichen des Faches (ausgehend vom eigenen aktiven sportlichen Handeln geht es um fachliche Kenntnisse sowie Methoden und Formen selbstständigen Arbeitens). Über die Qualifikationsphase hinweg wird der Leistungskurs in einem vorab vereinbarten Kursprofil geführt, d.h. in einer Sequenz aufeinander bezogener und thematisch entfalteter Unterrichtsvorhaben . Dabei folgt die Vermittlungsweise dem Prinzip der Schülerorientierung und ist darauf ausgerichtet, eigenständiges und selbstverantwortliches Lernen zu ermöglichen und zu fördern. Entsprechend heben alle Vorgaben konsequent auf diese didaktische Konzeption ab - von den Zielen über die Inhalte, Vermittlungsweisen und Lernerfolgskontrollen bis in die Abiturprüfung hinein.