Schulsportentwicklung
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Die Facharbeit im Grundkurs Sport (P4)
Die Facharbeit im Rahmen der gymnasialen Oberstufe zielt darauf ab, die Schülerinnen und Schüler mit wesentlichen Prinzipien und Formen selbstständigen Lernens vertraut zu machen. Vor diesem Hintergrund ist die verbindliche Verpflichtung für alle Oberstufenschülerinnen und -schüler zu verstehen, an Stelle einer Klausur in einem selbst gewählten Fach eine Facharbeit verfassen zu müssen. Dabei bietet das Schreiben der Facharbeit jedem Schüler und jeder Schülerin die Chance, unter Berücksichtigung eigener Interessensschwerpunkte selbstständig zu arbeiten. Das hat den Vorteil, dass die Schüler längerfristig und intensiv einen auch für sie interessanten Sachverhalt systematisch in einem begrenzten Rahmen erschließen können.
Bislang liegen Erfahrungen mit der Facharbeit nur aus dem Leistungskurs Sport vor. Wer aber nunmehr Sport als 4. Fach der Abiturprüfung - also mit Klausurverpflichtung - wählen darf, kann ggf. von der Möglichkeit Gebrauch machen, die geforderte Facharbeit in der Qualifikationsphase als Ersatz für eine Klausur im Fach Sport zu schreiben. Insbesondere in diesem Fach ist dabei zu berücksichtigen, dass diese Arbeitsweise für die Schülerinnen und Schüler eher neu ist und sie somit auf die Beratung und Hilfe der Fachlehrkraft angewiesen sind. Letztlich ist neben dem Produkt der Arbeit auch der Prozess der Produkterarbeitung von großer Bedeutung und ist bei der Notenfindung zu berücksichtigen. Somit ist das gewissenhafte Erarbeiten der Facharbeit, der Prozess ihrer Erstellung also, zu lehren, zu steuern und zu gewährleisten. Als eine wesentliche Orientierungshilfe dient hierbei ein von der Schule zu erstellender Reader zur Facharbeit, der als Bezugsquelle sowohl in der Informations- und Orientierungsphase als auch als Nachschlagewerk während der Recherche- und Schreibphase dient und folgende - gerade für den Sportunterricht wesentliche - thematische Schwerpunkte haben kann:
Organisatorische Rahmenbedingungen/Phasierung
Themenfindung
Literatursuche und -verarbeitung / Experimentierphase
Schreibphase
Diese Phasen sollten mit exakten Terminvorgaben und entsprechenden Überprüfungsregularien für Schreibende und betreuende Lehrkraft dirigiert und kontrolliert werden (Gesprächsprotokolle, Expose der Arbeit, Gliederung,).
Das Beratungsgespräch
Themeneingrenzung und Entwicklung einer Fragestellung
Material- und Literaturbeschaffung
Kontrolle der Selbstständigkeit des Schülers
Gliederung und Schrittfolge der Arbeit
Schreib-Textprobe
Die Anzahl der Beratungsgespräche sollte festgelegt werden und die jeweiligen Phasen (Themenfindungsphase, Experimentier- und Recherchephase) der Facharbeitsentwicklung begleiten. Gleichzeitig wird die Selbstständigkeit in der Anfertigung der Facharbeit gefördert und kontrolliert.
Arbeits- und Zeitplanung
Eine Kalenderübersicht mit drei je vierwöchigen Phasen der Facharbeit bietet sich als Planungshilfe an. Darin werden alle zeitintensiven Unternehmungen (schulisch und privat) verschriftlicht, z.B.:
alle Klausuren, die in dieser Zeit geschrieben werden
alle sportlichen Unternehmungen (Training und Wettkampf)
alle festen privaten Termine
die Gliederung des Zeitrasters für das Erstellen der Facharbeit mit der Fixierung der Termine der mindestens 3 Beratungsgespräche (evtl. Pufferzone am Ende der drei Phasen)
Dieses Verfahren ist gerade für sportliche Schülerinnen und Schüler von großer Bedeutung, da sie häufig durch Training und Wettkampf in besonderem Maße mit terminlichen Verpflichtungen konfrontiert sind. Ein mögliches Raster als Hilfe kann von den Schülern selbstständig erstellt werden. Es beinhaltet die Termine, die für die Facharbeit vorgegeben sind:
Abgabe der Wahlzettel und Ausgabe des Readers am ________
Klausurtermin(e) GK am ________, ________
Bekanntgabe der Fachwahlen durch die betreuenden Lehrkräfte am _______
Wettkampf, Qualifikation, Meisterschaft am _______
Beratungstermine für die Facharbeit und die jeweiligen Beratungsgespräche am ______
Beratungsgespräche am ________
Themenfindungsphase vom ________bis ________
Experimentier- und Recherchephase vom ________bis ________
Schreibphase vom ________bis ________
Klausurtermine LK am ________, ________
Abgabe der Facharbeit am ________
Noten Quartal 12.2 am ________
Themenfindung
Für die Typologie von Facharbeitsthemen im Fach Sport bietet der Lehrplan zwei Kategorien an. So können Themen zum einen aus der engen Verknüpfung von Bewegungshandeln und dessen Reflexion erwachsen und zum anderen aus der Gegenwartsbedeutung des Sports als Phänomen der gesellschaftlichen Wirklichkeit. Beiden Typen der Arbeit sind der unmittelbare Bezug zum persönlichen Erleben bzw. der Auseinandersetzung mit dem Sport gemeinsam, wobei die persönliche und/oder die räumliche Nähe für das Fach Sport und somit auch für die Facharbeit Sport von großer Bedeutung sind. Für das Wahlverhalten der Schülerinnen und Schüler ist es in diesem Zusammenhang wichtig, dass sich frühzeitig Ideen, Fragestellungen und Probleme aus dem Unterricht für eine Facharbeit ableiten bzw. finden lassen. Allerdings sollten über das Kontingent der für einen Kurs angedachten Facharbeiten innerhalb der Schulen Absprachen bestehen. Die Zahl der in einem Kurs zu schreibenden Facharbeiten sollte erfahrungsgemäß die Zahl 5 nicht überschreiten.
Das lässt sich auch am Beispiel der folgenden Themen eines Durchgangs an einer Schule mit dem Leistungskurs Sport leicht nachvollziehen:
Motive zum Sporttreiben - eine vergleichende Betrachtung von Jungen und Mädchen im Rahmen einer Stichprobenuntersuchung in der Sportart Basketball in meiner Schule
Konzentrative Selbstentspannungsmethoden - ein Weg zur Stressprävention und Stressabbau für Schülerinnen in der Sekundarstufe II? Ein selbstständig geleitetes Trainingsprogramm im Grundkurs 12.2 H
Was ist dran am Walking? Eine Fallstudie am Beispiel einer Walking-Gruppe (Landfrauen Rödinghausen) im heimischen Raum
Der Sportler als Werbeträger - eine Recherche unter besonderer Berücksichtigung der heimischen Presse
Wie ernährt sich der Leistungssportler im Tennissport? Eine Befragung bei Spitzensportlern in meinem Verein
Die Beraterfunktion
Die Besonderheit in der Beraterfunktion der Sportlehrkraft liegt im Fach und den - im Vergleich zu anderen Fächern - besonders differenzierten und vielschichtigen Zielstellungen. So ist die Rolle des Beraters in sehr starkem Maße gefragt, wenn jemand in einem Kurs selbstständig ein Trainingsprogramm planen, durchführen und evaluieren will (vgl. o.a. Thema 2). Dabei ist es keine Form von sinnvoller Beratung und Betreuung, sich lediglich darauf zu beschränken, das Thema zu akzeptieren und seine grundsätzliche Hilfsbereitschaft zur Lösung etwaig auftretender Probleme zu erklären, aber sonst die Schreibenden sich selbst zu überlassen. Es ist allerdings auch zu vermeiden, eine solche Arbeit so intensiv mitzubetreuen, dass das Engagement des Lehrers in die Nähe einer Mitautorenschaft gerät.
Somit ist die Beratungs- und Betreuungssituation stets individuell, wobei grundsätzliche Probleme (Themeneingrenzung, logischer Aufbau der Arbeit und deren Gliederung, Entwicklung von Argumentationsgängen, Problematisierung der inhaltlichen und umfänglichen Reduktion) in Kleingruppen erarbeitet werden sollten. Da in der Regel im Sportunterricht eher Themen gesucht werden, die sich nicht ausschließlich auf Literaturrecherche beziehen, ist in besonderem Maße darauf zu achten, die Zeitschiene zu berücksichtigen. Interviews, Befragungen, Experimente und Trainingsprogramme (vgl. o.a. Themen 1, 3 ,4, 5) müssen insbesondere hinsichtlich organisatorischer Machbarkeiten reflektiert und antizipiert werden. Wer eine Facharbeit schreibt, der ist abhängig von anderen, die nicht immer präsent sind. Aus diesem Erfahrungsvorsprung von Lehrkräften ergeben sich auch Konsequenzen bezüglich der Betreuung. So muss in besonders ausgeprägtem Maße Wert darauf gelegt werden, dass das Sammeln der Daten (z.B. Fragebögen in o.a. Themen 1, 3, 5), das Einhalten von Terminen (z.B. Archivrecherche in o.a. Thema 4), der Beginn von Trainingsmaßnahmen oder unterrichtsähnlichen Vorhaben (bei o.a. Thema 2) eine terminliche Einhaltung der vorgegebenen Fristen und somit Abgabe der Arbeit ermöglichen. Betreuer und Betreute befinden sich also in einem ständigen Dialog, wobei Geduld und Verständnis aber auch Bestehen auf Vereinbarungen und Pflichten vertragsähnliche Bedingungen zwischen Partnern darstellen.
Organisationshilfen:
Die beiden folgenden Formblätter finden am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Bünde Verwendung und haben sich als angemessene Begleitmaterialien für die Betreuung von Facharbeiten erwiesen:
Das Blatt " Facharbeiten 200_/0_ " ist hilfreich bei der allgemeinen Organisation und Verteilung der Facharbeiten eines Jahrgangs auf die Lehrkräfte.
Das Blatt " Facharbeit gem. § 14(3) APO-GOSt " ist einerseits ein hilfreiches Instrument sowohl zur Organisation der sachgerechten Begleitung der Schülerin bzw. des Schülers bei der Planung und Erstellung der Facharbeit und andererseits eine Dokumentation der Betreuung im Falle eines Widerspruchs.
Nachbemerkung
Die bisher in Facharbeiten im Leistungskurs Sport am Freiherr-vom-Stein-Gymnasium in Bünde erreichten Ergebnisse brauchen den Vergleich mit anderen Fächern nicht zu scheuen und zeigen, dass auch dort die Heranführung an wissenschaftliches Arbeiten und somit eine Vorbereitung auf Studium und Berufsausbildung auf einem hohen Ausbildungsstandard geleistet werden kann. Sicher kann auch der oft sehr hohe Identifikationsgrad der Leistungskursschülerinnen und -schüler mit dem Phänomen Sport zu einer besonderen Qualität der Arbeit verhelfen, die vielleicht ohne eine solch persönliche Befasstheit gar nicht erreicht würde. Die oben angeführten Facharbeitsthemen aus nur einem Gymnasium machen bereits deutlich, dass auch im Sportunterricht eine reizvolle Herausforderung an wissenschaftspropädeutisches Arbeiten in der Sekundarstufe II liegt - sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für die Fachlehrkräfte.





