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Beispiel A für eine mündliche Abiturprüfung

Vor dem Hintergrund der Beispielsequenz des Lehrplans können z.B. folgende mündliche Abiturprüfungen erfolgen:

Aufgabenstellung für den ersten Prüfungsteil (Thematik: Ursachen und Auswirkungen von Regeländerungen im Volleyball) :

Stellen Sie in einer systematisierenden Darstellung Tendenzen heraus, die sich in den in der Anlage historisch aufgelisteten Regeländerungen spiegeln und erörtern Sie Motive, die zu diesen Änderungen und zu inzwischen etablierten Varianten des Volleyballspiels geführt haben!

Anlage: „Immer wieder Neuerungen“ aus Deutsche Volleyballzeitschrift, Feb. 1999

Immer wieder Neuerungen

Seit im Jahre 1887 im YMCA-Sporthandbuch die ersten gedruckten Volleyballregeln vorgelegt wurden, hat es zahlreiche Änderungen und Modifikationen gegeben. Hier die wichtigsten Neuerungen aus 111 Jahren:

1900:

•  Das Netz wird erhöht von 1,98 auf 2,13 Meter
•  Die Mehrfachberührung des Balles durch einen Spieler (das sogenannte Dribbeln) wird verboten.
•  Der Aufschlag darf nicht mehr von einem Mitspieler über das Netz gelenkt werden, Er muss so geschlagen werden, dass er direkt im gegnerischen Feld landet.

1912:

•  Das Netz wird erneut erhöht auf nun 2,28 Meter.
•  Die Rotation wird eingeführt.
•  Das Spiel wird auf zwei Sätze festgelegt, die bei 15 Punkten enden.

1918:

•  Das Netz wird bei den Männern auf die noch heute gültigen 2,43 Meter erhöht.
•  Die Zahl der Spieler wird auf sechs pro Mannschaft festgelegt. Zuvor gab es keine Beschränkung der Spielerzahl.

1922:

•  Die Ballberührung auf jeder Seite wird auf maximal drei begrenzt.
•  Der Angriff von Hinterfeldspielern am Netz wird verboten.

1923:

•  Spielerwechsel sind nur noch bei Spielunterbrechungen möglich.
•  Bei einem Spielstand von 14:14 sind zwei Punkte Vorsprung zum Satzgewinn notwendig.

1964:

•  Der Blockspieler darf mit den Händen über das Netz greifen. Dabei werden ihm zwei Berührungen erlaubt.

1970:

•  Einführung der Netzantennen.
•  Nach einer Blockaktion sind drei Ballberührungen erlaubt.
•  Der Abstand der Netzantennen wird von 9,50 auf neun Meter verringert.

1984:

•  Die Doppelberührung in der Abwehr wird erlaubt.
•  Das Abblocken oder Angreifen des gegnerischen Aufschlags wird verboten.

1988:

•  Im fünften Satz wird der Tie-break eingeführt, die Punktzahl auf 17 beschränkt.

1992:

•  Der Ball darf mit jedem Körperteil gespielt werden.
•  Beim ersten Ballkontakt einer Mannschaft muss der Ball nicht mehr sauber gespielt werden.
•  Die Aufgabezone hinter der Grundlinie wird abgeschafft.

1998

•  Einführung von farbigen Spielbällen.
•  Im Hinterfeld wird die Position des Liberos eingeführt.
•  Die konventionelle Zählweise in den ersten vier Sätzen wird durch das Rally-Point-System bis 25. Punkte ersetzt.


Erwartungshorizont

Spieltechnische Regeländerungen

•  Erhöhung der technischen Anforderungen (bis 1922)
•  Vereinfachung der Abwehrtechniken (1922 bis 1994)
•  mehr Handlungsmöglichkeiten für die Blockspieler (z.B. ab 1964: zwei Ballberührungen)
•  drei Ballkontakte nach dem Block (1976)
•  Doppelberührung in der Abwehr erlaubt (1984)

Spieltaktische Regeländerungen

•  Angriffsmöglichkeiten werden zunehmend eingeschränkt bzw. erschwert (1900, 1912, 1918)
•  Angriffsverbot für Hinterspieler (1922)
•  Aufhebung der Aufgabezone (1994)
•  Einführung eines Liberos (i.d.R. kleinere Spieler) (1998)

Veränderungen der äußeren Bedingungen

•  verstärkte Reglementierung und Professionalisierung (1900, 1912, 1918: Netzerhöhung, 1970: Einführung der Antennen, 1918: Spielerzahl, 1923: Spielerwechsel)
•  Veränderung der Zählweise (1923: zwei Punkte Vorsprung, 1988: Tie-break im 5. Satz, 1998:Rally-Point-System in den ersten vier Sätzen)
•  kalkulierbarere Spielzeiten (1988, 1998)
•  farbige Spielbälle (1998)

Der heutige Spielgedanke ist bereits in wesentlichen Zügen 1922 zu erkennen. Die Regeländerungen betreffen zum einen ein immer wieder neu herzustellendes Gleichgewicht von Angriff und Verteidigung (Wahrung der das Sportspiel kennzeichnenden Ambivalenz des Spiels = innere Attraktivität), zum anderen sind sie Ausfluss einer zunehmenden Professionalisierung und Kommerzialisierung (Zuschauer- und Medienwirksamkeit = äußere Attraktivität). In neuerer Zeit etablieren sich (wie in anderen Sportspielen auch) Varianten des Volleyballspiels (z.B. Beach-Volleyball, 4:4 im Jugendbereich), die insbesondere als Freizeitsport zunehmend attraktiver und im Leistungssport besonders medienwirksam inszeniert werden.

Mögliche Ursachen für Regeländerungen und Spielvarianten:

•  Steigerung der Spielattraktivität - mehr Spannung
•  Zunehmende Leistungsfähigkeit der Spieler - technisch wie taktisch
•  Schaffung von vergleichbaren Anforderungen
•  Größere Wirksamkeit durch Spezialisten
•  Wunsch der Veranstalter und Medien nach Attraktivität und kalkulierbarer Zeitplanung
•  Trend zu Street- und Beach-Varianten in allen Sportspielen
•  Nachwuchsmangel und Beachtung kindgemäßer Spiel- und Übungsformen

 

Vorgesehene Inhalte für den zweiten Prüfungsteil (Thematik: Motive zum Sporttreiben und ihre Auswirkungen auf die Gestaltung von Schul-, Vereins- und Leistungssport) :

 

Motive für Kinder und Jugendliche (Freizeitbereich): Sport mit anderen, Spaß, Wettkämpfe, Erlebnisse durch Trendsportarten, Geltungsbedürfnis

•  Schul- und Vereinsport müssen dies durch entsprechende Angebote an Sinnrichtungen, Sportarten und geeigneten Organisationsstrukturen berücksichtigen
•  Sportverbände und -vereine bieten kind- und jugendgemäße Trainings- und Wettkampfformen an
•  Kommunen müssen für entsprechende Sportstätten, Spiel- und Sportgelegenheiten sorgen

Motive für Erwachsene (Freizeitbereich): Sport mit anderen, Gesundheit, Spaß, Fitness, Geselligkeit

•  Kommunen müssen für entsprechende Sportstätten, Spiel- und Sportgelegenheiten sorgen
•  Kommerzielle Anbieter drängen auf den Markt (z.B. Fitness-Studios, Wellness-Angebote)
•  Krankenkassen bieten Sportkurse an
•  Sportvereine müssen sich anpassen: Sie bieten gesundheitsorientierte Gruppen (Yoga, Aerobic, Koronarsport, Fit- and Fun- Gruppen, Jogging, Tanzen, Wandern usw.) an, nehmen Kursangebote gegen Bezahlung in das Programm auf, legen Wert auch auf außersportliche Aktivitäten (z.B. Ausflüge)

 

Motive für Jugendliche und Erwachsene (Leistungssport): Leistung, Wettkampf, Prestige, Geld verdienen

•  Kommerzialisierung des Sports
•  Sponsoring ist unerlässlich
•  Medienwirksamkeit ist erforderlich

 

Ein weiteres Motiv für das Sporttreiben kann für alle oben genannten Gruppen in der Rehabilitation nach Verletzungen oder Krankheiten liegen (Angebote s.o.)